Nur 19 Sprachaufenthalte

Schüleraustausch-Statistik: Solothurn liegt auf dem zweitletzten Platz

Im Kanton waren viele Schulen beschäftigt mit der Umstellung im Fremdsprachenunterricht - Französisch beispielsweise wird schon ab der dritten Klasse unterrichtet. Ist dies ein Grund, weshalb Austauschprojekte in den Hintergrund rückten?

Im Kanton waren viele Schulen beschäftigt mit der Umstellung im Fremdsprachenunterricht - Französisch beispielsweise wird schon ab der dritten Klasse unterrichtet. Ist dies ein Grund, weshalb Austauschprojekte in den Hintergrund rückten?

Gerade mal 19 Schülerinnen und Schüler aus dem Solothurnischen machten vergangenes Jahr einen Austausch. Das sind «massiv» weniger als in anderen Kantonen, heisst es beim Kanton. Die Zahlen in der Statistik bedeuteten aber nicht unbedingt, dass es kaum Austausch-Aktivitäten im Solothurnischen gibt.

Nur der Kanton Appenzell-Innerrhoden schneidet schlechter ab: Ansonsten machen aber in keinem anderen Kanton so wenige Schülerinnen und Schüler oder auch Klassen einen Sprachaufenthalt in einem anderen Kanton oder einem anderen Land wie im Kanton Solothurn. Das steht zumindest in der kürzlich veröffentlichten Statistik von Movetia; der nationalen Agentur für Austausch und Mobilität.

Laut dieser absolvierten im Jahr 2017/18 19 Schülerinnen und Schüler aus dem Kanton Solothurn einen Austausch. Stellt man diese Zahl der Schülerzahl gegenüber, erhält man den Anteil Schülerinnen und Schüler, welcher ein Austauschjahr gemacht hat oder bei einem Klassenaustausch dabei war. Nur 0.1 Prozent beträgt dieser Anteil im Kanton. Zum Vergleich: Im Aargau beträgt dieser Anteil 1.3 Prozent, im Kanton Baselland 1.1 Prozent. Der direkte Vergleich mit anderen Kantonen sei nur wenig aussagekräftig, heisst es nun aber beim Volksschulamt.

Nicht alle Projekte erfasst

In der Statistik erfasst sind sowohl Schüleraustausche auf Stufe Volksschule (Primarschule und Sek 1) sowie auf Sekundarstufe 2 (Gymnasien, Fachmittelschule und Berufsschulen). Auch wenn Solothurn in der Statistik auf dem zweitletzten Platz liegt: «Die bedeutet allerdings nicht, dass keine Austauschaktivitäten stattfinden, nur, dass der Kanton über wenig Informationen dazu verfügt», so Yolanda Klaus, stellvertretende Leiterin des Volksschulamtes. Denn: Auf Stufe Volksschule würden im Kanton die Anzahl Austauschaktivitäten gar nicht erfasst. So finden laut Klaus auch an der Solothurner Volksschule durchaus Aktivitäten wie etwa «virtueller Austausch» zwischen Schulen oder einwöchige Klassen-Besuche mit Gegenbesuchen statt.

Auf der Stufe Sek 2 geht es dann weiter mit Einzelaustauschen von Gymnasiasten oder Berufspraktiken. Nicht in der Statistik erfasst sind allerdings obligatorische Aufenthalte, die etwa Schülerinnen und Schüler im zweisprachigen Maturitätslehrgang absolvieren. Denn: Diese finden an Sprachschulen statt. Laut Movetia-Vorgaben werden Aufenthalte an Sprachschulen nicht in der Statistik aufgenommen. Das wirft bei Liliane Buchmeier, Leiterin der Abteilung Berufsschulen und Mittelschulen, «Fragezeichen» auf. Sie wolle keinen unbegründeten Verdacht äussern. Aber da der Unterschied zwischen dem Kanton Solothurn und anderen Kantonen doch «massiv» ausfalle, stellten sich bei ihr doch einige Fragen dazu, ob alle Kantone wirklich die gleichen Austausche angeben.

«Keine Entschuldigung»

Dass im Kanton nicht alle Austauschaktivitäten erhoben werden – oder eben diese Fragezeichen bei der Statistik bestehen, sei aber auch keine Entschuldigung: «Das macht die Situation nicht einfach besser», so Buchmeier. Sie glaubt aber auch: Die Situation wird besser. So wachse bei den Schulen allmählich das Bewusstsein für die Umsetzung von Austauschprojekten. Jetzt müssten die Schulen auch dahinter.

Auch Klaus vom Volksschulamt sagt, nach der Einführung des Lehrplan 21 und des Fremdsprachenunterrichts – Französisch ab der dritten Klasse, Englisch ab der fünften – könne «das Thema Austausch und Mobilität vermehrt ins Blickfeld rücken».
Ist dabei hinderlich, dass es im Kanton keine finanziellen Mittel für Austauschaktivitäten gibt? In verschiedenen anderen Kantonen etwa gibt es fixe Beträge. Buchmeier verneint. Es mache keinen Sinn, einen Topf mit solchen Mittel bereit zustellen, ehe man konkrete Austauschprogramme vorweisen könne.

Das Thema beschäftigt nicht zum ersten Mal. Hier geht es zum Hintergrundartikel von Anfang Jahr.

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