Solothurner Kantonsrat

Schaden einheitliche Leistungstests dem Lernverhalten der Schüler?

Ab dem Schuljahr 2016/2017 sollen im Kanton Solothurn einheitliche Checks für Schüler der Volksschule eingeführt werden. SP und Grüne befürchten Schulrankings – Bürgerliche betonen den förderorientierten Charakter der Tests

Ab dem Schuljahr 2016/2017 wird es so weit sein: Dann sollen in den vier Bildungsraum-Kantonen Solothurn, Baselland, Basel-Stadt und Aargau flächendeckend einheitliche Checks für Schüler der Volksschule eingeführt werden. Sie dienen nicht der Selektion, sondern der Förderung von Schülern, Lehrern und Schulen. Die Tests, welche die Leistungen in den Fächern Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften prüfen, werden viermal punktuell erfolgen; nämlich im 3., 6., 8. und 9. Schuljahr. Mittels einer Interpellation geht SP-Kantonsrat Mathias Stricker (Bettlach) jetzt mit solchen Checks hart ins Gericht.

SP/Grüne: Es genügen Stichproben

Als Sprecher der SP-Fraktion wies er am Mittwoch im Kantonsrat insbesondere auf die Gefahr von Schulranglisten hin. Die von der Regierung in Aussicht gestellten Massnahmen, um solche Rankings zu verhindern, gehen der SP dabei entschieden zu wenig weit. Stricker: «Der Missbrauch von Daten für ein Schulranking muss auf gesetzlicher Ebene verhindert werden». Ein simples Reglement, wie angekündigt, genüge nicht.

Weiter moniert Mathias Stricker, dass die geplanten Checks dazu führen, dass die Lehrpersonen in ihrem Bemühen, entsprechend gute Resultate zu erzielen, nur noch im Hinblick auf die Tests unterrichten werden. Ein Phänomen, für das sich mittlerweile der englische Ausdruck «Teaching to the test» eingebürgert hat. Die negativen Folgen einheitlicher Checks könnten reduziert werden, wenn sie nicht flächendeckend, sondern stichprobenweise erfolgen, ist Stricker überzeugt. Die Durchführung eines flächendeckenden Tests hingegen könnte man auf die 8. Klasse beschränken. Damit würde man dem Anliegen vieler Lehrmeister, die Schul-übergreifende Leistungstest für die Lehrlingsselektion fordern, gerecht.

Ähnlich wie die SP befürchten auch die Grünen als Folge flächendeckender Checks Schulranglisten sowie eine einseitige Ausrichtung des Unterrichts auf die Inhalte der Leistungschecks. «Da die Checks vor allem Faktenwissen abfragen, wird sich der Unterricht dann ebenfalls einseitig auf dieses Wissen konzentrieren», sagte Felix Wettstein (Olten).

«Ein Mehrwert für alle»

Ganz im Sinne der Regierung argumentieren die drei bürgerlichen Fraktionen. «Die Checks entsprechen einem langjährigen Anliegen, besonders vonseiten der Privatwirtschaft», betonte Fabio Jeger (CVP, Meltingen) als Sprecher der Fraktion CVP/EVP/GLP/BDP. Und: «Sie dienen der Standortbestimmung von Schülern, Lehrern und Schulen.»

Hansjörg Stoll (SVP, Mümliswil) erinnerte namens der Volkspartei daran, dass das Konzept der teilautonomen, Geleiteten Schulen ein Leistungs- und Qualitätscontrollingsystem beinhalte. Mit der Durchführung flächendeckender Leistungstests sei zudem ein «gewisser Druck» verbunden, von dem Schulen und Schüler gleichermassen profitieren. Hinter den Leistungstest steht auch die FDP-Fraktion. «Die Tests entsprechen einem hohen Qualitätsanspruch an die Schule», sagte Hubert Bläsi (Grenchen). Die flächendeckende Einführung bedeute dabei einen «Mehrwert für alle». Auch für die FDP ist aber klar, dass die Checks nicht zu einem Schulranking führen dürfen. Kritisch äussert sich Bläsi auch zum «Teaching to the test»: «Dieses Phänomen erleben wir öfters als erwünscht.»

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