«Der grosse Unbekannte Namens Samir ist und bleibt eine Phantom.» Das findet das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt und verurteilt einen damals 21-jährigen Schweizer, der 2010 mit einer Pistole bewaffnet das Restaurant Linde in Subingen, das Romatikhotel Sternen in Kriegstetten und den Kiosk in Alchenflüh überfallen hatte, zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Seine damals 22-jährige Freundin, Karin L.*, wurde zu zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt werden.

Beim Überfall auf den Sternen hatte Rolf M.* einen Schuss abgefeuert, als ihm ein Gast einen Stuhl in den Weg warf. Dies war die für das Strafmass entscheidende, schwerste Straftat. Das Amtsgericht stufte diesen Gewaltakt aber «nur» als Gefährdung des Lebens, nicht als versuchte Tötung ein. «Die Entfernung des Einschlages im Foto von General Guisan und dem Kopf des Gastes gab den Ausschlag», erklärte Gerichtspräsident Ueli Kölliker anlässlich der Urteilsbegründung.

Die Geschichte, wonach ein gewisser Samir den Überfall auf den Sternen ausgeführt habe, griff nicht. Das Gericht bezeichnete sie als «Schutzbehauptung aus taktischen Gründen. Die Polizei suchte intensiv, hat aber keine Spur eines Samir gefunden. Samir ist ein Phantom und das bleibt er auch.»

Wer die zweite Person auf dem Motorrad war, welche Zeugen bei den beiden Raubüberfällen auf die Restaurants gesehen haben, bleibt ungeklärt. Beim Raubüberfall auf den Kiosk in Alchenflüh wurde dagegen Karin L.* als Mittäterin verurteilt. «Sie hat eine herbeirennende Passantin mit der Pistole bedroht und in Schach gehalten», sagte der Gerichtspräsident.

Für die Einbrüche in Lengnau und Niederbipp, drei gestohlenen Motorräder, das Betreiben einer Indoor-Hanfplantage in Niederönz, Zechprellerei und eine Reihe weiterer, weniger bedeutender Delikte gab es Schuldsprüche für Rolf M. als Haupttäter und Karin L. als Mittäterin.

Dieser Schuss ging nach hinten los

Dieser Schuss ging nach hinten los

Vor rund 6 Jahren wurden zwei Restaurants in Subingen und Kriegsstetten überfallen. Der 28-jährige Täter S.L. stand vor Gericht. Der Bericht vom ersten Prozesstag. (29.11.2016)

Das Gericht rügte aber auch die Ermittler: So setzte die Polizei im Oberaargau sogenannte IMSI-Catcher zur Überwachung der Handys ohne richterliche Genehmigung ein und bei einzelnen Einvernahmen wurde den Verteidigern kein Mitwirkungsrecht gewährt. «Die Erkenntnisse aus diesen Massnahmen dürfen nicht verwertet werden, aber für die Schuldsprüche war das nicht entscheidend», sagte der Gerichtspräsident.

Mehr als vier Jahre sass Rolf M. ohne Gerichtsurteil im vorgezogenen Strafvollzug auf dem Thorberg. Eine viel zu lange Verfahrungsdauer, fand das Amtsgericht. Es gewährte dem kriminellen Pärchen wegen der Verletzung des Beschleunigungsgebots eine Strafmilderung um 25 Prozent. Die stossende Langsamkeit der Staatsanwaltschaft ist für Karin L. matchentscheidend. Sie hat sich seither nichts mehr zu Schulden kommen lassen und arbeitet. Dank des «Rabatts» betrug ihre Strafe nur zwei Jahre – die oberste Grenze, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

* Name von der Redaktion geändert