Schulserie
Viel Effort schon vor dem ersten Schultag: Wie Kinder in Dulliken schon früh sprachlich gefördert werden

Deutschkenntnisse sind wichtig, um dem Unterricht in der Schule folgen zu können. Damit auch Kinder aus fremdsprachigen Familien schon von Beginn an mitreden können, investiert Dulliken in die Frühförderung.

Susanne Hofer
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In der Kita in Dulliken lernen die Kinder schon früh, sich auch auf Deutsch zu verständigen.

In der Kita in Dulliken lernen die Kinder schon früh, sich auch auf Deutsch zu verständigen.

Bruno Kissling

Im Kindergarten «Kreuzweg» in Dulliken trudeln gegen 8.15 Uhr die ersten Kinder ein. Sie werden beim Eingang von ihren Vätern und Müttern verabschiedet. Empfangen werden sie in den freundlichen und bunten Räumlichkeiten von den Kindergärtnerinnen Odette Bolliger und Clarissa Aeschlimann, die auch Deutsch als Zweitsprache (DAZ) unterrichten. Schon bald spielt die kleine Luna mit Puppen und dem Hund Rosa, während Sophie am Sunneplätzli Bilder aus Steckperlen macht.

Schule in einem multikulturellen Umfeld

In dieser Kindergartenklasse treffen sich Kinder aus der Schweiz, Kosovo, Italien, der Türkei, Afghanistan und Sri Lanka. «Wir haben eine Schule für alle», so Frank Müller, Co-Schulleiter Kindergarten bis 4. Klasse. Odette Bolliger ergänzt: «Die Zusammenarbeit mit den fremdsprachigen Eltern ist gut», nur selten gebe es Probleme; dann sei es wichtig, zusammen zu reden, allenfalls mit Dolmetschern. An Weihnachten müsse auch nicht immer Jesus im Zentrum stehen; es gebe andere Möglichkeiten, dieses Fest zu feiern.

Spielgruppe Kunterbunt Dulliken.

Spielgruppe Kunterbunt Dulliken.

Bruno Kissling

«Die Eltern schätzen unsere Arbeit sehr», so Bolliger. Aber es sei so, dass ein einziges auffälliges Kind eine ganze Klasse stören könne. Auf das Thema Kopftuch angesprochen: Wenn in den oberen Klassen ein Mädchen ein Kopftuch trage, erkläre man ihm und den Eltern einfach allfällige Auswirkungen auf die Lehrstellensuche, so Müller. 92 Prozent der Kinder, die in Dulliken in den Kindergarten gehen, besuchen vorher die kostenlos angebotene Spielgruppe.

Serie: So geht Schule heute

In einer Serie berichten wir aus dem Alltag verschiedener Schulen im Kanton Solothurn. Zum Auftakt: Die Kreisschule Gäu.

Gesamtschulleiter Frank Müller.

Gesamtschulleiter Frank Müller.

Bruno Kissling

Das war nicht immer so, vor 2016 waren es viel weniger Kinder, die die Spielgruppe besuchten. Seit 2016 bemüht man sich in Dulliken intensiv um die frühe Förderung, insbesondere auch der fremdsprachigen Kinder. «Vorgängig gab es ein kantonales Sprachförderprojekt», so Frank Müller.

Stephanie Zöll, die schulische Heilpädagogin, erläutert:

«Wenn die Kinder in den Kindergarten kommen, haben einige schon Abklärungen hinter sich.»

Manche von ihnen könnten bereits von den Angeboten der Stiftung Arkadis profitieren. Insgesamt seien die Kinder besser integriert, sie würden Regeln und Strukturen besser verstehen. Das bestätigen auch die beiden Kindergärtnerinnen und DAZ-Lehrerinnen. Odette Bolliger sagt: «Dass die Spielgruppe kostenlos ist für die Eltern, ist natürlich ein gutes Angebot, besonders auch für die vielen fremdsprachigen Eltern in Dulliken.»

Andrea Bolliger

Andrea Bolliger

Bruno Kissling

Die Kinder könnten sich zu Beginn des Kindergartens besser lösen von den Eltern, wenn sie vorher schon in der Spielgruppe waren und allenfalls in der Krabbelgruppe, die ebenfalls von einer heilpädagogischen Früherzieherin begleitet wird. Je früher man die Kinder begleiten könne, desto besser für alle Belange, insbesondere auch für das Erlernen der deutschen Sprache.

Auch Hausbesuche gehören dazu

Die Eltern werden sogar zu Hause besucht, wenn sie auf einen vorgängigen Brief betreffend des Spielgruppenangebotes nicht reagieren. Dazu Andrea Bolliger, Leiterin frühe Förderung Dulliken:

«Viele Kinder hatten Mühe bezüglich Sprache, aber auch mit Regeln.»

Schulhaus Neumatt Dulliken.

Schulhaus Neumatt Dulliken.

Bruno Kissling

Manche hätten noch nie zuvor eine Schere benutzt, ergänzt Müller. Man habe realisiert, dass man gleich nach der Geburt mit den Familien Kontakt aufnehmen müsse. Wichtig sei es, dabei auch die Väter zu integrieren, die oft unsere Kultur besser verstünden, da sie erwerbstätig sind. Frühe Förderung sei nicht als Therapie zu verstehen, aber wenn man merke, dass ein Kind Förderbedarf hat, könne man auf die Angebote hinweisen, wie etwa die Logopädie.

Auch Priska Käser, Leiterin der Spielgruppe Kunterbunt, bestätigt die positiven Wirkungen der frühen Förderung. Die Kinder kämen mit einer besseren Basis. Früher habe es Kinder gegeben, die kein Wort Deutsch sprachen, heute merke man da schon einen Unterschied. Wobei auch immer das Elternhaus eine Rolle spiele.

Frühe Förderung für Kinder mit Migrationshintergrund im Schulhaus Neumatt in Dulliken.

Frühe Förderung für Kinder mit Migrationshintergrund im Schulhaus Neumatt in Dulliken.

Bruno Kissling

An der Wand des Spielgruppenraumes hängt ein Plakat mit Hinweisen, wie man die Kinder sprachlich spielerisch fördern kann: So etwa mit dem sogenannten Scaffolding, wo man mit der Vorgabe sprachlicher «Gerüste» ein Kind unterstützen kann sich auszudrücken. Ebenso, indem man Lücken lässt, aktiv zuhört, ein korrigierendes Feedback gibt oder etwa Ausführungen erweitert.

Frühe Förderung für Kinder mit Migrationshintergrund im Schulhaus Neumatt in Dulliken.

Frühe Förderung für Kinder mit Migrationshintergrund im Schulhaus Neumatt in Dulliken.

Bruno Kissling

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