Jetzt geht es definitiv vorwärts: Das Solothurner Jungunternehmen Swiss Shrimp AG wird noch in diesem Jahr mit dem Bau der schweizweit ersten industriellen Zuchtanlage für Crevetten starten. «Wir haben die Finanzierung sicherstellen können», erklärt auf Anfrage Geschäftsführer Rafael Waber.

Die Weichen wurden jüngst an der Generalversammlung gestellt. Demnach wird das Aktienkapital durch die Platzierung von 10'300 Namenaktien (Nennwert: 10 Fr.) auf 220 000 Franken fast verdoppelt. 85 Prozent der Titel seien bereits gezeichnet. «Für Schnellentschlossene haben wir noch Aktien übrig», sagt Waber lachend.

Inklusive der Reserven aus Kapitaleinlagen (Agio oder Aufpreis auf den Nennwert) verfüge die Firma über ein Eigenkapital von rund 6 Millionen Franken. Hinzu komme noch ein Betriebskredit einer Bank. 

Kein Mehrheitsaktionär

Wer in die sechs Jungunternehmer investiert, will Waber nicht verraten. Bei den neuen Aktionären handle es sich um 30 Investoren aus dem Netzwerk des Swiss-Shrimp-Teams und rund 20 weiteren privaten Geldgebern. Diese hätten sich gemeldet, weil sie das Nachhaltigkeits-Projekt innovativ und die zu erwartende Rendite als attraktiv beurteilten. Die Titel seien also breit gestreut und es gebe keinen Mehrheitsaktionär.

Inzwischen haben die Solothurner in den Kanton Aargau gezügelt. Nach dem neunmonatigen Pilotbetrieb für die Aufzucht von Crevetten auf dem Gelände der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard in Luterbach musste die Swiss Shrimp AG dort im vergangenen Jahr ihre Zelte abbrechen; der Kanton Solothurn als Arealeignerin hat mit Biogen einen weit grösseren Fisch an Land gezogen.

In der Versuchsphase wurden rund 250 Kilogramm Shrimps geerntet. Das Echo der Chefköche von Gourmetrestaurants sei überwiegend positiv ausgefallen, hiess es damals. «Nach dem Praxistest wissen wir, dass die Zucht fangfrischer Garnelen auch im Binnenland Schweiz möglich ist.»

Maximal 180 Tonnen Crevetten

Für den Aufbau der professionellen Crevettenzucht wurde man in Rheinfelden auf dem Areal der Schweizer Salinen AG fündig. Im vergangenen April hat das Start-up auch seinen Geschäftssitz offiziell dorthin verlegt. Noch im laufenden Jahr soll nun mit dem Bau der Aufzuchtanlage gestartet werden. In zwei Hallen wird, so die Firma, die Produktion in einem geschlossenen Salzwasser-Kreislauf betrieben.

Versorgt wird dieser durch Abwärme und Salz aus der Produktion der Salinen. «Die Aufzucht soll nach 60 Tonnen bei der ersten Ernte 2018 ab 2023 maximal 180 Tonnen Crevetten jährlich liefern», erläutert der Firmenchef. Dank der Kooperation mit den Schweizer Salinen AG werde der Betrieb ohne jeglichen fossilen Energiequellen auskommen. Die Partnerin trete auch als Bauherrin und Investorin der beiden Hallen auf. «Wir werden uns einmieten und in den Innenausbau investieren», so Waber.

Insgesamt schätzt er den Finanzbedarf für die Realisierung des Projektes inklusive Aufbauphase auf rund 7 Millionen Franken. Nach jahrelanger «Fronarbeit» des ganzen Teams ist seit Anfang Jahr Rafael Waber zu 60 Prozent fest angestellt, ab August soll Michael Siragusa als Produktionsleiter zu 100 Prozent folgen. «Nach Inbetriebnahme rechnen wir mit sieben bis acht Vollzeitstellen.»

Nachhaltigkeits-Preis

«Wir wollen fangfrische Garnelen auf möglichst ökologische Art in der Schweiz für den Schweizer Markt produzieren.» Für diese Geschäftsidee erhielt das Team 2013 den von der Universität Bern verliehenen Preis Berner Business-Plan-Wettbewerb in der Höhe von 9000 Franken. Im letzten Herbst folgte die nächste Auszeichnung.

Die Firma gewann den mit 25 000 Franken dotierten Innoprix der Baloise Bank SoBa. Und vor wenigen Tagen hat das Schweizer Forum für nachhaltige Entwicklung die Firma mit dem mit 7500 Franken dotierten prix eco.ch in der Kategorie «Generation Zukunft» ausgezeichnet. «Swiss Shrimp agiert mit einer klar definierten Grundhaltung im Hinblick auf die Energieeffizienz, das Tierwohl und den Verzicht auf jegliche Formen von Zusatzstoffen insbesondere Antibiotika», so die Würdigung.