Schenkkreis-Mord

Schenkkreis-Prozess: Die Verteidiger verlangen eine Reduktion des Strafmasses

Wollen nicht lebenslänglich einsitzen: Guido S., Patric S. und Ruth S.

Wollen nicht lebenslänglich einsitzen: Guido S., Patric S. und Ruth S.

Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck forderte für alle drei Beschuldigten eine lebenslängliche Haftstrafe. Die Verteidiger der beiden Mörder fordern eine Herabsetzung des Strafmasses.Die Richter haben alle Beweisanträge der Verteidiger abgewiesen.

Die Verteidiger der beiden Haupttäter im Dreifachmord von Grenchen vom Juni 2009 haben am Donnerstag vor dem Solothurner Obergericht für ihre Klienten eine Reduktion des Strafmasses gefordert. Beide waren von der ersten Instanz zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Er bestreite nicht, dass sein Klient auf brutale Weise mitgeholfen habe, drei Menschenleben auszulöschen, sagte der Anwalt des 36-jährigen, ehemaligen Spitzenleichtathleten. Sein Klient sei aber kein Gewohnheitsverbrecher, sondern ein Opfer seiner Drogensucht und der Drahtzieherin gewesen.

Der Angeklagte sei kein schlechter Mensch, aber ein Mensch, der etwas Schlechtes getan habe und dies bereue. Deshalb sei es angemessen, dass die lebenslängliche Freiheitsstrafe reduziert werde. Sein Mandant sei sich trotzdem bewusst, dass er mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen müsse, meinte der Anwalt weiter.

«Nur Gehilfe und teilweise Vollstrecker»

Auch der Verteidiger des zweiten Mörders stellte seinen Klienten in einem günstigen Licht dar. Der Mann sei nur Gehilfe und teilweise Vollstrecker gewesen und habe auf Anweisung gehandelt. Er habe keinen Ehrgeiz gezeigt, nur unregelmässig gearbeitet, keine Freundin gehabt und habe getrunken, wurde der 28-jährige, ungelernte Koch beschrieben.

Sein Verteidiger verlangte ebenfalls, dass die ausgesprochene Höchststrafe hinuntergesetzt wird. Anstelle einer lebenslänglichen Strafe soll sein Mandant mit 18 bis 20 Jahren Gefängnis bestraft werden.

«Einem fremden Plan gefolgt»

Davor hatte Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck lebenslängliche Freiheitsstrafen für alle drei Angeklagten verlangt. Er hielt sich mit seinem Antrag an das erstinstanzliche Urteil, welches von der Solothurner Staatsanwaltschaft nicht angefochten worden war.

Brodbeck beleuchtete dabei einen der zentralen Punkte des Prozesses, die Rolle der mitangeklagten 53-jährigen Frau. Diese war zwar bei der Tat nicht dabei gewesen, wurde aber als Drahtzieherin wie die beiden Männer zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Von ihrer Persönlichkeit her sei sie als Einzige in der Lage gewesen, die Tat zu planen, sagte der Oberstaatsanwalt. Ihre Dominanz in dieser Gruppe liege auf der Hand, sie habe natürliche Autorität und viel Lebenserfahrung. Der Modus operandi der Tat deute darauf hin, dass die beiden Männer einem fremdem Plan gefolgt seien.

Letztes Plädoyer

Die Verhandlung vor dem Solothurner Obergericht wird am Freitagmorgen mit dem letzten Plädoyer abgeschlossen. Als letzter Verteidiger stellt der Rechtsvertreter der an der Tat mitbeteiligten, 53-jährigen Frau seine Anträge. Die Urteile werden am 27. Januar eröffnet. (sda)

Die Verhandlung vor Obergericht im Live-Ticker:

17.20 Uhr: Der Prozesstag ist zu Ende. Am Freitag gehts in die letzte Runde. Start: 8.30 Uhr. Das Plädoyer von Daniel Walder soll 7 bis 8 Stunden dauern, kündigt dieser an. Obergerichtspräsident Hans-Peter Marti witzelt noch, dass alle ihre Kissen nicht vergessen sollten.

17.05 Uhr: Buchmann kommt (wie auch schon im Beweisantrag vom Dienstag) nochmals auf ein Zusatzgutachten im Bezug auf den Anabolikakonsum seines Mandanten zu sprechen. Dies, obwohl die Beweisanträge am Morgen allesamt abgewiesen worden sind. Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck wollte schon einen Ordnungsantrag stellen.

16.35 Uhr: Buchmann stellt seinen Klienten als dreifaches Opfer dar. Patric S. sei Opfer der Schenkkreise, Opfer der Anstiftung von Ruth S. und Opfer seines massiven Drogen- und Anabolikakonsums.

Diese Punkte sollen in die Beurteilung einfliessen.

16.22 Uhr: Um die Tat auszuführen, habe es alle drei Personen gebraucht, sagt Buchmann.

16.10 Uhr: "Guido S. war nicht diese graue Maus, wie er sich schildern lassen will", sagt Buchmann. Dieser habe damals entschieden, die dritte Person im Haus auch noch umzubringen. Ausserdem habe er nach der Tat Ruth S. angerufen und Patric S. aufgefordert, den Tatort zu verlassen.

16.00 Uhr: Buchmann gibt sich überzeugt, dass Patric S. Dania Dubey, die Tochter, nicht hätte umbringen wollen.

Patric S. habe Guido S. im Haus der Dubeys gesagt, dass Dania nicht umgebracht werden sollte, da diese nichts mit dem Schenkkreis zu tun gehabt hatte (Patric S. dachte offenbar, sie sei eine Reinigungsfrau). Sein Mittäter habe darauhin gesagt, dass sie getötet werden müsse.

Ausgesagt hatte Guido S., dass Patric S. körperlich nicht in der Lage gewesen sei, Dania umzubringen. "Das ist einfach lächerlich", so Rechtsanwalt Pius Buchmann. Es könne einfach nicht glaubhaft sein, dass sein Klient nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Frau zu töten. Er habe einfach Skrupel gehabt.

15.45 Uhr: Buchmann kommt auf das beschlagnahmte Geld der Dubeys zu sprechen. Da dieses aus illegalen Schenkkreisen stammt, wurde es 2009 beschlagnahmt.

Er ist sicher: Die Dubeys hätten nicht so einfach zur Polizei gehen können, wenn der Raub geglückt wäre. Patric S. hätte deshalb davon ausgehen können, dass niemand getötet werden muss.

Buchmann räumt ein, dass dieser Vorbehalt von Patric S. aber rasch weg war, als Margrit Dubey gefesselt war.

15.40 Uhr: Patric S. habe im Hinblick auf die Tat einen inneren Vorbehalt gehabt, so Buchmann. Er habe sich nicht getraut, Ruth S. zu widersprechen und er habe gehofft, dass beim Überfall nichts passiere. Dieser Vorbehalt könne nicht strikt nachgewiesen werden, räumt der Verteidiger ein.

15.30 Uhr: Patric S. sei bei der Tat nicht alkoholisiert gewesen, sagt Buchmann. Er behaupte auch nicht das Gegenteil.

Patric S. wolle reinen Tisch machen und stelle keine Schutzbehauptung auf, die nicht der Wahrheit entspreche.

Patric S. habe sich mit seinen Aussagen selbst schwer belastet. Dass er auf Schutzbehauptungen verzichtet und Reue zeigt, sei strafmildernd zu berücksichtigen, bittet Buchmann die Richter.

15.19 Uhr: "Ich verteidige keine schlechten Menschen, nur Menschen, die etwas schlechtes gemacht haben", sagt Buchmann vorneweg.

Patric S. bereue diese Tat und würde alles tun, um die Tat ungeschehen zu machen. Er stehe vollends zur Tat und leugne nichts.

Man müsse sich fragen, wie ein gefeierter Meister im Hammerwerfen und Olympiateilnehmer zum "Schenkkreis-Killer" werden konnte. Am Elternhaus könne es laut Buchmann nicht gelegen haben. Sein Klient habe eine glückliche Kindheit, eine gute Mutter gehabt.

15.16 Uhr: So, alle sind da. Rechtsanwalt Pius Buchmann beginnt mit seinen Ausführungen. Die Anklage würde sei vollumfänglich anerkannt, es sei aber ebenfalls von einer lebenlangen Haftstrafe abzusehen. Dies im Hinblick auf den Konsum von Drogen und Anabolika.

15.13 Uhr: Alle warten auf die Gerichtsschreiberin, die noch Kopien machen musste.

Pause

14.45 Uhr: Bruno Steiner hat sein Plädoyer beendet. Es gibt eine kurze Pause, danach geht es weiter mit dem Plädoyer von Pius Buchmann.

14.30 Uhr: Steiner formuliert seinen Antrag. Das erstinstanzliche Urteil will er in den Grundsätzen nicht anfechten. Lediglich mit der lebenslangen Haftstrafe ist er nicht zufrieden. Er fordert eine Strafermässigung für Guido S. auf 18 bis 20 Jahre Freiheitsentzug. Dies aufgrund einer verminderten Schuldfähigkeit.

14.20 Uhr: Wer war hier Herr der Situation? Dies ist laut Bruno Steiner die zentrale Frage. Noch einmal betont er: Patric S. lasse sich von niemandem etwas befehlen. "Er lässt sich sicherlich nicht von einer Frau etwas sagen. Das geht hier einfach nicht auf."

14.10 Uhr: Die Frage stelle sich, welchen Einfluss Ruth S. auf seinen Klienten gehabt habe. Ruth S. habe in ihrer eigenen Welt verkehrt. Das Mutter-Kind-Verhältnis zwischen den beiden komme immer wieder zum Vorschein. Ruth S. und Guido S. hätten sich schon früh kennengelernt. Einen Menschen, bei dem er sich aufgehoben fühlte, hätte es nur einen gegeben - und das sei Ruth S. gewesen. Sie hätte ihm mütterliche Zuwendung geschenkt. "Er konnte und wollte sie nicht verlieren", so Steiner. Eine Abhängigkeit sei vorhanden gewesen. Guido S. habe gedacht, stets im Interesse von Ruth S. zu handeln.

Sowohl Patric S. als auch Ruth S. hätten die Abhängigkeit ausgenutzt. "Mein Klient liess sich von Patric S. manipulieren", betont Anwalt Bruno Steiner.

Ruth S. hätte Druck gegeben, die Tat durchzuführen, der Entscheid zur Ausführung sei aber von Patric S. gekommen.

13.45 Uhr: "Mein Klient wollte nicht töten", sagt der Anwalt. Guido S. sei mitgegangen und habe stets gedacht, dass er nicht töten müsse. Das sei naiv gewesen - und dumm. Er habe mitmachen wollen, aber nicht bei dem, was dann bei den Dubeys passierte.

13.40 Uhr: Und schon ist wieder Patric S. Thema Nummer 1.: "Er ist eine markante und beeindruckende Figur", so Steiner. Er würde strotzen vor Selbstbewusststein. Er hätte die "massive Energie" für die Durchführung der Tat gebracht.

13.35 Uhr: Der Anwalt beschreibt kurz die Persönlichkeit seines Mandanten: Guido S. hätte keine festen Freunde, "schon gar keine feste Freundin." Er wirke unbeholfen, ungeschickt. Seine kognitiven Fähigkeiten seien eingeschränkt, er überlege langsam. "Seine Ausdrucksweise ist eindeutig beschränkt."

13.30 Uhr: "Patric S. verkörperte all das, was Guido S. hätte sein wollen", führt Bruno Steiner weiter aus. Er hätte Geld gehabt, sei ein berühmter Sportler gewesen, ein lieber Kerl, spendabel.

13.19 Uhr: Anwalt Bruno Steiner beginnt mit seinem Plädoyer. Er beantragt, dass das erstinstanzliche Urteil in sämtlichen Punkten bestätigt wird, dies mit Ausnahme der Strafzumessung. Guido S. soll eine Freiheitsstrafe von 18 bis 20 Jahren bekommen, "jedenfalls nicht lebenslänglich". Die bereits abgesessene Haft soll angerechnet werden.

Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die Beweisanträge abgewiesen würden, bemerkt Steiner.

Guido S. sei der Gehilfe von Patric S. gewesen. Dieser sei die zentrale Figur gewesen, das Schwergewicht, eine "spektakuläre Erscheinung". Die anderen Personen könnten deshalb nur Nebenfiguren sein. Guido S. und Ruth S. hätten auf sich gestellt die Tat nicht begangen, so der Anwalt.

Patric S. hätte bestimmt nicht auf eine Frau gehört, meint Steiner.

13.15 Uhr: Die Verhandlung geht weiter. Am Nachmittag werden Bruno Steiner (Anwalt von Guido S.) und Pius Buchmann (Anwalt Patric S.) ihre Plädoyers halten. Je 1,5 Stunden wollen sie sprechen.

Mittagspause

11.40 Uhr: Der Oberstaatsanwalt kommt zu seinen Strafanträgen:

Guido S. sei wegen Raubes, Mordes und vorbereitende Handlungen zu einer lebenlänglichen Haftstafe zu verurteilen. Err soll im Strafvollzug belassen werden.

Ruth S. sei wegen mehrfachen Mordes, qualifizierten Raubes und strafbarer Vorbereitungshandlungen zu einer lebenslänglichen Strafe zu verurteilen. Der bei ihr beschlagnahmte Bargeldbetrag soll eingezogen werden, um damit die Prozesskosten zu decken. Auch die restlichen Vermögenswerte seien einzuziehen, Brodbeck fordert, dass Ruth S. in Sicherheitshaft genommen wird.

Auch für Patric S. fordert er lebenslänglich. Er soll im Strafvollzug belassen werden. Ausserdem muss er die Verfahrenskosten des Obergerichts tragen.

Solothurner Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck zu seinen Anträgen im Schenkkreis-Mord

Solothurner Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck zu seinen Anträgen im Schenkkreis-Mord

11.18 Uhr: Das Tatverschulden sei einzigartig, so der Oberstaatsanwalt. In der Praxis sei es selten, dass die Tötung eines Menschen fester Bestandteil eines Überfalls sei. Wenn man sich vorstelle, was mit den Opfern passiert sei, "zieht es einem den Hals zusammen".

Das Resultat für alle Beschuldigten müsse eine lebenslängliche Strafe sein, so Brodbeck.

Patric S. habe eine zentrale Rolle gespielt. "Wenn er nicht zur Dreiergruppe gehört hätte, wäre es nicht zum Schenkkreis-Mord gekommen." Er habe im Vorfeld der Tat gesagt, dass er kein Problem mit dem Töten hätte. Zudem sei er äusserst aktiv gewesen. Der ehemalige Hammerwerfer sei nicht von einer psychischen Erkrankung betroffen. Anabolika oder andere Substanzen hätten keinen Einfluss gehabt.

Bei der Beurteilung von Guido S. sei zu berücksichtigen, dass dieser weniger Hand angelegt habe. Dies dürfe aber nicht zentral sein, so Brodbeck. Guido S. habe den kleinsten Beitrag geleistet. Wenn er nicht zur Gruppe geführt hätte, hätte es gleichwohl zum Mord kommen können, ist sich der Oberstaatsanwalt sicher. Strafminderungsgründe würden aber durch die mehrfache . Guido S. müsse sich vorwerfen. "Strafe muss auch für ihn unter dem Strich auf lebenslänglich lauten".

Ruth S. habe zusätzliche Opfer in Kauf genommen. Der Oberstaatsanwalt siedelt ihre Schuld zwischen derjenigen von Patric S. und Guido S. an. Dennoch: "Der General muss dieselbe Strafe bekommen wie die Soldaten." Deswegen fordert er auch für Ruth S. lebenslänglich. Flucht sei die einzige Möglichkeit für sie, dieser Strafe zu entgehen. Dahingegend bestünde eine Fluchtgefahr, weshalb eine Sicherheitshaft angeordnet werden müsse. Es wäre nicht zu verantworten, wenn sie sich noch vor dem Antrag absetzen könnte.

11.00 Uhr: "Ruth S. ist als Mittäterin zu bewerten", sagt Brodbeck.

10.52 Uhr: Einige umstrittene Sachverhaltsfragen gibt es für Brodbeck. Dass das Treffen am 5. Juni 2009 stattgefunden habe, sei "extrem gut erwiesen".

Brodbeck ist sich ausserdem sicher, dass die Cuverts von Patric S. mit erfundenen neuen Mitgliedern für den Schenkkreis "dr Club", erst für den  Raubmord eingeplant worden waren. Verkleidet und maskiert dem Opfer irgendwelche Cuverts entgegenzustrecken, hätte gar keinen Sinn gemacht.

10.45 Uhr: Seit eineinhalb Stunden spricht Hansjürg Brodbeck nun schon. Seite um Seite legt der Oberstaatsanwalt beiseite. Die Oberrichter streichen mit Leuchtstift wichtige Passagen an, machen sich einige Notizen. Guido S. sitzt ruhig in seinem grauen Anzug da, hat die Arme auf dem Tisch gestützt und zeigt kaum Regung. Patric S. bewegt sich mehr, gähnt zwischendurch einmal. Währenddessen liest Ruth S. bei ihrem Verteidiger Daniel Walder im Plädoyer des Oberstaatsanwalts mit. 

10.30 Uhr: Brodbecks Ausführungen drehen sich weiter um die Rolle von Ruth S. im Raubmord. Sie habe weitere Opfer in Kauf genommen. Sie habe organisiert, dass die Kleider, welche Guido S. und Patric S. bei der Tat getragen hatten, verbrannt werden. Sie habe darauf geachtet, dass die beiden Männer ans Argovia Fäscht gehen, damit sie gesehen und damit ein Alibi erhalten würden.

Aufgrund der Standortangaben der Beschuldigten ergebe sich laut Brodbeck für jeden Kriminalist, dass das Treffen von Ruth S., Patric S. und Guido S. am Mittag des 5.Juni 2009 in Gebenstorf stattgefunden haben müsse - auch wenn Ruth S. dieses verleugne.

10.01 Uhr: Der Oberstaatsawalt will nun über den Tatvorgang in Grenchen sprechen. Das gehe "kurz und sec", verspricht er und beginnt, den Vorgang des gescheiterten Raubversuchs zu schildern. Danach wendet er sich dem Raubmord zu.

Der Vorwurf an Ruth S. laute Mittäterschaft. Der Mittäter müsse bei der Tat nicht aktiv sein. Rechtlich müsse er vor der Tat beteiligt sein. Eine anteilmässige Beteiligung an der Beute sei ein Hinweis auf Mittäterschaft.

"Ruth S. ist offensichtlich Mittäterin", so Brodbeck. Sie habe unter anderem den Termin vorgeschlagen, der zur Tötung geführt habe und die Tötungsarbeit bestimmt (mit Chloroform betäuben und mit Plastiksack ersticken). Es sei die Aussage von Ruth S. gewesen, dass die Mittäter immer zuerst mit Fragen zu ihr gekommen wären. Das zeigt laut Brodbeck, wie wichtig Ruth S. gewesen war.

"Patric S. ist der typische Soldat, der Führung braucht." Und Ruth S. sei dieser General. In dem Sinne, als dass die beiden Mönner ihr Respekt gezollt hätten und sie sich nicht selbst an der Tat beteiligt hätte.

Der Akt des Mordes sei "stupid" gewesen (Pistole nicht verwendet, mit Plastiksäcken). Als ob die Patric S. und Guido S. einem fremden Plan gefolgt wären, so Brodbeck. "Die einzige, die für diesen Tatplan infrage kommt, ist Ruth S."

Der Staatsanwalt glaubt nicht, dass das von Ruth S. angegebene Einkommen für ihren Lebensstil ausgereicht habe (Zigaretten, Pferd, Pony, Hunde, Auto, Pferdeanhänger...). Deshalb ist für ihn klar: Ruth S. musste zu Geld kommen.

9.35 Uhr: Brodbeck wendet sich dem Aussageverhalten der Verurteilten zu. Die Beschuldigten seien "sehr intensiv" befragt worden. Mehrere Bundesordner seien so zusammen gekommen. Alle beschuldigten Personen hätten mehrmals falsch ausgesagt, so Brodbeck.

Aussagen von Patric S. und Guido S., dass von einer Tötung von Personen die Rede war, sei zur "Trumpfkarte" für Ruth S. genutzt worden. Sie hatte ausgesagt, dass niemals über eine Tötung gesprochen wurde. Ruth S. habe bei ihren Aussagen "gemauert", indem sie zuerst sagte, dass sie gar nichts weiss. Sie habe Aussagen später vehement bestritten. Ihre Aussagen seien "wertvoll" für die Aufklärung des Falls.

Patric S. habe ein umfassenderes Geständnis angelegt, so Brodbeck. Er habe aber während eines ganzen Jahres bestritten, zwei Mitglieder der Familie Dubey getötet zu haben. Erst als er es in den Medien ausplauderte, habe er gestanden. "Patric S. und Guido S. haben durch die Belastung von Ruth S. nichts gewonnen. Eine Falschbelastung würde hinten und vorne keinen Sinn machen", so Brodbeck.

Guido S. habe das Geschehen, das Ruth S. belasten wurde, detailreich beschrieben. Er habe Ruth S. am Anfang gar nicht belastet, mit der Zeit aber mehr und mehr. Ruth S. habe die meisten der Belastungen später bestätigt und sogar noch mehr Details bekannt gegeben. Aus den Protokollen werde ersichtlich, dass er mit seinen Aussagen nicht Verantwortung auf Ruth S. abwelzen wollte. "Im Gegensatz: Er hat damit ein deutliches Mehr an Verantwortung übernommen."

9.31 Uhr: Objektive Beweise hätten zur Tat sichergestellt werden können. Die Tatwaffe sei gesichert worden (von Ruth S. versteckt), ebenso zwei weitere Pistolen und Geld. Wichtig seien auch die Daten der Telefone.

9.23 Uhr: Brodbeck führt die Aufgaben des Gerichts aus und erklärt die Begriffe, von denen er in seinem Plädoyer sprechen wird. Raubmord, Raubversuch, Aktion Pferdehändler...

9.19 Uhr: Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck beginnt sein Plädoyer. Der Stapel Papier, der vor ihm liegt, ist hoch... Alle Verteidiger und die Beschuldigten erhalten ein gelbes Mäppchen mit den Ausführungen.

"Der Tatort zeugt von einem Mord, Mord, Mord", beginnt Brodbeck. Die Art und Weise erzeuge Gänsehaut.

Die Angeschuldigten seien nicht verwandt, hätten aber eine engere Beziehung gehabt, als dies andere Familien in der Schweiz hätten, führt der Oberstaatsanwalt aus. "Sie haben eine Gruppe gebildet, die sich gewohnt war, nach gewissen Regeln zu funktionieren." Diese Gruppe habe offenbar eine mörderische Dynamik entwickelt.

Er sei dem Antrag des leitenden Staatsanwalts Jan Gutzwiller gefolgt, persönlich bei der Verhandlung teil zu nehmen, so Brodbeck.

9.17 Uhr: Marti beendet die Behandlung der Beweisanträge. Alle wurden sie abgewiesen.

9.08 Uhr: Daniel Walder, Verteidiger von Ruth S., wollte das Gutachten seiner Klientin als nichtig erklären. Es sei unvollständig und deshalb unrichtig. Es handelte sich seiner Meinung nach um einen Indizienprozess. Ruth S. werde im Gutachten als dominante Person hingestellt.

Laut Marti würde das Gutachter der Strafanstalt Hindelbank den Eindruck stützen. Ruth S. sei freundlich, aber auch dominant gewesen. Der Antrag wird abgewiesen.

9.00 Uhr: Pius Buchmann, der Verteidiger von Patric S., beantragte beim Gericht, dass dieses diverse Beschreibungen und Fachartikel über Wirkung von Anabolika zu den Akten nimmt. Er wollte damit das Gericht überzeugen, dass Anabolikakonsum die Aggressivität verstärkt - dies auch lange nach der Absetzung.

Es ist unbestritten, dass Anabolika die Aggressivität erhöhen würde, so Marti. Der Gutachter habe miteinbezogen, was gewesen wäre, wenn bei Patric S. der maximale Pegel von Anabolika vorgelegen hätte. "Das Gutachten ist vollständig und bedarf keiner Ergänzung", so Marti.

Auch neue Zeugen könnten nicht mehr beurteilen, in welchem Zustand Patric S. gewesen sei.

8.50 Uhr: Der Verteidiger von Guido S. hatte den Antrag gestellt, dass sein Mandant zusätzlich bezüglich des Alkoholkonsums am Tatzeitpunkt untersucht würde. Laut Marti sei dies schlichtweg nicht möglich gewesen, da Guido S. zwei Wochen nach der Tat gefasst worden war. Zu diesem Zeitpunkt sei nicht mehr feststellbar gewesen, wie es mit dem Alkoholpegel gesanden hätte - auch nicht mit einer Haarprobe.

Die Verteidiger hören Martis Ausführungen aufmerksam zu. Wenn es ihre eigenen Anträge betrifft, machen sie sich einige Notizen.

8.30 Uhr: Pünktlich geht die Verhandlung weiter. Das Gericht hat am Mittwoch die Beweisanträge besprochen. Jetzt verkündet Oberrichter Hans-Peter Marti, dass diese nur summarisch begründet werden könnten.

Der Antrag, dass die Gutachten unverwertbar seien, sei kein Beweisantrag. Allenfalls wären die Gutachten teilweise zu wiederholen.

Zum weiteren Antrag, das bestehende Gutachten von Guido S. sei aus den Akten zu weisen, sagt Marti folgendes: Alle Gutachten seien im Januar 2011 den Verteidiger zugewiesen worden. Jeder Verteidiger habe sich äussern können, dabei sei kein einziges Wort zum Experten gesagt worden.

"Dass hier kein eindeutiger Fall vorliegt, zeigt die Tatsache, dass der Einwand nur von einer Seite und das erst ein Jahr später vorgelegt wird", so Marti.

Am Dienstag hatten sich die Verteidiger auch kritisch dazu geäussert, dass alle Angeklagten damals durch den gleichen Gutachter ausgestellt worden waren. Aus Sicht des Gerichts sei es ein Vorteil gewesen, dass nur ein Experte alle Gutachten gemacht habe. Dieser habe auch seine Einschätzung zum Beziehungsgeflecht von Guido S., Patric S. und Ruth S. machen können. Das wäre bei drei verschiedenene Gutachtern nicht möglich gewesen.

Es gab harrsche Kritik, weil Gutachter Lutz-Peter Hiersemenzel noch vor der Urteilsverkündung ein TV-Interview gegeben hatte. Der Gutachter sei befangen gewesen, lautete der Vorwurf. Für die Richter ist dem nicht so. Der Gutachter habe seine Arbeit zu diesem Zeitpunkt bereits beendet. Das Gutachten sei fertiggestellt gewesen. Der Antrag wird deshalb abgelehnt.

Alle Verteidiger hätten im Rahmen der Verhandlung vor Amtsgericht umfassend die Gelegenheit gehabt, entsprechende Anträge zu stellen.

Von hier oben können die Zuschauer die Verhandlung verfolgen.

Von hier oben können die Zuschauer die Verhandlung verfolgen.

Für die Verhandlung vor der zweiten Instanz sind insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt. Am Mittwoch wurde die Verhandlung unterbrochen, um die Beweisvorträge zu studieren.

Das Urteil soll am 27. Januar eröffnet werden.

Es tickert für Sie: Lea Durrer

Meistgesehen

Artboard 1