Kollegium-Fall
Schraubenzieher-Schläger Valon K. wird nicht verwahrt

Das Urteil im Fall des «Schraubenzieher-Schlägers» ist da: Das Obergericht verhängt «nur» die kleine Verwahrung gegen den Serben, der an der Fasnacht 2010 beim Kollegium in Solothurn einem Mann einen Schraubenzieher in den Kopf rammte.

Lucien Fluri
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Im Solothurner Kollegium-Hof stach Valon K. an der Fasnacht 2010 zwei Mal mit einem Schraubenzieher in den Kopf seines Opfers. Archiv

Im Solothurner Kollegium-Hof stach Valon K. an der Fasnacht 2010 zwei Mal mit einem Schraubenzieher in den Kopf seines Opfers. Archiv

Oliver Menge

Nochmals unterhielt sich Valon K. auf dem Flur vor dem Obergerichtssaal mit seiner Familie und machte, in Fussfesseln und von Polizisten bewacht, Handy-Bilder. Drinnen im Saal bereiteten sich die Richter derweil auf die Urteilsverkündung vor. Verwahrung oder nicht: Das war die Frage, die das Obergericht zu klären hatte.

Der heute 26-jährige Serbe hatte am Fasnachtssamstag 2010 beim Solothurner Schulhaus Kollegium einem 30-jährigen Mann einen Kreuzschraubenzieher in den Kopf gerammt. Dafür erhielt er 2014 vom Obergericht eine dreizehnjährige Freiheitsstrafe wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, plus Verwahrung.

Jetzt ist klar: Valon K. wird doch nicht verwahrt. Das Obergericht hat – vom Bundesgericht gezwungen – sein früheres Urteil nochmals aufgerollt und nicht mehr ein veraltetes psychiatrisches Gutachten verwendet, sondern wie von «Lausanne» angeordnet ein aktuelles Gutachten bestellt.

Nun lautet das neue Urteil: Es gibt «nur» eine sogenannte kleine Verwahrung nach Artikel 59. Das heisst konkret: Valon K. wird in einer geschlossenen Anstalt therapiert. Alle fünf Jahre wird diese Massnahme überprüft. Sie kann so oft verlängert werden, bis kein Rückfallrisiko mehr besteht.

Verwahrung oder nicht: Nochmals fasste Oberrichter Marcel Kamber – flankiert von den Oberrichtern Hans-Peter Marti und Daniel Kiefer – die Ausgangslage zusammen: Einerseits sei die Verwahrung unzulässig, wenn eine stationäre therapeutische Massnahme aussichtsreich sei. Andererseits dürfe diese Massnahme aber nicht angeordnet werden, wenn die Aussicht auf Therapiefortschritte zu vage sei.

Dies könne durchaus auf Valon K. zutreffen, fand das Gericht. Die Therapiefortschritte seien gering. Positiv wertete Kamber jedoch, dass Valon K. seit November in der Strafanstalt Thorberg Fortschritte zeige, einmal wöchentlich die Therapie besuche und es zu «keinen aggressiven Zwischenfällen» mehr gekommen sei.

Letztlich befand das Gericht, dass das Therapiepotenzial hypothetisch bleibe, wenn die Therapie nicht zumindest versucht werde. Schliesslich sei eine solche Massnahme bei Valon K. im Erwachsenenalter noch nicht ausprobiert worden. Gar nicht infrage kam das reguläre Absitzen der Strafe: Das Rückfallrisiko sei sehr hoch, die psychiatrische Störung schwer und komplex, der Intelligenzquotient des jungen Mannes tief.

Erst ganz am Schluss wandte sich Oberrichter Marcel Kamber von der Fachsprache in der Urteilsschrift ab und direkt dem jungen Mann mit der schwarzen Bomberjacke zu. Mit dieser nun angeordneten Massnahme sei bei einer erfolgreichen Therapie irgendwann ein Leben in Freiheit nicht ausgeschlossen. «Das ist eine grosse Chance. Nutzen Sie diese.» K. könne die Therapie leicht torpedieren. «Aber denken Sie daran, wenn die Massnahme erfolglos beendet wird, wartet nicht die Freiheit auf Sie. Es droht wieder die Verwahrung.»