Falls die Fertigung in der Scintilla geschlossen wird und 330 Arbeitsplätze verschwinden, trifft das auch andere Firmen. «Über 75 Firmen nur schon innerhalb der Schweiz wären als Zulieferer, als verlängerte Werkbank oder als Dienstleister von der Werksverlagerung nach Ungarn betroffen», heisst es bei der Angestellten- und Betriebskommission der Scintilla.

Brac Breitenbach hofft auf Ungarn

Betroffen wäre etwa die Kunststoffverarbeiterin Brac-Werke AG in Breitenbach. Dorthin hatte Scintilla bereits 2007 ihre eigene Kunststofffertigung inklusive eines Grossteils der Maschinen ausgelagert. «Wir liefern an Scintilla rund 140 verschiedene, komplexe Spritzgussteile», erklärt Brac-Chef Fred Dittrich. Dazu gehörten beispielsweise die Zweikomponenten-Gehäuse für das Stichsägenprogramm.

Alle Teile werden in Breitenbach produziert. Von einer Schliessung der Fertigung bei der Scintilla und der Verlagerung bis 2016 nach Ungarn wären «im ungünstigsten Fall rund 30 Prozent der Belegschaft betroffen», meldet Dittrich. Aktuell beschäftigt Brac 58 Angestellte. Allerdings will Dittrich nicht einfach schwarz malen. Es wäre einerseits nicht unrealistisch, neue Kunden zu finden. Und andererseits: «Bei optimistischer Betrachtung können wir über Mitte 2016 hinaus nach Ungarn liefern, was wir heute bereits mit einigen Artikeln tun.»

Ebenso würde die Vebo mit ihren Behindertenwerkstätten das Aus für Scintilla zu spüren bekommen. «Wir führen im Auftrag der Bosch-Tochter für einige Elektrowerkzeuge die Endmontage durch», erläutert Vebo-Direktor Martin Plüss. Zudem erledige die Vebo noch Aufträge für die Verpackung von Ersatzteilen. Insgesamt wären vom Wegfall dieser Aufträge rund 30 Behindertenarbeitsplätze in der Montage in Luterbach und in der Verpackung in Zuchwil betroffen.

Bei der Vebo schon lange spürbar

Das Auftragsvolumen der Scintilla sei schon seit vielen Jahren rückläufig, blickt Plüss zurück, der seit 1989 die Vebo als Direktor führt. «Bei meinem Amtsantritt betrug der Anteil der Scintilla an der gesamten Produktion in der Vebo etwa 43 Prozent.» Er habe damals den Auftrag erhalten, dieses Klumpenrisiko abzubauen.

Zehn Jahre später habe die Vebo-Gruppe ihren Umsatz verdoppelt, der Scintilla-Anteil sei aber gleich hoch geblieben. Damals hätten die Aufträge von Bosch extrem stark zugenommen. Rund 350 Behindertenarbeitsplätze seien zeitweise an den Scintilla-Aufträgen gehangen. Seit damals sei das Auftragsvolumen sukzessive gesunken, parallel laufend zu den Produktions-Verlagerungen von Zuchwil ins Ausland. Heute betrage der Scintilla-Anteil an der Vebo-Produktion noch rund 5 Prozent.

Plüss ist zuversichtlich, bei einem allfälligen Wegfall der Scintilla als Kunde neue Auftraggeber gewinnen zu können. «Wir sind das gewöhnt», meint er basierend auf Erfahrungen. Denn jährlich müsse die Vebo jeweils ein Viertel bis ein Drittel der bestehenden Aufträge durch Neue ablösen. «Und das gelingt uns mehrheitlich gut.» Aber trotzdem: «Das Ende der Scintilla-Fertigung in Zuchwil wäre schmerzhaft, insbesondere nach der jahrzehntelangen sehr guten Zusammenarbeit.»

Kein Markt für repetitive Arbeiten

Wie die Vebo in Zuchwil wäre auch die ähnlich gelagerte Band-Genossenschaft in Bern von einer möglichen Schliessung der Fertigung betroffen. «Wir montieren für die Scintilla aktuell noch rund 40 000 Elektrowerkzeuge pro Jahr und erstellen verschiedenste Baugruppen für das Ersatzteilgeschäft», erläutert Meinrad Ender, Direktor der Band-Genossenschaft. Betroffen wären rund 20 Arbeitsplätze für Mitarbeitende mit einer Beeinträchtigung im Bereich der Industriemontage. Aufgrund der repetitiven Arbeiten seien diese Aufträge ideal für das Band-Personal.

Als «sehr schwierig» taxiert Ender die Akquisition von vergleichbarer Ersatzarbeit. Denn gerade einfachere und vor allem repetitive Arbeiten würden immer häufiger nach Osteuropa und Asien verlagert. «Wir sind aber überzeugt, die von einer möglichen Scintilla-Schliessung betroffenen Arbeitsplätze auch in Zukunft sichern zu können», betont Ender. So könnten einige Mitarbeitende für komplexere Arbeiten eingesetzt werden, einige müssten in anderen Bereichen eingesetzt werden.

Scintilla als wichtiger Kunde

Trotz des stark rückläufigen Umsatzes sei die Scintilla AG nach wie vor ein wichtiger Kunde im Bereich der Industriemontage. Das höchste Auftragsvolumen von Scintilla habe man vor rund 15 Jahren erreicht. «Damals wurden pro Jahr über 500 000 Elektrowerkzeuge montiert», erinnert sich Ender. Seit über 35 Jahren bestehe eine «sehr partnerschaftliche und verbundene Zusammenarbeit» zwischen der Band-Genossenschaft und Scintilla.

Weniger dramatisch wären die Folgen für die Spemot AG in Dulliken, die im Bereich Motorenfertigung mit Scintilla zusammenarbeitet. Zwar gibt CEO Roland Manz keine Internas bekannt, weil es sich um eine aktive Geschäftsbeziehung handle. Aber: «Durch eine etwaige Schliessung der Scintilla-Fertigung wären keine Spemot-Arbeitsplätze in Gefahr.»