Lebensmittelkontrolle

Schimmlig und faul: Die Hälfte der Marroni fällt durch

Die Standbetreiber scheinen mit ihrer Ware um einiges glücklicher zu sein als in der letzten Saison.

Die Standbetreiber scheinen mit ihrer Ware um einiges glücklicher zu sein als in der letzten Saison.

Nach einer Kontrolle von Kastanien und Baumnüssen wurde die Hälfte der Proben von der kantonalen Lebensmittelkontrolle wegen Schimmel oder Schädlingen beanstandet. Was sagen die Standbetreiber?

Eigentlich waren die Marroniverkäufer im Kanton zuversichtlich für diese Saison: Im Vergleich zum miserablen Vorjahr solle es jetzt heuer nur wenig schlechte Marroni geben, sagten sie noch im Oktober. Nun aber teilt die kantonale Lebensmittelkontrolle mit: Die Qualität von Marroni und Baumnüssen ist mangelhaft.

Zehn Proben hat die Lebensmittelkontrolle bei sechs Anbietern aus der Region genommen. Die Hälfte der getesteten Kastanien und Baumnüsse wurde als unzureichend eingestuft und umgehend vom Markt entfernt. Jeder zweiten Baumnuss-Probe machten lebende Schädlinge zu schaffen. Bei der Hälfte der getesteten Kastanien wurde ein Anteil von Schimmel und Fäulnis festgestellt.

Welche Stimmung herrscht nun bei den Anbietern, die ihre Ware zu Beginn der Saison noch lobten? Haben sie mittlerweile mit schlechter Qualität ihrer Ware und unzufriedenen Kunden zu kämpfen?

Heuer ist alles «tipptopp»

Beim «Cheschtelemuni» auf dem Solothurner Märetplatz hiess es zu Beginn der Saison: Die Qualität der diesjährigen Ernte ist sehr hoch! Das Ehepaar Strazzini, das nach dieser Saison in Solothurn keine Kastanien mehr verkaufen wird, war mit der Ente durchaus zufrieden.

Bis heute hat sich im Bezug darauf nichts geändert. «Ich kann Ihnen gar nicht mehr dazu sagen», lacht Standbetreiberin Yvonne Strazzini. Nach wie vor sei sie der Meinung, dass «die Ware heuer tipptopp» sei. Das Ehepaar hinter dem wohl bekanntesten Solothurner Marroni-Stand ist rundum zufrieden – ihre Kunden auch.

Ware aus Italien «hervorragend» – aus dem Tessin «katastrophal»

Wie sieht es ausserhalb der Solothurner Altstadt aus? Beim Marroni-Stand am Hauptbahnhof läuft es diese Saison «nicht schlecht», wie der junge Verkäufer sagt. Man habe bessere Erfahrungen gemacht als in vergangenen Jahren. Der Standverkäufer bietet die heissen Kastanien diese Saison zum ersten Mal in Solothurn an.

Von schlechter Ware weiss er gar nichts. Das Feedback falle vorwiegend positiv aus. «Reklamationen gibt es immer wieder», sagt der junge Mann. Das läge aber wohl an den Kunden und nicht an der Ware. Ausserdem seien die heissen Marroni immer noch «ein Naturprodukt» – ein oder zwei schlechte Exemplare gäbe es ab und zu halt.

Seine Kastanien bezieht der Standinhaber aus dem Piemont. Diese Marroni aus Italien sollen «hervorragend» sein. Die Qualität der Ware, die aus dem Tessin kommt, bezeichnet der Verkäufer als «Katastrophe» – von dort beziehe der Standinhaber aber «nie» Kastanien.

Grosse Zufriedenheit auch in Grenchen

Ist dieses Jahr denn nirgendwo der Wurm drin? – Nein, zumindest nicht bei den Kastanien, die auf dem Grenchner Marktplatz angeboten werden. Auch hier spricht die Betreiberin von «sehr guter Qualität». Sie bezieht ihre Kastanien von der Berner Firma Bulloni AG.

Diese importiert die Ware direkt aus Italien. Die Verkäuferin spricht am Mittwoch zwar von einem derzeitigen «Loch im Monat», das auf das schlechte Wetter zurückzuführen sei. «Das ist nie gut für die Kastanien.» Trotzdem gebe es diese Saison aber praktisch keine Würmer in den Kastanien. Die Ware sei von sehr guter Qualität. «Und jedes einzelne Exemplar wird kontrolliert», so die Stand-Betreiberin, die die heissen Marroni jeden Nachmittag anbietet.

Qualität der Baumnüsse zuvor einwandfrei

Seit 2010 wiesen kontrollierte Baumnüsse – abgesehen von dieser Kontrolle, bei der Schädlinge festgestellt wurden – einwandfreie Qualität auf. Dies teilt Kantonschemiker Martin Kohler auf Anfrage mit.

Marroni hingegen hätte man schon zuvor beanstanden müssen: Zwischen 2010 und 2015 wurden bei den durchgeführten Kontrollen zwischen 17 und 50 Prozent der Kastanien beanstandet. Im Jahr 2014 wurde «zugunsten anderer Produktgruppen» auf eine Überprüfung von Marroni und Baumnüssen verzichtet.

Und was geschieht eigentlich nach einer durchgeführten Kontrolle? Laut dem Kantonschemiker werden alle «mangelhaften Produkte umgehend vom Markt genommen». Dies scheint dieses Jahr bei den Ständen der befragten Verkäufer nicht der Fall gewesen zu sein.

Bei Importeuren aus dem Kanton Solothurn werden direkte «Korrekturmassnahmen» angeordnet. Hat ein Solothurner Standverkäufer seine Ware aber von einer ausserkantonalen Firma, die mangelhafte Produkte importiert hat, ist der Kanton nicht mehr zuständig. Er informiert dann die Behörden der Kantone, in denen die betreffenden Firmen ihren Sitz haben. Die dortigen Behörden intervenieren daraufhin.

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