Visualisierungen

Schafft Milliardenprojekt von Biogen mehr Arbeitsplätze als gedacht?

Im Vordergrund zur Aare hin ist das Verwaltungsgebäude geplant, dahinter die eigentliche Biotechproduktion.

Im Vordergrund zur Aare hin ist das Verwaltungsgebäude geplant, dahinter die eigentliche Biotechproduktion.

Visualisierungen zeigen, wie sich das Borregaard-Areal in Luterbach verändern wird. Auf den 22 Hektaren entsteht eine Anlage, die einem Campus gleicht. Nach den drei Bauphasen des riesigen Projekts könnten sogar bis zu 2000 Stellen entstehen.

Das Milliardenprojekt der US-amerikanischen Biotechfirma Biogen bekommt Konturen: Erstmals sind anschauliche Visualisierungen der geplanten Produktionsanlage in Luterbach erhältlich. Bilder und Pläne auf der extra für das Projekt aufgeschalteten Homepage zeigen, wie die Fabrik dereinst aussehen könnte.

Die riesige, grosszügige Anlage ähnelt mehr einem Campus als einem üblichen Industriebetrieb. Bei der Bekanntgabe des Vorhabens Ende Juni hiess es denn auch, es handle sich um eine der modernsten Anlagen der Welt zur Herstellung von Proteinen als Wirkstoff für unterschiedliche Biopharmazeutika. «Es wird eine Anlage der nächsten Generation sein», wurde seitens Biogen betont. Neben den Produktionsanlagen wird das Werk auf dem Areal der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard auch Labors, Büros, Versorgungsgebäude sowie ein Lager umfassen.

Es könnte noch mehr werden

Im ersten Ausbauschritt will Biogen eine Milliarde Franken in die Infrastruktur und Bauten stecken. Die Inbetriebnahme der Produktion ist auf Anfang 2019 geplant. Um die Anlage betreiben zu können, werden laut Biogen rund 400 Arbeitsplätze geschaffen. Und es könnten noch mehr werden, kaufte doch Biogen vom Kanton insgesamt 22 Hektaren Land.

Im kantonalen Gestaltungsplan, welcher für die öffentliche Mitwirkung aufliegt, sind einige Eckdaten für zwei Ausbauschritte aufgezeigt. Demnach sieht Phase II zwei weitere Produktionseinheiten mit entsprechender Erweiterung der erforderlichen Versorgungs- und Infrastrukturanlagen vor. «Bei anhaltend guter Entwicklung der Produktepalette ist laut Biogen denkbar, dass dieser Ausbau zeitlich relativ eng an Phase I anschliessend könnte», steht im Gestaltungsplan.

Allerdings könnten darüber keinerlei Zusicherungen abgegeben werden. Phase III stelle den möglichen Vollausbau der Anlage dar. «Aus heutiger Sicht stellt sie die eigentliche ‹Reserve› dar, deren Realisierungszeitpunkt am ehesten mittel- bis langfristig bezeichnet werden kann.» Mit Phase II wären es dann rund 1000 Arbeitsplätze, mit Phase III gar 1750 Stellen.

Ehrgeiziger Zeitplan

Doch im Zentrum steht jetzt die angekündigte Phase I. Der Zeitplan von Biogen ist ehrgeizig. Bereits im Dezember 2015 soll der Baustart erfolgen und Anfang 2019 die Inbetriebnahme. Daran habe sich bislang nichts verändert, sagt Markus Ziegler, Mitglied der Geschäftsleitung von Biogen Switzerland AG in Zug. «Wir haben den bisherigen direkten Kontakt mit der Bevölkerung der Standortgemeinde Luterbach positiv erlebt.»

Er meint damit den Informationsanlass Anfang Juli und die im August durchgeführte Veranstaltung zum Start der öffentlichen Mitwirkung (wir berichteten). Seiner Ansicht nach sei es gelungen, alle offenen, durchaus berechtigten Fragen zufriedenstellend zu beantworten. Man sehe derzeit keine Probleme, welche das Projekt vom Weg abbringen könnten.

Bislang zwei Eingaben

Inzwischen hat Biogen im ehemaligen Verwaltungsgebäude von Borregaard nördlich der Aare eigene Büros bezogen, bestätigt Ziegler. Dort seien einige wenige technische Experten für das Projekt einquartiert. Im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung kann die Bevölkerung noch bis zum kommenden Montag Eingaben machen. Bislang sind mehrere Mitwirkungen eingegangen, heisst es bei der Gemeindeverwaltung von Luterbach.

Diese und allfällig weitere würden an die Planungs- und Umweltschutzkommission weitergeleitet. Nach Abschluss der Mitwirkung wird das Baubewilligungsprozedere starten. Auch hier zeigt sich Markus Ziegler zuversichtlich, um gleichzeitig zu betonen: «Das ist ein politisches Verfahren – und deren Ausgang ist immer offen.»

Wie zutreffend diese Aussage ist, zeigt das Beispiel in Lengnau, dem Nachbardorf von Grenchen. Dort will bekanntlich der australische Biotechnologiekonzern CSL Behring für 400 Millionen Franken eine Grossfabrik aufbauen. Es sollen 300 Arbeitsplätze geschaffen werden. Noch liegt die definitive Baubewilligung aber nicht vor, weil eine Person ihre in erster Instanz abgelehnte Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen hat. Dessen Entscheid wird demnächst erwartet.

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