Lehrplan 21
Schon vor der Abstimmung werden die Weichen gestellt

Zuerst müsste eigentlich noch das Solothurner Volk entscheiden, ob der Lehrplan 21 im Kanton eingeführt wird. Die Regierung treibt trotzdem schon die Weiterbildungen für die Lehrer voran.

Lucien Fluri
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Nächsten Frühling stimmen die Solothurner über den Lehrplan 21 ab. Schon jetzt jedoch treibt die Regierung die nötigen Weiterbildungen für die Lehrer voran. (Symbolbild)

Nächsten Frühling stimmen die Solothurner über den Lehrplan 21 ab. Schon jetzt jedoch treibt die Regierung die nötigen Weiterbildungen für die Lehrer voran. (Symbolbild)

Keystone

Eigentlich wäre es noch nicht Zeit, Entscheide zum Lehrplan 21 zu treffen. Denn erst nächsten Frühling entscheiden die Solothurner Stimmberechtigten, ob sie den Lehrplan 21 an ihren Volksschulen einführen wollen. Denn im Kanton gibt es dazu eine Volksabstimmung.

Doch bereits jetzt treibt das Bildungsdepartement die Vorbereitungen für die Einführung des Lehrplans 21 voran. Schon haben die Schulleiter Kurstage absolviert. Und vergangene Woche versendete die kantonsrätliche Bildungs- und Kulturkommission eine Mitteilung mit dem Titel: «Weichen gestellt».

Die Kommission hiess einen Kredit über eine Million Franken gut. Geld, das ab 2017 für die obligatorische Weiterbildung der 3250 Lehrpersonen der Kindergärten, Primarschule und Sek I gebraucht wird. Noch muss der Kantonsrat darüber entscheiden.

«Wenig Demokratieverständnis»

Beat Künzli hat wenig Verständnis dafür. Der SVP-Kantonsrat aus Laupersdorf ist auch Co-Präsident des kantonalen Initiativkomitees «Volksschule ohne Lehrplan 21», das die Volksabstimmung durchgesetzt hat.

Er versteht nicht, warum der Regierungsrat so rasch vorwärtsmachen will «und die Weiterbildung schon fast vorzieht». Für den Bildungspolitiker ist es nicht korrekt, dass die Abstimmung im Zeitplan der Regierung ignoriert wird und diese «weiterhin aufs Gaspedal drückt». Schon im Juni hat Künzli mit einer Interpellation im Kantonsrat seine Bedenken geäussert, traf mit seinem Anliegen aber ausserhalb der SVP-Fraktion auf wenig Sympathie.

Künzli sprach damals von «wenig Demokratieverständnis». Der Politiker vermutet nicht zuletzt auch eine Taktik dahinter. Im Abstimmungskampf werde es dann heissen, «wir sind schon weit. Wir können nicht mehr zurück.»

«Es muss jetzt geplant werden»

Keine Bedenken hegt Adriano Vella. Der Departementssekretär im Bildungsdepartement sieht nicht ein, warum die Pläne bis zur Abstimmung gestoppt werden sollten. «Die Regierung hat den Lehrplan 21 beschlossen. Es ist unser Auftrag, diesen auf das Schuljahr 18/19 einzuführen», so Vella. Und: Wenn der Lehrplan 21 pünktlich eingeführt werden soll, «muss jetzt geplant werden».

Würde das Volk «Nein» zur Einführung des Lehrplanes 21 sagen, könnten die Weiterbildungen noch rechtzeitig gestoppt werden, hält Vella fest. Der 1-Mio.-Kredit würde dann nicht benötigt. Dass durch die Pläne Fakten für die Abstimmung geschaffen werden, glaubt Vella nicht. «Die Abstimmung wird nicht beeinflusst.»

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