Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute für das Überleben und die Schadensbegrenzung. Aus diesem Grund soll im Kanton Solothurn ein Netz von qualifizierten Einsatzkräften aufgebaut werden. Diese sogenannten First Responder («Erstantworter») sollen die Zeit überbrücken, bis der Rettungsdienst beim Patienten eintrifft. Das Ziel: Im ganzen Kantonsgebiet innerhalb von fünf Minuten nach der Alarmierung die lebensrettenden Massnahmen einleiten und den Defibrillator zum Einsatz bringen. Via die Notfall-App Momentum sollen die First Responder von der kantonalen Alarmzentrale per Smartphone aufgeboten, zum nächsten verfügbaren Defibrillator und von dort zum Patienten geleitet werden.

Verantwortlich für das neue Konzept ist die Solothurner Spitäler AG (soH). Sie arbeitet dafür mit der Herzstiftung Olten, der Schweizerischen Herzstiftung, der Solothurner Gebäudeversicherung, dem Feuerwehrverband und dem Samariterbund zusammen. Als Vorbilder für das neue Konzept dienen die Kantone Tessin und Bern. «Idealerweise stellen sich die Freiwilligen rund um die Uhr zur Verfügung», führt Oliver Schneider, Leiter Kommunikation bei der soH, aus.

Freiwillige gesucht

Seit Mitte Februar sucht die soH Freiwillige, die sich als First Responder engagieren wollen. Voraussetzung dafür ist der Besuch eines Kurses zur Wiederbelebung und zum Einsatz des automatisierten Defibrillators (BLS-AED-Kurs) sowie einer Infoveranstaltung. Bisher haben sich nach Aussage von Oliver Schneider 380 Personen als First Responder angemeldet. Da ihre Wohnorte bisher nicht ausgewertet wurden, lasse sich noch nicht sagen, welche Bezirke wie stark vertreten sind.

Erstmals soll die App am 1. Mai zum Einsatz kommen. Voraussichtlich wird die Alarmierung in den ersten Monaten parallel laufen. Über die bisherigen Kanäle und über die Momentum-App. Erst wenn das neue Netzwerk genügend dicht ist und die Schnittstellen zur App zuverlässig funktionieren, wird die alte Alarmierung via Pager abgeschaltet.

Grosse Unterschiede zu Feuerwehr

Wer zahlt? «Die Teilnahme ist freiwillig und unentgeltlich», erklärt soH-Sprecher Oliver Schneider. Ob eine Vergütung durch die Krankenkasse möglich ist, werde derzeit abgeklärt. Sofern Einsätze im Rahmen des Feuerwehrsolds vergütet werden, sagt die soH dazu natürlich nicht nein. Denn bisher sind es hauptsächlich die Herznotfallgruppen der Feuerwehren, die diese lebensrettende Versorgung der Bevölkerung wahrnehmen. Doch da gibt es grosse Unterschiede. Das zeigt das Beispiel von Buchegg, wo das First-Responder-Konzept am 10. April im Gemeinderat Thema war.

Ein Teil der Dörfer der Fusionsgemeinde (Küttigkofen, Kyburg-Buchegg, Aetingen, Brittern und Brügglen) kann seit ungefähr 15 Jahren auf die Dienste einer 12-köpfigen Herznotfallgruppe zählen. Die übrigen Dörfer sind auf die Rettungsdienste angewiesen. «Bis der Rettungsdienst im Bucheggberg beim Patienten eintrifft, können nach der Alarmierung zehn oder mehr Minuten vergehen», weiss der Kommandant der Feuerwehr Buchegg, Michael Wyss, aus Erfahrung. «Das zeigt eindrücklich, wie wichtig ein dichtes Netzwerk von First Respondern ist.»

Der Grund für die Ungleichheit liegt in der Fusion der Gemeinde vor fünf Jahren respektive der drei beteiligten Feuerwehren. Michael Wyss erklärt: «Eine der Feuerwehren war damals dem Aufruf der Gebäudeversicherung gefolgt und hatte eine Herznotfallgruppe aufgebaut.» Doch die Gruppe kann mit dem Defibrillator im Feuerwehrmagazin in Kyburg-Buchegg nur einen Teil der Gemeinde in nützlicher Frist erreichen.

«Jährlich hatten wir zwei bis drei Herznotfalleinsätze, häufig in der Nacht.» Damit das First-Responder-Konzept hält, was man sich davon erhofft, will der Feuerwehrkommandant mit der Gemeinde noch einige Fragen klären. Die wichtigsten: die Versicherung der Freiwilligen und die Organisation der jährlich benötigten Weiterbildung. «Für die Freiwilligen auf unserem Gemeindegebiet möchten wir als Feuerwehr weiterhin die Organisation wahrnehmen», wünscht sich Michael Wyss.

Mehr Werbung erwünscht

Ein Anliegen, das bei der Gemeindepräsidentin, Verena Meyer, offene Ohren findet. Auch sie möchte, dass die bisherige Herznotfallgruppe die Oberaufsicht behält. Ausserdem ist sie mit Michael Wyss einig, dass die soH das Netzwerk durchaus aktiver bewerben könnte. «Viele Leute können sich unter ‹First Responder› bisher kaum etwas vorstellen, falls sie überhaupt schon davon gehört haben», ist Michael Wyss überzeugt.

Verena Meyer gibt zu bedenken: Neben Feuerwehrleuten, Spitex-Mitarbeitenden und Samaritern gebe es weitere wichtige Personen, die infrage kommen, zum Beispiel die Hauswarte in öffentlichen Gebäuden, die bereits über den benötigten Kurs verfügen. Für die Gemeindepräsidentin ist klar: «Wir wollen aktiv Reklame machen für das First-Responder-Netzwerk, an der Gemeindeversammlung im Juni und auf dem nächsten Gemeindeflyer im August. Schliesslich kommt diese Dienstleistung der ganzen Bevölkerung zugute.»

Ein weiteres wichtiges Thema sind für die Gemeindepräsidentin die Defibrillatoren, von denen es auf dem Gemeindegebiet (neben demjenigen der Feuerwehr) bisher zwei gebe. «In den nächsten Monaten müssen wir uns überlegen, ob wir mehr Geräte brauchen und vor allem, wo diese platziert werden sollen. Schliesslich müssen sie gut zugänglich sein, um ihre Wirkung zu entfalten.»

Möchten Sie First Responder werden? Alle weiteren Informationen: www.first-responder-solothurn.ch