Stellenausschreibung

Schon wieder: Altersguillotine sorgt für Empörung – Gebäudeversicherung will keine Bewerber über 45

Sorgte für Empörung: Die Stellenausschreibung der Solothurner Gebäudeversicherung.

Sorgte für Empörung: Die Stellenausschreibung der Solothurner Gebäudeversicherung.

Auch die Gebäudeversicherung will keine Bewerber über 45, wie sie in einem Stelleninserat schreibt. Werden ältere Stellensuchende diskriminiert?

«Sie sind zwischen 30 und 45 Jahre jung und suchen eine neue Herausforderung?» Das fragt die Solothurnische Gebäudeversicherung in der Ausschreibung der Stelle eines «Fachspezialisten Beschaffung/Beitragswesen». SP-Präsidentin Franziska Roth hatte sich schon vor rund zwei Monaten masslos über eine solche Altersgrenze in einer Stellenausschreibung des Amts für Justizvollzug geärgert, denn das sei diskriminierend. Vielmehr sollte der Kanton eine Vorreiterrolle dabei einnehmen, älteren Stellensuchenden den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen, findet Roth. Denn sie haben es oft besonders schwer, einen neuen Job zu finden.

Ohne «angebrachte Sensibilität»

Im Aargau lancierte das Departement Volkswirtschaft und Inneres schon 2013 die Kampagne «Potenzial 50plus», um Arbeitgeber für die Problematik älterer Stellensuchender zu sensibilisieren. Und in Solothurn schliesst der Kanton selbst schon über 45-Jährige von Bewerbungsverfahren aus? Im konkreten Fall einer neu zu besetzenden Stelle im Gefängnis Schachen in Deitingen sei es eben so, dass im besagten Bereich bereits zwei Drittel der Mitarbeitenden über 50 Jahre alt sind, rechtfertigte man sich im Juni beim Amt für Justizvollzug. Zudem sei mit einer längeren Ausbildungszeit zu rechnen und der Job stelle hohe physische und psychische Anforderungen. Amtschef Michael Leutwyler bedauerte dann aber doch, «nicht die angebrachte politische Sensibilität aufgebracht zu haben».

SP-Präsidentin Franziska Roth war geneigt, an einen einmaligen Ausrutscher zu glauben. Nach einer mündlichen Intervention sei ihr zugesichert worden, dass man beim kantonalen Personalamt für die Problematik sensibilisiert sei und dass so etwas nicht mehr vorkommt. Dass nun letzte Woche doch wieder ein Stelleninserat mit einer Altersguillotine erschien, macht sie nun «stinksauer». Das sei nicht bloss stossend, das sei ein kleiner Skandal, ereifert sich Roth.

Nun ist die Gebäudeversicherung zwar nicht Teil der kantonalen Verwaltung, sondern eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt und damit dem direkten Einfluss des Personalamts entzogen. Für die SP-Präsidentin ist das aber keine Entschuldigung: «So etwas hätte nach einer ersten Intervention nicht mehr passieren dürfen.» Nicht nur die Verwaltung selbst, sondern auch die staatsnahen Betriebe haben ihrer Meinung nach eine Vorbildrolle einzunehmen, wenn es um die Chancengleichheit älterer Jahrgänge auf dem Arbeitsmarkt geht.

Und immerhin ist Regierungsrätin Brigit Wyss von Amtes wegen Präsidentin der Verwaltungskommission der Gebäudeversicherung, die von Gesetzes wegen «den gesamten Geschäftsbetrieb überwacht und die notwendigen Weisungen erlässt». Nun wird man nicht erwarten, dass sich Brigit Wyss um jedes Stelleninserat persönlich kümmert. Gerade ihr als Volkswirtschaftsdirektorin müsste es aber schon ein Anliegen sein, dass es in ihrem Einflussbereich keine Diskriminierung von bestimmten Stellensuchenden gibt. Das findet auch SP-Präsidentin Franziska Roth. Sie behält sich vor, diesbezüglich mit einem Vorstoss im Kantonsrat nachzuhaken.

Es lässt sich nicht unbedingt behaupten, dass man in der Regierung bisher ganz besonders sensibilisiert für die Problematik älterer Stellensuchender gewesen wäre. Die Stellensuche sei für über 50-Jährige schwieriger, aber nicht chancenlos, hiess es etwa in der Antwort auf einen Vorstoss der damaligen Kantonsrätin Doris Häfliger (Grüne) Anfang 2015. Gesamthaft beurteile man deren Perspektiven als intakt.

Die Angelegenheit mit Altersgouillotinen in Stellenausschreibungen scheint nun aber Brisanz zu haben. Nach einer Stellungnahme gefragt, hiess es am Montag bei der Gebäudeversicherung, werde man erst nach Rücksprache mit Regierungsrätin Brigit Wyss kommunizieren können. Später dann doch eine Antwort von Direktor Markus Schüpbach. Keine Rede von Diskriminierung: Die Stellenausschreibung richte sich explizit an aktive Feuerwehr-Instruktoren oder Feuerwehr-Offiziere (Frau oder Mann), die sich noch im aktiven Feuerwehrdienstalter befinden.

Und bei einem Bewerber über 50 Jahren zeige die Erfahrung, dass nicht mehr aktiv Feuerwehrdienst geleistet werden will und diese Personen demnach auch nicht mehr als Instruktor zum Einsatz kommen können. Bei einer jüngeren Person bestehe hingegen die Möglichkeit, diese noch in den aktiven Feuerwehrdienst aufzunehmen und die mehrjährigen Schulungen zum Feuerwehr-Offizier- und/oder Instruktor absolvieren zu lassen. Bei Bewerbern über 50 ohne Erfahrung im aktiven Feuerwehrdienst sei ist dies aufgrund der physischen Belastungen und der regelmässigen medizinischen Tests wenig zielführend.

Meistgesehen

Artboard 1