Richteramt Bucheggberg-Wasseramt

Schütze von Zuchwil vor Gericht: Die beiden Opfer sagen aus

Drei Tage dauert die Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt.

Drei Tage dauert die Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt.

Am 18.Juni 2012 schoss der Mann in Zuchwil auf seine Ex-Freundin, ausserdem wollte er zwei weitere Frauen umbringen. Er wird wegen versuchten Mordes in vier Fällen sowie weiteren Vergehen angeklagt. Die dreitägige Verhandlung hat am Montag begonnen.

Die Anklagepunkte an den heute 24-jährigen Beschuldigten lauten unter anderem: Mehrfach versuchter Mord, einfache Körperverletzungen und Vergehen gegen das Waffengesetz. Er muss sich nun vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verantworten.

Am Montagmorgen wurden die Zeugen befragt, darunter die Mutter und der Bruder des heute 24-Jährigen Täters. Sie nahmen den Angeklagten in Schutz, wobei die Mutter einige früher gemachte Aussagen relativierte oder widerrief. Ihre Fantasie sei mit ihr durchgegangen, weshalb sie in früheren Befragungen „unglückliche Aussagen“ gemacht habe. So etwa, dass ihr Sohn sie am Abend vor der Tat gefragt habe, „wo seine Knarre sei“.

Auch der Bruder stellte sich hinter den Angeklagten und hielt fest, seine Familie sei alles für ihn. Als sich der Bruder wiederholt verärgert über die Arbeit der Behörden geäussert hatte, die in seinen Augen die Dinge zurechtbögen, wie es gerade passe, wurde er von Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt zu mehr Anstand ermahnt.

Am Nachmittag des ersten Verhandlungstages sagte neben den beiden Ex-Freundinnen, auf die es der Schütze am 18. Juni abgesehen hatte, auch Urs Hulliger als Zeuge aus. Er hatte die junge Frau an seinem Arbeitsort aus dem Schussfeld gezogen, damit sein Leben riskiert und ein anderes Leben gerettet. Sachlich gab er den Tatablauf noch einmal zu Protokoll. Er habe die Tat weggesteckt, sagte Hulliger.

Im Gegensatz zu Ramona G.* Als Folge der Tag hat sie noch immer Rückenschmerzen und einen tauben Oberschenkel und ist in psychotherapeutischer Behandlung. Mit brüchiger Stimme erzählte sie von der „turbulenten Beziehung“, in der es viel Streit gab, und in der sie vom Angeklagten auch ins Gesicht geschlagen worden sei. Als sie von Richter Altermatt zur Tat befragt wurde, brach die 23-Jährige in Tränen aus.

Etwa gefasster wirkte die Frau, die der Angeklagte am 18. Juni ebenfalls umbringen wollte, von der Polizei aber rechtzeitig gestellt wurde. „Es muss weitergehen“, sagt sie. Doch auch sie könne seit dem Tag keine Beziehung mehr führen.

Der Angeklagte selbst, der sich seit Juli 2013 im vorzeitigen Massnahmenvollzug befindet, sass im Gerichtsaal die meiste Zeit regungslos auf seinem Stuhl. Er wird morgen Dienstag befragt. Die Urteilseröffnung ist für den 8. September vorgesehen.

Vierfach versuchter Mord

Die schreckliche Tat geschah am 18.Juni 2012: der junge Mann feuerte in Zuchwil mehrere Schüsse auf seine Ex-Freundin, die damals 21-jährige Stefania B. Sie wurde schwer verletzt, konnte aber von einem Mann in ein Gebäude in Sicherheit gebracht werden.

Ihr Retter, Urs Hulliger, wurde für diese mutige Aktion letztes Jahr für den Prix Courage nominiert.

Der Täter konnte nach seiner Tat zunächst flüchten, wurde aber kurz darauf festgenommen. Wie Ermittlungen später ergaben, konnte mit seiner Verhaftung ein weiterer geplanter Mord verhindert werden. In Olten war der Mann mit einer anderen Frau verabredet gewesen, die er ebenfalls hatte erschiessen wollen.

Die Solothurner Staatsanwaltschaft wirft dem Mann zudem einen dritten Mordversuch vor. Im Juni 2009 hatte sich der Angeklagte bewaffnet zur Wohnung einer Frau in Oberbipp begeben. Da die Frau die Türe nicht öffnete, blieb es auch hier beim Versuch.

Die Schüsse auf Urs Hulliger, der das Opfer in Zuchwil aus dem Kugelhagel rettete, wurden von der Staatsanwaltschaft ebenfalls als versuchter Mord gewertet.

Der Mann gibt die Schussabgabe vom 18. Juni 2012 zu, verneint jedoch, mit Tötungsabsicht gehandelt zu haben. Er bestreitet die vorgeworfenen Mordversuche. Er befindet sich im vorzeitigen Massnahmenvollzug, derzeit noch im Untersuchungsgefängnis Solothurn. (lsc)

*Name der Redaktion bekannt

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