Betrügerin

«Schneeball-Königin» haute in ihre Heimat ab – jetzt sitzt der Kanton Solothurn auf Millionen-Schulden

Eine Geschäftsfrau liess den Kanton mit einer Ersatzforderung zurück. (Symbolbild)

Eine Geschäftsfrau liess den Kanton mit einer Ersatzforderung zurück. (Symbolbild)

Eine Deutsche, die hier durch ein Schneeballsystem Investoren um insgesamt 28 Millionen Franken brachte, setzte sich in ihre Heimat ab. Der Kanton Solothurn sitzt nun auf den Schulden.

Das Schneeballsystem einer Deutschen und eines inzwischen pensionierten Solothurner Treuhänders brachte nicht nur Dutzende gutgläubiger Investoren aus halb Europa um insgesamt 28 Mio. Franken. Auch in der Kasse der Solothurner Gerichte dürfte wegen dieser deutschen Geschäftsfrau nun ein bleibendes Loch klaffen: In ihrer Rechnung 2017 mussten die Gerichte nämlich «eine exorbitante Abschreibung» vornehmen. Hintergrund ist, dass sich die Frau nach Deutschland abgesetzt und den Kanton Solothurn mit einer Ersatzforderung von stolzen 2,2 Mio. Franken zurückgelassen hat.

85 Prozent abgeschrieben

«Das komplizierte Inkasso hatte ergeben, dass die Gerichte eine Wertberichtigung dieser Forderung von 85 Prozent oder von 1,9 Mio. Franken vornehmen müssen», also Stand jetzt nur 300'000 Franken wirklich einbringbar sind. Mit diesem Beispiel erklären die Gerichts-Verantwortlichen nun gegenüber dem Kantonsrat die Volatilität und Unberechenbarkeit ihres «Geschäftes».

Bereits im Juni dieses Jahres hatten sie dem Parlament zur Kompensation der aus dem Fall der Deutschen resultierenden Wertberichtigung einen Nachtragskredit von 1,4 Mio. Franken beantragt – und auch zugesprochen erhalten. Weil die Gerichte damit rechnen, dass auch das nächste Jahr mit einem Aufwandüberschuss abschliesst, steht diese Woche im Kantonsrat ein Zusatzkredit zur Globalbudgetperiode 2017–2019 von 2,6 Mio. Franken zur Diskussion. Die beiden vorberatenden Parlamentskommissionen empfehlen dem Rat, dem Kredit zuzustimmen.

Gerichtsverwalter Heinrich Tännler kann auf Anfrage aus Datenschutzgründen weder bestätigen noch dementieren, dass es sich bei besagter Schuldnerin um die «Schneeball-Königin» aus besagtem Betrugsfall handelt. Doch deutet alles darauf hin, dass es jene Frau ist, die zusammen mit ihrem Solothurner Compagnon wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher qualifizierter Veruntreuung und mehrfacher Geldwäscherei schuldig gesprochen und zu Freiheitsstrafen – sie zu sechs Jahren, er zu drei Jahren – verurteilt worden ist.

Diese Schuldsprüche des Obergerichts waren im August 2014 vom Bundesgericht bestätigt worden. Da sich die Anlagebetrügerin bereits während der juristischen Verfahren im vorzeitigen Strafvollzug befand, kam sie inzwischen wieder frei – und setzte sich prompt in ihre Heimat ab.

Inkassoverfahren läuft weiter

«Das Inkassoverfahren gegen die Frau läuft selbstverständlich weiter, unsere Forderungen bleiben aufrechterhalten», erklärt Gerichtsverwalter Tännler: «Wenn sie in der Lotterie gewinnt, werden wir natürlich unsere Ansprüche geltend machen.» Sämtliche Vermögenswerte der Deutschen in der Schweiz seien inzwischen versilbert worden.

Zudem besitze die Frau aber in ihrer Heimat unter anderem Grundstücke, deren Verwertung derzeit laufe. Allerdings müsse das ganze Verfahren über eine Anwaltskanzlei in Norddeutschland abgewickelt werden. Seine «dankbare Aufgabe» sei es, das Geschäft so gut wie immer möglich zu begleiten.

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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