Bildung

Schulleiter-Verband verärgert Lehrpersonen mit Sparvorschlägen

VSL so sieht Sparpotential bei Treuprämie und Altersentlastung für Lehrer (Symbolbild)

VSL so sieht Sparpotential bei Treuprämie und Altersentlastung für Lehrer (Symbolbild)

Bei den Personalkosten gibt es Sparpotenzial. Das jedenfalls meint der Schulleiter-Verband und schlägt Änderungen im Gesamtarbeitsvertrag vor. Damit sorgt er bei Lehrpersonen sowie vielen Schulleitenden für rote Köpfe.

Für einmal ist es nicht die Bildungsverwaltung, welche den Unmut der Solothurner Lehrerschaft provoziert. Für Furore sorgt vielmehr ein Schreiben des Verbandes der Schulleiterinnen und Schulleiter Solothurn (VSL SO) von Ende Oktober an die Mitglieder des Kantonsrats. Im Rahmen der aktuellen Diskussion über Sparmassnahmen in sämtlichen Politikbereichen unterbreitet der Verband dem Parlament Sparvorschläge im Bereich Bildung.

Verärgert ist die Lehrerschaft vor allem darüber, dass der VSL SO dem Parlament eine Überarbeitung des Gesamtarbeitsvertrags (GAV) vorschlägt. Hiermit gäbe es, so ist der VSL überzeugt, «eine Reihe von Möglichkeiten, die Kosten im Bildungsbereich zu senken». Konkret werden im Schreiben an die Kantonsräte die Treueprämie und die Altersentlastung angesprochen. Und zudem sollen Lehrpersonen nicht bereits nach 17 Dienstjahren den maximalen Lohn erhalten.

Kritik am Alleingang des VSL SO

Diese Vorschläge zum GAV stellen einen «massiven Angriff auf die Anstellungsbedingungen der Volksschullehrpersonen dar», schreibt der Solothurner Lehrerverband (LSO) am 6. November in einem Brief an den Vorstand des VSL SO. Und: Der LSO erachte diesen Angriff auf den GAV als Kampfansage. Der GAV als rechtliche Grundlage für die Anstellung von Lehrpersonen enthalte mit der Altersentlastung oder der Treueprämie «mühsam erreichte Errungenschaften», unterstrich gestern auf Anfrage LSO-Präsidentin Dagmar Rösler.

Neben dem Inhalt der Sparvorschläge stösst sich der LSO zudem auch daran, dass sich der Schulleiterverband «im Alleingang» mit einem Brief an den Kantonsrat gewendet hat – ohne den Lehrerverband einzubeziehen. Dies, nachdem sich beide Verbände Ende August in einem gemeinsamen Schreiben an das Parlament gegen die regierungsrätlichen Sparmassnahmen im Volksschulbereich ausgesprochen hatten.

Verärgert über das Vorgehen des Schulleiterverbandes ist aber nicht nur der LSO, sondern auch zahlreiche Schulleitende. «Die Verbands-Basis ist vom Vorstand weder über den Brief an den Kantonsrat noch über die konkreten Sparvorschläge zum GAV informiert worden», kritisiert etwa Albert Arnold, Schulleiter der regionalen Schule äusseres Wasseramt.

Schulleiterpräsident erklärt sich

«Wir wollen weder die Altersentlastung noch die Treueprämie abschaffen», versichert der Präsident des VSL SO, Adrian van der Floe. Die Vorschläge des Verbandes bezwecken vor allem eine einfachere – und dadurch günstigere – Administration in diesem Bereich. Van der Floe gibt aber zu, dass seine Aussagen in besagtem Brief an den Kantonsrat «interpretationsbedürftig» seien. Grössere Einsparungen freilich würde es mit sich bringen, wenn Lehrpersonen nicht bereits nach 17 Jahren im Schuldienst den Maximallohn erzielen.

«Von politischer Seite wird von uns erwartet, dass wir Sparvorschläge machen», rechtfertigt van der Floe das Vorgehen des VSL-Vorstandes. Und die Personalkosten bilden nun mal den grössten Anteil der Ausgaben. Gegenüber den eigenen Verbandsmitgliedern sei der Vorstand mit seinem Brief tatsächlich «vorgeprescht». «Wir haben deshalb jetzt für den 13. Dezember eine Aussprache geplant.» Und weshalb der Alleingang ohne den LSO? «Wir haben bis jetzt beim LSO wenig Bereitschaft für Einsparungen festgestellt», so van der Floe. Eine Aussprache soll aber auch hier zur Versöhnung beitragen.

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