Industrietag

Schrumpfung in Europa, Wachstum in Übersee – Sorgenfalten bei der Inveso

Inveso-Präsident Josef Maushart musste am Industrietag einräumen. (Archivbild)

Inveso-Präsident Josef Maushart musste am Industrietag einräumen. (Archivbild)

Am Industrietag des Handels- und Industrieverbands Solothurn und Umgebung zeigten sich ein paar Sorgenfalten.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Präsentierte sich die Nachfrage nach Solothurner Exportgütern in den ersten fünf Monaten des Jahres noch stabil, wird sie seit Juni kontinuierlich kleiner. Bis und mit drittes Quartal gingen die Ausfuhren um 2,9 Prozent zurück. Am besten schlug sich noch die Metall- und Maschinenindustrie, derweil Präzisionsinstrumente und Uhren am meisten nachgaben. Es war denn auch kein Wunder, dass Josef Maushart, Präsident des Handels- und Industrieverbands Solothurn und Umgebung (Inveso), am gestrigen Industrietag ohne Umschweife einräumen musste: «Für Europa stehen die Zeichen auf Schrumpfung!» Was für das Exportland Schweiz - und den Kanton Solothurn – eine schlechte Nachricht ist. 60 Prozent der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrieexporte gehen nach Europa. Besorgt fragte sich Maushart denn auch: «Steht Europa die Uhrenkrise der Automobilindustrie bevor?»

Was die Sache zusätzlich nicht einfacher macht, ist die Tiefzins- und Währungspolitik. Zur Illustration: Eine nachhaltige Währungsentwicklung erforderte gemäss Inveso-Umfrage einen Wechselkurs von 1.10 Franken zum Euro. Gestern lag er bei 1.08 Franken. Das schlägt sich bei den Margen ebenso wie bei den Gewinnzahlen nieder. Doppeltes Fazit von Maushart: «Tiefe Zinsen haben viele Vorteile für Unternehmen, Bürger und Staat, ein gescheiter Wechselkurs ist für die Exportwirtschaft aber kurzfristig wichtig.» Aber auch das Umfeld vor Ort. Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss liess sich die Gelegenheit vor den Industrievertretern denn auch nicht nehmen, die Vorzüge der nun zur Volksabstimmung bereit liegenden Steuerreform zu würdigen. 

Und weil Maushart ein positiv denkender Mensch ist, knüpfte er trotz all der Risiken, welche die Wirtschaft derzeit umgeben, an den Chancen an, die der Wandel bietet. Zum Beispiel durch Rationalisierungen mit Produkt- und Prozessinnovationen – ökologische Ansätze inklusive. Zum Beispiel aber auch durch eine Verlagerung des Exportfokus von Europa auf Übersee und auf Ausfuhrdestinationen, die von der Automobilindustrie unabhängig sind.

Gut gewählt war vor diesem Hintergrund der Austragungsort des diesjährigen Industrietags: Die Vogt-Schild-Druck AG in Derendingen ist ein Unternehmen, das mit Kreativität und Technik immer wieder für Innovation sorgt. Kein Zufall, läuft in Derendingen die weltweit modernste Rollenoffsetdruck-Integration. Und auch ökologisch ist das von Geschäftsführer Rolf Steiner mit viel Know-how und Herzblut geleitete Unternehmen der CH Media-Gruppe eine Marke, die diesen Namen verdient. Es durfte für seinen schonenden Umgang mit Umwelt und Ressourcen 2018 den Energiepreis der Regio Energie Solothurn in Empfang nehmen.

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