«Unterwegs zur persönlichen Handschrift» titelt das neu empfohlene Lehrmittel für die Basisschrift. Dieses und individuelle Unterrichtsmaterialien liegen im Klassenzimmer der ersten Klasse des Grenchner Halden Schulhauses: Das Unterrichten der Basisschrift ist hier seit Sommer 2015 Realität. Kantonsweit sieht es ähnlich aus: In einer Mehrheit der Schulen dürfte die Basisschrift derzeit eingeführt werden.

Die Kinder der ersten Klasse üben sich fleissig im Schreiben. Der Lärmpegel ist tief und die Schüler lassen sich kaum ablenken: Sie lernen, wie die verschiedenen Buchstaben geschrieben werden sollten. Die Lehrperson erteilt die Schreibablaufanweisungen, um den Kindern ein möglichst schnelles und schönes Gelingen der Buchstaben zu ermöglichen.

Die traditionelle Blockschrift, welche diese Erstklässler lernen, dient als Grundbausstein für die Basisschrift. Die grosse Revolution erfolgt erst in der zweiten Klasse.

«Weniger Drillübungen»

Die Basisschrift ersetzt, im Kanton Solothurn auf freiwilliger Basis, die alte obligatorische Schweizer «Schnürlischrift». Somit lernen die Kinder heute eine Blockschrift, die sich dann ab der zweiten Klasse teilweise verbinden lässt. Es werden nach der ersten Klasse also nicht neue Buchstabenbilder erlernt.

Die gleichen Grundbuchstaben werden ab der zweiten Klasse miteinander verbunden; immer dann, wenn es sinnvoll ist. Die Schüler haben dabei auch einen gewissen Gestaltungsfreiraum. Die Grundform der Buchstaben sollte so von der ersten bis zur neunten Klasse und darüber hinaus nahezu identisch bleiben.

Die neue Basisschrift ähnelt der erwachsenen Handschrift – kaum ein Erwachsener benutzt die einst gelernte «Schnürlischrift».

In den Augen der Lehrerschaft in Grenchen hatte die Einführung der Basisschrift positive Auswirkungen auf den Schulbetrieb. Die Basisschrift bringt vor allem eine gewisse Erleichterung für die Lehrpersonen mit sich: «Früher mussten wir viel Zeit aufwenden, um die Schnürlischrift zu lehren, jetzt haben wir mehr Zeit für Anderes», erklärt Primarlehrerin Ruth Schilt. Weiterhin werde unterrichtet, wie die Stifte zu halten sind und wie der Schreibablauf ideal gestaltet werden kann. Diese Prinzipien beherrschen die Kinder dank der Basisschrift schnell und mit Freude, vor allem weil «weniger Drillübungen gemacht werden müssen», so Schilt.

Mindestens genauso gut

Die Basisschrift wirke sich nicht negativ auf die Schriftentwicklung der Schüler aus, meint die Grenchner Primarlehrerin. Es sei im Gegenteil für die Kinder einfacher, die Basisschrift zu lernen und später eine schöne Handschrift zu haben. «Die ganzen Bögen und Schlaufen müssen nicht mehr gemacht werden, das ist viel einfacher», so Schilt.

Die Drittklässler, die in der zweiten Klasse die Basisschrift gelernt haben, schreiben jetzt mindestens genauso gut und schnell wie die Kinder, die früher die «Schnürlischrift» einüben mussten. Im Idealfall schreiben Kinder, welche die Basisschrift lernen, schöner und schneller als früher. Das schnellere Schreibtempo mit der Basisschrift gelte auch für Erwachsene. Schilt erzählt, wie die Grenchner Lehrpersonen an einer Schulung die Zeit stoppten, um zu messen, mit welcher Handschrift derselbe Text schneller geschrieben werden konnte: Alle waren mit der eigenen Handschrift oder mit der Basisschrift schneller als mit der Schnürlischrift.

Individuelle Handschrift

Eine nicht nach vorne gerichtete Schrift sei nicht schön. Das hört Ruth Schilt oft vonseiten der Gegner der Basisschrift. Dies könne aber kaum belegt werden. Die Primarlehrerin beobachtet zudem, dass bei vielen eine gewisse Angst zu spüren sei. «Einige behaupten, dass mit der Einführung der Basisschrift die Handschrift weniger wichtig werde.»

Dabei ginge es bei der Einführung der Basisschrift gerade darum, die Handschrift schön und leserlich zu gestalten, ohne den Kindern unnatürliche Schreibweisen zu lehren, die sie mit grosser Wahrscheinlichkeit nach der fünften Klasse oder spätestens ab der Oberstufe nicht mehr benutzen.