Katzen landauf und landab bringen immer wieder Mäuse oder andere kleine Säugetiere nach Hause. Anstatt diese «Geschenke» heimlich zu entsorgen, können Katzenhalter die Beute an das Naturmuseum Solothurn weiterverschenken. Denn diese toten Mäuse bieten einen Fundus an neuen Informationen. So ist wenig über das Vorkommen und die Verbreitung der Mäuse, Spitzmäuse, Fledermäuse, Schläfer und Kleinraubtiere bekannt. Bei der Erforschung von Kleinsäugern können Katzen eine wichtige Rolle spielen. Doch wurden sie bisher als Forscherinnen in diesem Bereich massiv unterschätzt: Die 1,4 Millionen Freigänger-Katzen in der Schweiz erbeuten geschätzt 10 Millionen Mäuse und andere Kleinsäuger pro Jahr.

Seit Mai 2018 läuft das Projekt «Zeig‘ mir Deine Maus, Katze!» des Naturmuseum Solothurns, bei dem die Katzenhalter in den Kantonen Bern und Solothurn aufgefordert werden, die Beutetiere ihrer Katzen zu sammeln und einer der 16 Abgabestellen zu überreichen. Bisher wurden über 400 Tiere abgegeben, 189 davon konnten bereits auf die Art bestimmt werden. Die bisher analysierten Tiere stammen aus fünf Familien und 17 Arten: Maulwürfe (1 Art), Langschwanzmäuse (3 Arten), Schläfer (3 Arten), Spitzmäuse (6 Arten) und Wühlmäuse (4 Arten). Von 72 Tieren wurden genetische Proben genommen und ins Labor der Fachhochschule Wädenswil (ZHAW) geschickt.

Mit diesen Ergebnissen werden die Kenntnisse zu der Verbreitung der Kleinsäuger erweitert, gleichzeitig bieten sie eine Grundlage für Fördermassnahmen für seltene oder geschützte Arten. Die Daten werden in den neuen Säugetieratlas der Schweiz und Liechtenstein, der 2021 erscheinen wird, einfliessen.

Das Projekt läuft noch bis Ende November 2018 weiter. Das Naturmuseum Solothurn freut sich über jede Maus, die den Weg ins Projekt findet. Seltene Arten wie die Wasserspitzmaus oder die Kleinwühlmaus fehlen bisher unter den Nachweisen. Und auch von vermeintlich häufigen Arten wie der Rötelmaus oder der Hausmaus wurden bisher nur wenige Tiere abgegeben. «Um hier noch etwas mehr zu erfahren, sind wir weiterhin auf die Mithilfe der Katzen angewiesen», heisst es in der Mitteilung des Naturmuseums.

Doch es muss nicht immer eine Katze sein: Auch anderweitig tot aufgefundene Tiere werden gerne entgegengenommen. Der Zwischenbericht zum Stand des Projektes «Zeig‘ mir Deine Maus Katze» kann auf der Webseite des Naturmuseums und unter www.bit.ly/katze-maus eingesehen werden. Auch Informationen dazu, wie beim Fund einer toten Maus vorzugehen ist, finden sich dort. (mgt)