Solothurn-Moutier
Sanierung des Weissenstein-Tunnels beginnt 2020 – für 18 Monate zu

Mit der Sanierung des 3,7 Kilometer langen Weissensteintunnels auf der Bahnlinie Solothurn-Moutier soll im Juni 2020 begonnen werden. Im Dezember 2021 werden die Züge gemäss Zeitplan der BLS wieder durch den Tunnel rollen.

Sven Altermatt/sda
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Der Weissensteintunnel ist 109 Jahre alt und baufällig. Im Bild der Nostalgiewagen des schweizweit einzigartigen Vereins Tunnelkino.

Der Weissensteintunnel ist 109 Jahre alt und baufällig. Im Bild der Nostalgiewagen des schweizweit einzigartigen Vereins Tunnelkino.

Hanspeter Bärtschi

Es gehört zum Schicksal eines politischen Komitees, dass seine Halbwertszeit beschränkt ist. Wer auf ein Ziel hinarbeitet, kann sich niemals sicher sein, dass dieses auch erreicht wird. Das Komitee «Weissensteintunnel erhalten» darf diesbezüglich zufrieden sein: Nach einem langen Hickhack gab das Bundesamt für Verkehr im Winter grünes Licht. Der Weissensteintunnel auf der Bahnlinie zwischen Solothurn und Moutier wird für 85 Millionen Franken saniert. Damit kann er weitere 25 Jahre betrieben werden. Das Geld für die Sanierung stammt vom Bund.

Die Aufgaben sind erfüllt, das Tunnel-Komitee hat sich aufgelöst. Alles gut also? «Ganz und gar nicht», ist Walter Straumann überzeugt, «unsere Anliegen sind dringlicher denn je.» Der Präsident von Solothurn Tourismus und frühere CVP-Regierungsrat engagierte sich im Komitee. Nun übernimmt er das Vizepräsidium der Nachfolgeorganisation, des Fördervereins «Linie 411». Sein Name ist angelehnt an die frühere Bezeichnung der Bahnlinie im offiziellen Kursbuch.

Der Verein wurde am Freitag auf einer «Medienfahrt» im Nostalgiewagen vorgestellt. An dessen Spitze steht Stefan Müller-Altermatt, CVP-Nationalrat und Herbetswiler Gemeindepräsident. Ziel des Vereins ist es, die Sanierung des Tunnels zu begleiten und dessen Attraktivität in allen Belangen zu fördern.

BLS-Mann Daniel Wyder referiert, Baudirektor Roland Fürst, Tourismus-Präsident Walter Straumann und «Linie 411»-Präsident Stefan Müller-Altermatt (v. l.) hören zu.

BLS-Mann Daniel Wyder referiert, Baudirektor Roland Fürst, Tourismus-Präsident Walter Straumann und «Linie 411»-Präsident Stefan Müller-Altermatt (v. l.) hören zu.

Hanspeter Bärtschi

BLS präsentiert ihren Fahrplan

Doch für die Bevölkerung, allen voran im Bezirk Thal, ist vor allem der Stand der Dinge interessant, über den auf der Fahrt informiert worden ist: Die Sanierung wird von Juni 2020 bis November 2021 dauern, ab Dezember 2021 sollen die Züge durch den sanierten Tunnel rollen. «Im Moment läuft alles nach Plan», sagte Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur bei der Bahnbetreiberin BLS. Noch dieses Jahr soll die öffentliche Planauflage folgen. Mit deren Genehmigung ist in der zweiten Hälfte 2018 zu rechnen.

Derzeit kann der 3,1 Kilometer lange, einspurige Tunnel nur dank Sicherungsmassnahmen befahren werden. So wurden abschnittsweise etwa Steinfallschutznetze installiert. Wasser macht dem Gewölbe zu schaffen, und auch die Tunnelsohle ist in keinem guten Zustand. Wyder betonte, «der Sanierungsbedarf ist wie angekündigt gross». Auf der Strecke eines halben Kilometers muss der Tunnel rundum erneuert werden. Der Löwenanteil der Bundesgelder wird für die Sanierung des Gewölbes und die Entwässerung eingesetzt. Anstelle einer herkömmlichen Fahrleitung soll eine Decken-Stromschiene verbaut werden – eine Premiere auf dem Streckennetz der BLS.

Ganz ohne Schliessung, das ist keine Neuigkeit, geht es nicht: Die Bahnfahrer bekommen temporär eine Kostprobe, wie es ohne Tunnelsanierung gewesen wäre. Nun gehen die BLS und die Behörden definitiv davon aus, dass der Tunnel während der ganzen Dauer der Arbeiten von rund 18 Monaten gesperrt werden muss. «Stand jetzt wird es nicht anders gehen», sagte der Solothurner Baudirektor Roland Fürst (CVP) am Rande der «Medienfahrt» im Gespräch. BLS-Mann Wyder ergänzte, so könne man kostengünstig und effizient bauen. Läuft alles nach Plan, will die BLS die Sperrzeit des Tunnels auch für Arbeiten an den Bahnhöfen und an der Strecke nutzen. Wyder sprach von «Modernisierungen».

Als Ersatzlösung für Reisende aus dem Thal dient voraussichtlich die bestehende Busverbindung via Balsthal nach Oensingen, wo Anschluss an den Fernverkehr besteht. Die Reisezeit von Gänsbrunnen nach Solothurn dürfte sich damit verdreifachen. Laut Fürst werde man unter anderem noch prüfen, ob zusätzlich Direkt-Busse eingesetzt werden. Das Ersatzangebot wird von den beteiligten Kantonen, der BLS und den SBB ausgearbeitet. Eine Verbindung über den Weissenstein-Pass sei nicht möglich, bekräftige Fürst. «Keine Strassenverbindung ist ein wirklicher Ersatz des Tunnels.»

Denkfabrik für Bahnlinie

Der Verein «Linie 411» versteht sich als Denkfabrik, die sich mit der Entwicklung der Bahnlinie und der Regionen in deren Einzugsgebiet befasst. Man sei breit abgestützt, sagte Präsident Stefan Müller-Altermatt. Dem Vorstand gehören unter anderen Thaler Politiker an. Die Unterstützung bei der Vermarktung der Linie zählt der Verein ebenso zu seinen Aufgaben wie die Beratung der Bauherrschaft und den Kontakt mit den Behörden. Konkret will der Verein etwa Anträge zum Fahrplan-Entwurf vorlegen.

Walter Straumann forderte «einen leistungsfähigen, attraktiven Regionalverkehr». Und Müller-Altermatt versprach, man wolle sich natürlich auch für gute Anschlüsse während der Sanierung einsetzen. «Sonst sind die Passagiere noch vor der Wiedereröffnung wieder weg.»

Tourismus-Chef will Weissensteintunnel direkt vermarkten, engere Zusammenarbeit mit den SBB geplant

Der Weissensteintunnel und die Bahnlinie Solothurn–Moutier sollen nicht als reines Verkehrsmittel, sondern als touristisches Projekt verstanden werden: Das betonte Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus, auf der «Medienfahrt». Sie sind bereits Teil von entsprechenden Broschüren und haben einen prominenteren Platz auf Onlineportalen erhalten. Ab 2018 werde man enger mit den SBB zusammenarbeiten, kündigte Hofer an. «Das ist ein Quantensprung in der Vermarktung.» Geplant ist zudem ein Wettbewerb – gesucht wird ein identitätsstiftender Namen für die Bahn. Ein bewährtes touristisches Angebot ist das Tunnelkino. Der Betreiberverein stellte für die «Medienfahrt» seinen Nostalgiewagen zur Verfügung. Präsident Charly Zimmermann betonte, man zähle auf die Unterstützung aller Beteiligten, um das Kino weiterhin zu betreiben. Zum Programm soll auch nach der Sanierung ein Zwischenhalt an der Wasserquelle mitten im Tunnel gehören. (sva)