Bundesstrafgericht

Schon sonderbar

Hans-Peter Marti Oberrichter Kanton Solothurn

Hans-Peter Marti hat langjährige Erfahrung als Oberrichter vorzuweisen.

Hans-Peter Marti Oberrichter Kanton Solothurn

Der Solothurner Oberrichter Hans-Peter Marti hatte sich um eine der nebenamtlichen Richterstellen an der neu geschaffenen Berufungskammer des Bundesstrafgerichts beworben. Doch vor der Gerichtskommission in Bundesbern musste er feststellen, dass sich lediglich ein kleiner Teil der National- und Ständeräte dafür interessierte, dass sich ein langjähriger Richter vorstellte.

Ein erfahrener Solothurner Richter bewirbt sich für einen interessanten Teilzeit-Einsatz am Bundesgericht, wird nicht berücksichtigt und versteht danach die Welt nicht mehr. Haben wir es hier einfach mit einem überempfindlichen Zeitgenossen zu tun? Auf den ersten Blick könnte man zu dieser Einschätzung kommen: Jurist in fortgeschrittenem Alter mit erfolgreicher Berufslaufbahn wird von einer politischen Kommission schnöde abgewiesen. Doch es steckt wesentlich mehr dahinter. Eine genauere Betrachtung ist allein schon deshalb angezeigt, weil Richter äusserst diskrete Menschen sind und nicht leichtfertig zu den Medien rennen. Eigentlich kommt es gar nicht vor.

Oberrichter Hans-Peter Marti hatte einen Doppelschlag erlitten, der weniger sein Ego verletzte, als vielmehr sein staatspolitisches Verständnis von einem professionellen Auswahlverfahren auf Bundesebene erschütterte. Die neu geschaffene Berufungskammer am Bundesstrafgericht ist nicht irgendeine Institution. Für deren Besetzung ist die aus eidgenössischen Parlamentariern zusammengesetzte Gerichtskommission zuständig. Und was kann ein seriös vorbereiteter Bewerber von diesen Politikern erwarten? Sicher nicht, dass sie am Handy hängen und ihn nach kurzen zehn Minuten, teilweise gänzlich ohne Blickkontakt, wieder hinauskomplimentieren. Das hätte Marti noch sportlich weggesteckt. Dass die Berufungskammer dann aber grösstenteils mit Leuten besetzt wurde, die nach seiner Einschätzung etwas gar weit vom Stellenprofil entfernt waren, liess den Solothurner endgültig am Prozedere zweifeln. Und damit liegt Richter Marti nicht falsch – leider, muss man sagen.

theodor.eckert@azmedien.ch

Autor

Theodor Eckert

Theodor  Eckert

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