Ein erster flüchtiger Blick auf das schmucke Schloss Steinbrugg lässt nicht so schnell auf Sanierungsbedarf schliessen. Kräftig gelb strahlt es einem entgegen, kaum hat man die lärmige Baselstrasse hinter sich gelassen und steht im Ehrenhof.

Ennet der hohen Mauer herrscht Ruhe, obwohl die Räumlichkeiten im Verwaltungssitz des Bistums Basel rege gebraucht werden, wie Bistums-Sprecher Hansruedi Huber erklärt: «Pro Tag tagen mehrere Gremien.» Dies nebst der normalen Bürotätigkeit der rund 30 Mitarbeiter.

In den nächsten zwei bis drei Jahren wird das Gebäude nun renoviert. «Es gibt etliches im Verborgenen wie total verrostete Leitungen», so Huber, «das sind einfach ‹Zeitbomben›.» Dringend nötig sei deshalb die Sanierung. Betroffen sind das Heizsystem sowie Wasserleitungen. Im Keller gewährt Huber einen Blick auf von Rost befallene Rohre.

Und auf den mächtigen Öltank. «Das Heizsystem ist veraltet. Wir müssen im Energiebereich investieren.» Im ersten Stock des Mittelhauses, im nordöstlichen, noch am originalsten erhaltenen Zimmer, dem dunklen Schultheissenzimmer, weist Huber darauf hin, dass es Wärmebrücken gibt. Ein miefiger Geruch hängt in der Luft.

«Und wenn wir schon Wände aufspitzen müssen, überlegten wir, was wir noch zusätzlich optimieren können. So nehmen wir auch Raumverbesserungen vor.» Nebst neuem Gasheizsystem und erneuerten Wasserleitungen wird beim Internetanschluss auf die schnellere Glasfasertechnologie umgerüstet.

Gewichtig und sichtbar wird jedoch der Abriss des Ostanbaus sein. «Er hat die schlechteste Bausubstanz», erklärt Rolf Fäs, seit 15 Jahren Archivar im bischöflichen Ordinariat. Dieser Teil ist weiss. «Einfach gesagt ist alles, was am Gebäude gelb ist, ursprünglich und historisch. Weiss sind die Teile, die erst gebaut wurden, als das Bistum das Seminar einrichtete.» Deshalb habe man sich entschieden, diesen Teil gleich ganz neu zu bauen.

Er wird etwas grösser. Huber: «Hier im Neubau des Ostteils werden wir die neuste Energietechnologie berücksichtigen, beispielsweise bei den Fenstern.» Hier wird auch ein rollstuhlgängiger Lift eingebaut. Schliesslich wird das an verschiedenen Orten verstreute Archiv zusammengefasst.

1937 hat es gebrannt

Klar ist, dass so ein Umbau eng mit der Denkmalpflege koordiniert werden muss. Huber: «Während wir als Private bei einem allfälligen Schaden die Haftung übernehmen und nicht an den Kanton gelangen können, gibt es viele Leute, die bei den Kulturgütern mitreden. Also man kann nicht einfach nur das Minimum machen.»

Fäs ergänzt: «Die Denkmalpflege hätte gerne, dass wir den ganzen Bau wieder symmetrisch herstellen, also den seit dem Brand fehlenden östlichen Trakt wieder aufrichten.» Fäs blättert im Fotoalbum und zeigt Fotos des Brandes vom 12. August 1937.

Diese Symmetrie werde nun zwar vorbereitet, etwa durch das unterirdische Archiv an dieser Stelle, aber aus Kostengründen erfolgt noch kein Aufbau. Auf 5,5 Millionen Franken wird der Umbau veranschlagt. «Das kostet den Steuerzahler jedoch keinen Rappen», meint Huber. Die Finanzierung erfolge durch den Bauherrn, den bistumseigenen Verein Basilea.

Flüchtlinge müssen wohl zügeln

Anfang nächstes Jahr beginnt der Abriss. Die noch verbliebenen zehn von zwölf Flüchtlingen, denen Bischof Felix Gmür 2015 Wohnungen im Schloss zur Verfügung stellte, müssen ausziehen, da ihr Hausteil abgebrochen wird. Wusste man nicht damals schon vom Umbau? «Der Umbau war geplant, aber wir stellten das Projekt zurück, da der Kanton in Raumnot war.

Doch wir ahnten nicht, dass es so lange dauert, bis definitive Asylentscheide vorliegen», sagt Huber. Falls bis zum Abbruch noch Flüchtlinge darin wohnten, würden sie in kirchlichen Liegenschaften untergebracht.

«Wir übernehmen die Verantwortung, achten beispielsweise darauf, dass die Kinder nicht andere Schulen besuchen müssen.» Im Schlossgarten spielen bald nicht mehr Kinder, sondern kurven Baufahrzeuge herum.

Die Schlossgeschichte hätte auch eine andere Wende nehmen können, wie Hubers Worte erahnen lassen: «Wir erwogen, alles zu verkaufen und in ein modernes Verwaltungsgebäude einzuziehen, doch das wäre teurer.» Jetzt aber stellt er klar: «Die Sanierung ist auch ein Bekenntnis des Bistums zum Standort Solothurn.»