Amtsgericht

«Schoggi-Pistole» dabei: «Richterbeisser» kassiert Gefängnisstrafe von 34 Monaten

Kuno W. zeigt seine Schokoladenpistole, die er zur Urteilseröffnung mitbrachte.

Kuno W. zeigt seine Schokoladenpistole, die er zur Urteilseröffnung mitbrachte.

Der 54-jährige Kuno W., der im Juni 2016 einen Richter gebissen und Behördenvertreter auch anderweitig angegriffen hatte, wird vom Amtsgericht Solothurn-Lebern zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 34 Monaten verurteilt. In den Saal kam er mit einer Schokoladen-Pistole.

Im Juni 2016 war der notorische Justizkritiker und Querulant Kuno W. im Solothurner Gerichtsgebäude ausgerastet. Er biss einen Oberrichter in den Arm und schlug einen Gerichtsschreiber im Solothurner Amthaus.

Das Urteil fiel ungewöhnlich lange aus. Schliesslich hatte der bereits vorbestrafte Kuno W. gleich eine ganze Reihe von Delikten begangen. Verurteilt wurde er schliesslich wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung, wegen versuchter einfacher Körperverletzung, wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte, Sachbeschädigung, wegen Beschimpfung, sexueller Belästigung, Hausfriedensbruch und Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen. 

Der 54-Jährige kassierte neben der unbedingten Freiheitsstrafe von 34 Monaten eine Geldstrafe von 90 Tagesätzen à 30 Franken und eine Busse in der Höhe von 2000 Franken. Die 358 Tage, die W. in Untersuchungshaft sass und die 50 Tage Ersatzmassnahmen werden angerechnet, entschieden die Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

W. bleibt für die nächsten sechs Monate in Sicherheitshaft, die bereits früher in eine Ersatzmassnahme umgewandelt wurde. Er lebt daher in einer Unterkunft im bernischen Chasseral-Gebiet. Das Gericht verpflichtete den Querulanten, jede Woche einen schriftlichen Rapport über seinen Tagesablauf einzureichen.

Richterbeisser Kuno W. zu 34 Monaten Haft verurteilt

Richterbeisser Kuno W. zu 34 Monaten Haft verurteilt

Einem Gerichtsschreiber schlug er ins Gesicht und biss dem Oberrichter in den Daumen. Sein Anwalt will das Urteil aber ans Obergericht weiterziehen.

Verhalten «nicht tolerierbar»

Wie Gerichtspräsident Markus Christ bei der Urteilseröffnung sagte, wiegen die Vorfälle gegen die Behördenmitglieder schwer. Das Verhalten des Mannes sei «nicht tolerierbar». Ein solches Fehlverhalten dürfe der Staat nicht hinnehmen. Der Mann sei «eine schwierige Person» und «sehr schlau».

Der Gerichtspräsident empfahl dem Verurteilten, Kompromisse im Leben einzugehen: «Schöne wäre es, wenn wir Ruhe hätten, und sie und der Staat ruhig leben könnten.»

Neben der Gefängnisstrafe erhielt der einschlägig vorbestrafte Familienvater noch eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Franken und 2000 Franken Busse aufgebrummt. Zudem darf er während fünf Jahren keinen Kontakt zu einer Staatsanwältin aufnehmen, die er in Briefen sexuell belästigt und beleidigt hatte. «Ein Staatsanwalt muss eine dicke Haut haben. Aber es gibt Grenzen, die Sie krass überschritten haben. Ihre Briefe waren Schmutzschriften. Verletzend und menschenverachtend», hielt der Richter dazu fest. Der Staatsanwältin und zwei Polizisten, auf die er losgegangen war, muss Kuno W. zudem insgesamt über 3000 Franken Genugtuung bezahlen.

Gerichtssaal verlassen

Mit einer Pistole aus Schokolade kam der Waffennarr, der seit Jahren auf Kriegsfuss mit Justiz und Behörden im Kanton steht, in den Gerichtssaal. Mit keinem Wort reagierte der Gerichtspräsident auf die Stichelei, sondern verlas ruhig das Urteil.

Der Querulant hörte den Ausführungen des Richters genau zu und schüttelte wiederholt den Kopf. Nach 50 Minuten verliess er wütend den Gerichtssaal - und zwei Polizisten folgten ihm. «Ich werde das wieder machen. Das akzeptiere ich nicht», rief er. Kuno W. hat bereits angekündigt, in Berufung zu gehen.

Ein psychiatrisches Gutachten attestierte dem Mann paranoide und narzistische Züge. Dieser habe das Gefühl, die ganze Welt habe sich gegen ihn verschworen. Der Mann gilt als nicht therapiewillig und nicht therapiefähig.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren sowie eine Busse von 2500 Franken und 385 Tage gemeinnütziger Dienst. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Sein Mandant sei von Behördenvertretern wiederholt provoziert worden.

Richterbeisser vor Gericht

Tag 1 der Verhandlung gegen den «Richterbeisser» (16. Februar 2018)

10 Tage lang musste ein Oberrichter wegen Kuno W. einen Gips tragen. Ab heute steht der Behördenschreck in Solothurn vor Gericht.

Bei seiner Attacke im Juni 2016 war W. im Gerichtsgebäude, weil er den St. Ursen-Brandstifter Andres Z. moralisch unterstützen wollte. Das Obergericht hatte damals über die Verwahrung von Z. zu entscheiden. W. war als Kritiker der Justiz bereits zuvor aufgefallen. Sein Gefährdungspotential war bekannt. Schon einmal war Kuno W. wegen eines ähnlichen Deliktes zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Nach W.s Attacke auf den Richter wurde beim Amthaus 1, wo Obergericht und Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt untergebracht sind, auf den 22.November 2016 eine Eingangskontrolle eingeführt. (lfl/sda)

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