Geschlechtskrankheit
«Schlammschlacht» vermieden – Gesundheitsamt gleist neues Impfprogramm auf

Das kantonale Gesundheitsamt hat ein neues Impfprogramm gegen HPV aufgegleist. Seit dem 1. Juli läuft dieses. Dies auch deshalb, weil das bisherige unter Nebengeräuschen von Seiten Ärztekasse und Ärztegesellschaft gekündet wurde.

Raphael Karpf
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Gegen HPV können sich junge Leute gratis impfen lassen.

Gegen HPV können sich junge Leute gratis impfen lassen.

Keystone

Ab dem 1. Juli startet im Kanton ein neues Impfprogramm gegen «Humane Papillomaviren». Jungen und Mädchen mit den Jahrgängen 1991 bis 2007 können sich kostenlos gegen die Viren impfen lassen. Diesem Impfprogramm ist eines, für den Bürger identisches, vorausgegangen. Dieses wurde einseitig von der Ärztekasse und der «Gesellschaft der Ärztinnen und Ärzte des Kantons Solothurn» (GAeSO) gekündigt – was die Neueinführung überhaupt erst notwendig machte.

Humane Papillomaviren: Was das überhaupt ist

Eine Infektion mit HPV ist die am häufigsten sexuell übertragene Infektion weltweit. 70 Prozent aller sexuell aktiven Menschen stecken sich im Laufe ihres Lebens damit an. Auch bei einfachem Hautkontakt oder der Berührung infizierter Schleimhäute können sich Personen anstecken. In 90 Prozent der Fälle führt die Infektion zu keinen Beschwerden, weshalb einige Infizierte so auch unwissentlich Dritte anstecken können.

Nach ein bis zwei Jahren ist die Infektion ausgeheilt. In rund zehn Prozent der Fälle hat sie aber schwerere Folgen: Manche Virentypen führen zur Bildung von Genitalwarzen. Andere rufen Krebsvorstufen hervor, die in seltenen Fällen etwa Gebärmutterhalskrebs auslösen können. «Die HPV-Impfung bietet einen wirksamen Schutz vor einer Ansteckung und vor möglichen Folgeerkrankungen», so das kantonale Gesundheitsamt. Die Impfung wird empfohlen. Je nach Alter braucht es zwei bis drei Impfdosen im Zeitraum von sechs Monaten. «Die Impfstoffe gegen HPV sind sicher», schreibt die eidgenössische Kommission für Impffragen.
Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Fieber könnten in einem von zehn Fällen auftreten.

2008 hatten sich die beiden Akteure mit dem Kanton auf ein Impfprogramm geeinigt. Mädchen und junge Frauen konnten sich gratis impfen lassen. Die Ärztekasse übernahm den organisatorischen Teil, stellte beispielsweise das Online-Tool, mit welchem Impfstellen den Impfstoff bei den Herstellern bestellen konnten. Zudem übernahm sie die Rolle der Bank. Bezahlt wurde das Ganze von der Krankenkasse und vom Kanton. Der Kanton war insbesondere deshalb mit dabei, damit dem Ganzen der Stempel «Kantonales Impfprogramm» aufgedruckt werden konnte, was für den Preis der Impfstoffe von Bedeutung ist.

Wieso es zur Kündigung kam, wird auch nach der Stellungnahme der Akteure nicht wirklich klarer. «Weil es im Hinblick auf die ‹Lasten- und Nutzenverteilung› immer wieder zu Unstimmigkeiten gekommen ist und die Vereinbarung nicht mehr den aktuellen Gegebenheiten entspricht», so Claudia Brenn, Direktorin der Ärztekasse. Dem hat Michel Meier, Rechtsberater der Ärztegesellschaft, nichts hinzuzufügen.

Heinrich Schwarz, Chef des kantonalen Gesundheitsamts, betont, ihm sei nach wie vor nicht klar, warum der Vertrag gekündigt worden sei. Alle Beteiligten wollen die Sache damit jedoch Ruhen lassen. Es wird darauf verwiesen, dass man eine nachträgliche Schlammschlacht vermeiden wolle und es bereits ein neues, kantonales Impfprogramm gebe.

Kanton ist der neue Vermittler

Das neue Impfprogramm hat das kantonale Gesundheitsamt auf die Beine gestellt. Nach dem Vorbild von Basel-Stadt, wo sich ein identisches seit Jahren bewähre. Wobei «neu» der falsche Begriff ist: Die Krankenkasse zahlt denselben Betrag, der Impfstoff kommt von denselben Anbietern und ist gleich teuer, die Impfung ist nach wie vor gratis. Nur die «Vermittlerrolle», den administrativen Mehraufwand, übernimmt neu der Kanton. Die Ärztekasse und Ärztegesellschaft sind nicht mehr involviert.

«Das neue Impfprogramm dürfte den Kanton etwa gleich viel kosten wie das alte», meint Schwarz. Das Geld für den administrativen Mehraufwand geht am Ende den impfenden Ärzten ab.

Für das Programm gemeldet haben sich 56 Ärztinnen und Ärzte. Darunter auch Kinderarztpraxen sowie das Bürgerspital Solothurn, das Kantonsspital Olten und das Spital Dornach. Im alten System waren es um die 140 Anbieter. Das Ganze war ausgesprochen dezentral organisiert. «Mit einem Impfangebot an den drei Spitalstandorten Solothurn, Olten und Dornach wäre nur der minimale Zugang gesichert. Wir sind deshalb über die rege Teilnahme am neuen HPV-Impfprogramm mit Angeboten zwischen Rodersdorf und Messen sehr erfreut», so Schwarz. Die Versorgung sei also auch mit dem neuen Programm gewährleistet.

Mehr Infos gibt es hier.

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