29 Ärzte vergiftet

Schüler von Samuel Widmer leitet Seminar mit verheerenden Folgen

Der umstrittene Psychiater Samuel Widmer soll mehrere hundert Therapeuten ausgebildet haben. (Archiv)

Der umstrittene Psychiater Samuel Widmer soll mehrere hundert Therapeuten ausgebildet haben. (Archiv)

Deutsche Heilpraktiker nahmen an einem Seminar Halluzinogene ein und mussten darauf in Krankenhäuser eingeliefert werden. Die Ursache des Vorfalls blieb vorerst unklar. Jetzt wurde der Leiter der Sitzung als Schüler von Samuel Widmer identifiziert.

Bei einem Seminar in Deutschland mussten 29 Ärzte in Krankenhäuser eingeliefert werden, nachdem sie Halluzinogene eingenommen hatten. Zwei Frauen aus Bayern sagten darauf gegenüber der «Süddeutschen Zeitung», auch sie hätten früher an solchen Sitzungen teilgenommen und dabei verbotene Substanzen zu sich genommen. Sie warnten vor der Psycholyse - bei welcher Drogen als Heilmittel eingesetzt worden - und insbesondere vor der Kirschblüten Gemeinschaft.

Die Frauen machten den Psychiater Samuel Widmer für die «unsäglich kaputten» Psycholyse-Therapiesitzungen verantwortlich, die in der ganzen Szene mit unzähligen Anhängern durchgeführt würden. Der «Tagesanzeiger» berichtet am Mittwoch, dass der Guru auch mit dem Seminar in Deutschland in Zusammenhang steht: Ein Schüler des Heilbringers aus Lüsslingen soll die Sitzung nämlich geleitet haben.

Die Ärzte nahmen laut der Zeitung anfangs September eine Überdosis der Droge 2C-E ein. Danach litten sie unter Atemnot und Halluzinationen und mussten in Spitälern betreut werden. Zwei der Teilnehmer sollen sich sogar in akuter Lebensgefahr befunden haben.

Der Psychiater, der die Sitzung leitete, soll ein Schüler und enger Vertrauter von Widmer sein, schreibt der «Tagesanzeiger». Der deutsche Psycholyse­therapeut ist Psychologe verehre den Guru aus Lüsslingen, der schon mehrere hundert Psycholyse-Therapeuten ausgebildet habe, als einen «Weltenlehrer», der das Gebot der Nächstenliebe widerspiegle. 

Missglückte Sitzung unter anderem Anhänger

Diese Zeitung berichtete 2009 von einem anderen Schüler Widmers, der in Berlin praktizierte. Garri R. wurde vom Leiter der Kirschblüten-Gemeinschaft zum Co-Therapeuten ausgebildet. Auch er hielt einmal eine Therapiesitzung ab, bei denen mehrere Teilnehmer geschädigt wurden. 2009 erlebten mehrere Patienten einen Horror-Trip während einer Behandlungsstunde. Zwei von ihnen verstarben noch an der Sitzung.

Im selben Jahr war Garri R. ausserdem als Co-Therapeut bei einer Sitzung von Widmer in Lüsslingen dabei, bei denen fast 60 Teilnehmer Vergiftungserscheinungen aufwiesen. (nka)

Meistgesehen

Artboard 1