Visualisierungen
Schafft Milliardenprojekt von Biogen mehr Arbeitsplätze als gedacht?

Visualisierungen zeigen, wie sich das Borregaard-Areal in Luterbach verändern wird. Auf den 22 Hektaren entsteht eine Anlage, die einem Campus gleicht. Nach den drei Bauphasen des riesigen Projekts könnten sogar bis zu 2000 Stellen entstehen.

Franz Schaible
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Im Vordergrund zur Aare hin ist das Verwaltungsgebäude geplant, dahinter die eigentliche Biotechproduktion.

Im Vordergrund zur Aare hin ist das Verwaltungsgebäude geplant, dahinter die eigentliche Biotechproduktion.

zvg

Das Milliardenprojekt der US-amerikanischen Biotechfirma Biogen bekommt Konturen: Erstmals sind anschauliche Visualisierungen der geplanten Produktionsanlage in Luterbach erhältlich. Bilder und Pläne auf der extra für das Projekt aufgeschalteten Homepage zeigen, wie die Fabrik dereinst aussehen könnte.

Die riesige, grosszügige Anlage ähnelt mehr einem Campus als einem üblichen Industriebetrieb. Bei der Bekanntgabe des Vorhabens Ende Juni hiess es denn auch, es handle sich um eine der modernsten Anlagen der Welt zur Herstellung von Proteinen als Wirkstoff für unterschiedliche Biopharmazeutika. «Es wird eine Anlage der nächsten Generation sein», wurde seitens Biogen betont. Neben den Produktionsanlagen wird das Werk auf dem Areal der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard auch Labors, Büros, Versorgungsgebäude sowie ein Lager umfassen.

Visualisierung der Biogen-Anlage auf dem Borregaard-Areal
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Visualisierung der Biogen-Anlage auf dem Borregaard-Areal
Im Vordergrund zur Aare hin ist das Verwaltungsgebäude geplant, dahinter die eigentliche Biotechproduktion
Am Ende könnten sieben Produktionszellen sowie weitere Produktions- und Versorgungsgebäude auf dem Areal stehen.
Visualisierung der Biogen-Anlage auf dem Borregaard-Areal

Visualisierung der Biogen-Anlage auf dem Borregaard-Areal

zvg

Es könnte noch mehr werden

Im ersten Ausbauschritt will Biogen eine Milliarde Franken in die Infrastruktur und Bauten stecken. Die Inbetriebnahme der Produktion ist auf Anfang 2019 geplant. Um die Anlage betreiben zu können, werden laut Biogen rund 400 Arbeitsplätze geschaffen. Und es könnten noch mehr werden, kaufte doch Biogen vom Kanton insgesamt 22 Hektaren Land.

Im kantonalen Gestaltungsplan, welcher für die öffentliche Mitwirkung aufliegt, sind einige Eckdaten für zwei Ausbauschritte aufgezeigt. Demnach sieht Phase II zwei weitere Produktionseinheiten mit entsprechender Erweiterung der erforderlichen Versorgungs- und Infrastrukturanlagen vor. «Bei anhaltend guter Entwicklung der Produktepalette ist laut Biogen denkbar, dass dieser Ausbau zeitlich relativ eng an Phase I anschliessend könnte», steht im Gestaltungsplan.

Allerdings könnten darüber keinerlei Zusicherungen abgegeben werden. Phase III stelle den möglichen Vollausbau der Anlage dar. «Aus heutiger Sicht stellt sie die eigentliche ‹Reserve› dar, deren Realisierungszeitpunkt am ehesten mittel- bis langfristig bezeichnet werden kann.» Mit Phase II wären es dann rund 1000 Arbeitsplätze, mit Phase III gar 1750 Stellen.

Ehrgeiziger Zeitplan

Doch im Zentrum steht jetzt die angekündigte Phase I. Der Zeitplan von Biogen ist ehrgeizig. Bereits im Dezember 2015 soll der Baustart erfolgen und Anfang 2019 die Inbetriebnahme. Daran habe sich bislang nichts verändert, sagt Markus Ziegler, Mitglied der Geschäftsleitung von Biogen Switzerland AG in Zug. «Wir haben den bisherigen direkten Kontakt mit der Bevölkerung der Standortgemeinde Luterbach positiv erlebt.»

Er meint damit den Informationsanlass Anfang Juli und die im August durchgeführte Veranstaltung zum Start der öffentlichen Mitwirkung (wir berichteten). Seiner Ansicht nach sei es gelungen, alle offenen, durchaus berechtigten Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Man sehe derzeit keine Probleme, welche das Projekt vom Weg abbringen könnten.

Bislang zwei Eingaben

Inzwischen hat Biogen im ehemaligen Verwaltungsgebäude von Borregaard nördlich der Aare eigene Büros bezogen, bestätigt Ziegler. Dort seien einige wenige technische Experten für das Projekt einquartiert. Im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung kann die Bevölkerung noch bis zum kommenden Montag Eingaben machen. Bislang sind mehrere Mitwirkungen eingegangen, heisst es bei der Gemeindeverwaltung von Luterbach.

Diese und allfällig weitere würden an die Planungs- und Umweltschutzkommission weitergeleitet. Nach Abschluss der Mitwirkung wird das Baubewilligungsprozedere starten. Auch hier zeigt sich Markus Ziegler zuversichtlich, um gleichzeitig zu betonen: «Das ist ein politisches Verfahren – und deren Ausgang ist immer offen.»

Wie zutreffend diese Aussage ist, zeigt das Beispiel in Lengnau, dem Nachbardorf von Grenchen. Dort will bekanntlich der australische Biotechnologiekonzern CSL Behring für 400 Millionen Franken eine Grossfabrik aufbauen. Es sollen 300 Arbeitsplätze geschaffen werden. Noch liegt die definitive Baubewilligung aber nicht vor, weil eine Person ihre in erster Instanz abgelehnte Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen hat. Dessen Entscheid wird demnächst erwartet.

Warum der Aktienkurs an einem Tag 22 Prozent verlor

Am vergangenen 24. Juli hat der US-Biotechkonzern Biogen die Zahlen für das zweite Quartal 2015 auf den Tisch gelegt. Der Zahlenkranz ist eigentlich solide. So stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 7 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar, der Gewinn nahm gar um 30 Prozent auf 927 Millionen Dollar zu. Trotzdem sackte der Börsenkurs massiv ab. Innert Tagesfrist verlor die an der US-Technologiebörse gehandelte Aktie 22 Prozent an Wert auf rund 300 Dollar; der Börsenwert sank von knapp 100 Milliarden auf unter 80 Milliarden Dollar. Inzwischen hat sich der Kurs um die Grenze von 300 Dollar stabilisiert. Was ist passiert? Auslöser waren die gleichzeitig publizierten reduzierten Jahresziele. Der Umsatz für das ganze Jahr soll nur zwischen 6 und 8 Prozent wachsen, nachdem Biogen zuvor mit einem Wachstum von
14 bis 16 Prozent gerechnet hatte. Der Gewinn je Aktie soll zwischen 15,50 und 15,95 Dollar liegen, zuvor war eine Spanne zwischen 16,60 bis 17 Dollar angegeben worden. Begründet wurde die Korrektur mit schlechteren Aussichten für das umsatzträchtigste Medikament Tecfidera zur Behandlung von multipler Sklerose. Zwar sind die Verkäufe auch hier ordentlich gewachsen, aber nur in den USA. Ausserhalb der Vereinigten Staaten sank der Umsatz, insbesondere wegen des Preisdruckes in Deutschland, hiess es. Hat diese Entwicklung Einfluss auf das Projekt in Luterbach? «Nein», sagt Markus Ziegler, Mitglied der Geschäftsleitung von Biogen Switzerland. «Kurzfristige Nachfrageschwankungen beeinflussen den langfristigen Aufbau der Produktion nicht.» Aufgrund der Nachfrage nach bestehenden Medikamenten und der Produkte-Pipeline mit mehreren vielversprechenden Medikamenten werde Biogen wie geplant das Produktionsnetzwerk ausbauen. Und: «Unsere Planung ist nicht abhängig von kurzfristig schwankenden Börsenkursen.» (FS)