Eigentlich wäre die Verhandlung schon am Freitag abgeschlossen worden. Doch wegen des Marathon-Plädoyers (320 Seiten) von Daniel Walder, Anwalt von Ruth S., mussten alle Beteiligten heute Montag nochmals im Obergerichtssaal aufmarschieren.

Als erstes hielt Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck seine Replik. In den rund 30 Minuten, in denen er sprach, kritisierte er das elfstündige Plädoyer Walders. Diese langen Ausführungen hätten nur Geld gekostet. Zudem sei nicht alles fürs Gericht relevant gewesen. Einige Argumentationen «gehören ins Kabarett, aber sicherlich nicht vor Gericht», sagte Brodbeck.

Ausserdem sprach er die 180-Grad-Wendung an, die Bruno Steiner, Anwalt von Guido S. im Vergleich zur Verhandlung vor Amtsgericht hinlegte. Dieser hatte Ruth S. in der erstinstanzlichen Verhandlung als Drahtzieherin hingestellt, jetzt aber die ganze Schuld Patric S. in die Schuhe geschoben.

In seinem Vortrag nahm dieser auch gleich Stellung dazu. Ruth S. sei sicherlich von grosser Bedeutung gewesen. Noch grösser dürfte jedoch seiner Meinung nach der Einfluss der Wahrsagerin Maria O. gewesen sein. Diese sei aber vom Gericht aussen vor gelassen worden.

Psychogramm gezeichnet

Steiner lastete die ganze Schuld Patric S. an. Mit Hilfe eines eigens gezeichneten Psychogramms versuchte er die Abhängigkeiten zu erläutern. Er beschrieb Patric S. als «mächtigste Figur, Zentrum des Planetensystems, lebenserfahren, traumatische Finanzsystem, von Rachegelüsten und Wut beherrscht». Sein Mandant Guido S., naiv und blind, sei ihm nur gefolgt. «Patric S. hat meinem Klienten die grösste Katastrophe seines Lebens beschert.»

Dessen Anwalt Pius Buchmann versuchte indes, die Verantwortung Guido S. unterzuschieben. Der Mittäter sei keine Marionette gewesen und hätte selbst an den Strippen gezogen. Dies gemäss dem Grundsatz: «Tote Zeugen sind bessere Zeugen.»

«Helfen ist normal»

Dass man Ruth S. weiterhin die Führerrolle zuspricht, versuchte Daniel Walder zu verhindern. Man laste ihr diese Rolle an wegen den Handlungen nach der Tat. Ruth S. nahm nach dem Raubmord die Waffen von Patric S. und Guido S. sowie das Geld entgegen und veranlasste, dass die Kleider verbannt wurden und dass die beiden zum Argovia Fäscht gehen.

Dieses Verhalten hätte man ihr nie nachweisen können, und trotzdem hätte sie es bei der Befragung ausführlich erzählt, so Walder. Genau daran hätte man die Beurteilung ihrer Führer-Rolle später aufgehängt. «Dass man sich hilft, ist absolut normal», so Walder. Das heisse aber nicht, dass sie an der Planung beteiligt gewesen war.

Die Anklage fordert für alle drei Beschuldigten lebenslänglich. Die Richter sprechen das Urteil am 27. Januar 2014.

Der Live-Ticker zur Verhandlung zum Nachlesen:

Der Oberstaatsanwalt verlässt den Saal. Er schüttelt jedem der Beschuldigten die Hand und wünscht ihnen alles Gute.

Die Richter wollen noch am Nachmittag mit der Beratung beginnen. Das Urteil soll am 27. Januar eröffnet werden.

13.00 Uhr: Die Parteivorträge sind beendet. Jetzt können die Beschuldigten noch etwas sagen.

Guido S. Es gebe keine Worte, die die Tat rechtfertigen könnten, meint Guido S. «Es tut mir von Herzen leid.» Er entschuldigt sich noch einmal bei Angehörigen und Freunden der Familie Dubey.

Patric S. Die ganze Sache würde ihm sehr leid tun, sagt Patric S. Er würde es gerne wieder gut machen.

Ruth S. "Es tut mir von tiefstem Herzen leid", so Ruth S. Dies, auch wenn man ihr das nicht ansehen würde. Sie wäre die erste, die ihr Leben geben würde, damit die drei wieder zurückkommen könnten.

12.45 Uhr: Es mache keinen Sinn, dass Ruth S. Guido S. nach Grenchen geschickt habe. "Welche fürsorgliche Mutter macht so etwas?" Deshalb sei es naheliegender, dass Patric S. und Guido S. gemeinsam entschieden, zur Tat zu schreiten.

Der schlaueste der drei Beschuldigten sei Patric S., so Walder.

12.30 Uhr: Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck hatte am Donnerstag in seinem Plädoyer davor gewarnt, dass die Gefahr einer Flucht von Ruth S. mit jeder Instanz zunehme. Walder sieht hier kein Problem: "Es gibt keine konkrete Fluchtgefahr."

Der Verteidiger reagiert auch auf den Vorwurf, er habe mit seinem elfstündigen Plädoyer den Geschäftsgang geschädigt. Dies gehöre zu einer angemessenen Verteidigung. Einiges sei im Argen gelegen.

12.20 Uhr: Die Staatsanwaltschaft sei bis heute eine Antwort schuldig geblieben, weshalb die Wahrsagerin Maria O., die die Beschuldigten per Telefon beraten hatte, keine Mittäterin sei. Diese habe sich doch einen Anteil von 10 Prozent an der Beute versprechen lassen.

12.15 Uhr: Ruth S. habe das Verhalten nach der Tat ausführlich geschildert (Waffen entgegengenommen, Geld versteckt und gewechselt, weitere Anweisungen gegeben). Dieses Verhalten hätte man ihr nie nachweisen können, und trotzdem hätte sie es ausführlich erzählt. Genau daran hätte man die Beurteilung ihrer Führer-Rolle später aufgehängt. "Dass man sich hilft, ist absolut normal", so Walder.

12.09 Uhr: Walder hatte gleich zu Beginn der Verhandlung den Antrag gestellt, das erstinstanzliche Urteil für nichtig zu erklären. Er warf dem damaligen Amtsgerichtspräsidenten François Scheidegger vor, dass das Urteil strategisch motiviert gewesen sei. Daran hält er fest, obwohl der Antrag abgelehnt wurde: François Scheidegger sei bereits im März 2012 als Kandidaten fürs Grenchner Stadtpräsidium genannt worden. Walder ist immer noch überzeugt: Scheidegger wäre nicht Stadtpräsident geworden, wenn das Urteil anders ausgefallen wäre.

12.06 Uhr: "Es könne nicht die Rede davon sein, dass wir es mit einer Dreiergruppe zu tun haben", so Walder. Man hätte sich in dieser Hypothese verbissen. Patric S. sei der "von Geld und Hass" getriebene gewesen.

12.05 Uhr: Pius Buchmann schliesst seine Duplik ab. Jetzt ist es an Daniel Walder zu sprechen.

12.00 Uhr: Er fühle sich nicht in der Lage, einen konkreten Antrag zu stellen, so Buchmann. Dies, weil kein zusätzliches Gutachten bezüglich seines Drogen- und Anabolikakonsums und die Auswirkungen auf die Tat vorliegen würde.

Es müsse aber berücksichtigt werden, dass Patric S. davon abgesehen hätte, Dania umzubringen.

11.40 Uhr: Es sei eine win-win-Situation für die Verteidigungen von Guido S. und Ruth S., Patric S. zu belasten, so Buchmann. Zwischen den Aussagen der Verteidiger bezüglich der Geldprobleme gebe es aber einen Widerspruch. Guido S. sei diesbezüglich stärker im Schlamassel gesteckt als Patric S. Letzterer hätte zudem leichter zu Geld kommen können (bspw. durch den Verkauf von Autos).

Es treffe nicht zu, dass Patric S. aus konditionellen Gründen Dania nicht habe umbringen können. Diese Aussage, die von Guido S. stamme, sei lächerlich und peinlich.

Guido S. wäre keine Marionette gewesen. Er hätte selbst an den Strippen gezogen. Dies gemäss dem Grundsatz: "Tote Zeugen sind bessere Zeugen."

11.22 Uhr: Buchmann weist die Unterstellung des Oberstaatsanwalts, er habe die Beweisanträge ungenügend überprüft, "vehement" zurück.

Für seinen Mandanten sei es entscheidend, ob der Beweisantrag (Wirkung von Anabolika) angenommen werden würde. Buchmann zitiert einen Ausschnitt aus Wikipedia zur Wirkung von Kokain im Zusammenhang mit Anabolika.

Erneut kritisiert er den Gutachter. Dieser hätte nicht einmal eine Ahnung gehabt, dass Literatur zum Thema bestehen würde.

Buchmann übt auch Kritik daran, dass gewisse Aussagen von Zeugen einfach nicht aufgenommen worden waren.

11.10 Uhr: Für eine im Hintergrund agierende Person wie Ruth S. sei es einfach, die Beteiligung an der Tat zu leugnen. Man könne 1000 Gründe aufführen, weshalb eine Planung nicht funktioniert habe. Aussagen, die Ruth S. belasten würden, seien im Plädoyer von Daniel Walder einfach ausgeblendet worden.

Es treffe nicht zu, dass die Tötung alleine Patric S. angelastet werden könne.

11.02 Uhr: Auch Pius Buchmann reicht seine Duplik in gedruckter Form den Anwesenden zum Mitlesen.

Man versuche, seinem Mandanten die Schuld vollumfänglich in die Schuhe zu schieben, beginnt der Verteidiger von Patric S. Daniel Walder, Anwalt von Ruth S., habe seine Aussagen auf Angaben gestützt, die Schutzbehauptungen seien. Auch würden sich viele Aussagen auf Hypothesen stützen.

Es gibt eine kurze Pause.

10.48 Uhr: Bruno Steiner beendet seine Duplik und erwähnt nochmals seinen Antrag, von einer lebenslänglichen Strafe abzusehen.

10.35 Uhr: Obwohl Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck in seinem Plädoyer ausdrückte, dass er die Beteiligung von Guido S. an der Tat weniger stark einstufte als bei den beiden Mitangeklagten, wolle dieser seinem Mandanten lebenslänglich geben, so Steiner.

10.15 Uhr: Das Gericht müsste die Abhängigkeit der Männer von Ruth S. begründen können, findet Bruno Steiner.

Weder sein Klient, noch Ruth S. hätten in grossen finanziellen Problemen gesteckt. Deshalb ist für ihn klar: Nur Patric S. hat die Motivation für eine solche Tat gehabt. Der ehemalige Hammerwerfer sei von bösen Dämonen getrieben gewesen.

9.54 Uhr: Jetzt will der Verteidiger noch etwas zum Plädoyer von Pius Buchmann, Anwalt von Patric S. und "Mann mit dem rhetorischen Wissen eines Rottweilers", sagen.

Der mächtige Patric S. könne sich nicht hinter der grauen Maus Guido S. verstecken. Es zeige die wahren Intentionen von Patric S., dass er die Morde an Margrit und Dania Dubey Guido S. in die Schuhe schieben wollte.

9.45 Uhr: Erneut kritisiert Steiner den Vorgang beim Befragen. Sein Klient habe den Tatvorgang nie in aller Ruhe erzählen konnen. Es sei "eine Katastrophe", dass sich nicht einmal der Psychiater Zeit genommen habe.

9.40 Uhr: Bruno Steiner ergreift nochmals die Möglichkeit, die "Naivität und Blindheit" seines Klienten zu betonen. Dieser sei nicht in der Lage gewesen, sich Gedanken über bspw. die Befindlichkeit von Patric S. während der Tat zu machen.

Das alles hat er schon in seinem Plädoyer gesagt.

9.25 Uhr: Der Verteidiger reagiert jetzt auf die Plädoyers der anderen Verteidiger. Dabei wiederholt er viele Aussagen aus seinem eigenen Plädoyer, das er am Donnerstag gehalten hatte. Er fährt Patric S. nochmals an den Karren: "Patric S. hat meinem Klienten die grösste Katastrophe seines Lebens beschert."

9.10 Uhr: Bruno Steiner verweist auf ein von ihm erstelltes Psychogramm, das seiner Dublik beigelegt ist, und kritisiert wiederum Gutachter Lutz-Peter Hiersemenzel.

Auf der Skizze sind alle beteiligten Personen zu sehen. Unten hat Steiner Guido S. ("24-jährig, kindlich, aggressionsgehemmt") hingestellt. Der Name Patric S. erscheint ganz oben. Bruno Steiner sieht ihn als "mächtigste Figur, Zentrum des Planetensystems, lebenserfahren, traumatische Finanzsystem, von Rachegelüsten und Wut beherrscht".

Wenn man die Beziehung anschauen würde, sehe man die Altersunterschiede. Hier werde klar, dass Erwachsene und ein Kind miteinander zu tun gehabt hätten. Mit Kind meint Steiner Guido S.

Auch zu sehen sei der starke Einfluss von Ruth S. auf Guido S.

9.06 Uhr: Bruno Steiner reagiert sofort auf die Kritik des Oberstaatsanwalts, er habe in seiner Argumentation eine 180 Grad-Wendung hingelegt. Ruth S. sei von sicherlich grosser Bedeutung gewesen. Noch grösser dürfte aber der Einfluss der Wahrsagerin Maria O. gewesen sein. Diese sei aber völlig aussen vor gelassen worden.

9.04 Uhr: Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck beendet nach knapp einer halben Stunde seine Replik. Jetzt kommt Bruno Steiner, Anwalt von Guido S., dran mit der Duplik. Diese erscheint deutlich dicker als die Replik des Oberstaatsanwalts.

8.55 Uhr: Brodbeck zählt eine Reihe von Sachen in der Verhandlung auf, die "nicht geboten" gewesen waren. Er kritisiert, dass die Verteidiger in ihren Plädoyers teilweise ganze Abschnitte vorgelesen hätten, "als ob man davon ausgehen würde, dass die Richter die Akten nicht gelesen hätten".

Diese langen Ausführungen hätten nur Geld gekostet. Einige Argumentationen "gehören ins Kabarett, aber sicherlich nicht vor Gericht."

8.50 Uhr: Er zweifle "in keinem Moment" daran, dass das Treffen am Mittag in Gebenstorf stattgefunden habe. Aber genau dieses würde Ruth S. bestreiten.

8.45 Uhr: Brodbeck äussert sich auch zum Vorwurf, dass den Angeklagten suggestive Fragen gestellt worden seien. "Suggestionsfreie Kommunikation gibt es gar nicht", meint er. Solche suggestiven Fragen müssten auch gestellt werden, wenn auf die anderen Fragen keine Antworten kämen.

Brodbeck geht aber mit Anwalt Daniel Walder überein, dass die Fragen der Polizei zu suggestiv gewesen seien.

8.40 Uhr: Pius Buchmann, Anwalt von Patric S. hatte in seinem Plädoyer von Skrupel gesprochen, die sein Klient vor der Tötung von Dania entwickelt haben soll. "Die Behauptung ist genauso unglaubhaft wie frühere Aussagen von Patric S.", meint dazu Brodbeck.

8.34 Uhr: Bruno Steiner habe in seinem Plädoyer behauptet, dass Ruth S. das Geschehen gar nicht mitgestaltet habe. Er stellte Patric S. als General hin, der vor Ort zu einem "Anabolika- und Drogenmonster" mutierte, so Brodbeck.

Im Vergleich zur erstinstanzlichen Verhandlung habe er damit "eine glatte 180 Grad-Wendung hingelegt". Wieso dieser Meinungsumschwung? Die Wendung könnte ein Zusammenhang mit seinem Plädoyer haben, vermutet der Oberstaatsanwalt.

8.32 Uhr: Er hätte Lust, auf die Replik zu verzichten, beginnt Oberstaatsanwalt Hansjürg Brodbeck. Alles, was für ihn wichtig erschien, habe er bereits in seinem Plädoyer am Donnerstagmorgen gesagt. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es nichts, was unbedingt noch gesagt werden müsste. Weil er aber dann den Medien erklären müsste, weshalb er auf eine Replik verzichtet habe, halte er jetzt doch noch eine.

8.29 Uhr: Pünktlich öffnet die Gerichtsschreiberin die Tür zum Obergerichtssaal und lässt die wenigen Medienschaffenden, die der Verhandlung noch beiwohnen, samt den Anwälten rein. Kurz darauf werden auch schon Guido S. (wieder im grauen Anzug), Patric S. (wieder in einem weissen Hemd) und Ruth S. (mit weisser Bluse und blauer Weste) durch Polizisten in den Saal geführt.

Obergerichtspräsident Hans-Peter Marti stellt das Programm vor. Der Oberstaatsanwalt wird zuerst die Replik halten.