Alpiq-Verwaltungsrat
Saners Wahl ein «Affront»: Regierung weist Vorwürfe zurück

Kritiker sprechen bei dem Vorschlag der Regierung, Heinz Saner den Solothurner Verwaltungsratsitz in der Alpiq Holding AG zu geben, von einem «Affront». Finanzdirektor Roland Heim begründet den Vorschlag.

Franz Schaible
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Heinz Saner soll im Verwaltungsrat den Kanton Solothurn vertreten.

Heinz Saner soll im Verwaltungsrat den Kanton Solothurn vertreten.

zvg/bko

Der Kanton Solothurn ist mit 5,6 Prozent am Energiekonzern Alpiq beteiligt. Ihm steht laut Statuten ein Sitz im Verwaltungsrat zu. Seit 1996 wird dieses Mandat von Christian Wanner wahrgenommen, bis 2013 als Finanzdirektor und ab dann als alt Regierungsrat.

Warum übernimmt nun nicht der heutige Finanzdirektor, Roland Heim, die Nachfolge, sozusagen als logischer Schritt nach dem Rücktritt Wanners aus dem Verwaltungsrat im Frühling 2017?

Regierung: Kein Verwaltungsrat

«Das hat der Regierungsrat bereits nach den letzten Wahlen 2013 so vorgespurt», erklärt Heim auf Anfrage. Im Sinne einer guten Corporate Governance habe man bereits damals beschlossen, dass kein Regierungsrat mehr als aktiver Verwaltungsrat in einer Privatgesellschaft Einsitz nehmen werde. So gesehen sei es logisch, dass künftig kein Regierungsrat als Mitglied des Alpiq-Aufsichtsgremiums amten wird.

Ein Mandat an die 2017 zurücktretenden Regierungsrätin Esther Gassler und Regierungsrat Peter Gomm sei gegenseitig auch kein Thema gewesen. Hat der Regierungsrat angesichts der schwierigen Zukunft für den Energiekonzern kalte Füsse bekommen? «Nein, überhaupt nicht», versichert Heim. Man werde als Aktionärin und auch als Standortkanton weiterhin versuchen, zum Wohle des Kantons Einfluss zu nehmen. «Es ist und bleibt der Verwaltungsratssitz des Kantons Solothurn.»

«Fehlendes Fingerspitzengefühl»

Die Wahl sei auf Heinz Saner gefallen, weil er «ein profunder Kenner der Energiebranche» sei und zudem als Oltner ein besonderes Augenmerk auf den Standort Olten haben werde. Das sieht die Solothurner Regionalgruppe Nie Wieder AKW (NWA) ganz anders. Heinz Saner gehöre zur «alten Garde» der Branche und habe zwischen 1988 bis 2011, zuletzt als Geschäftsleitungsmitglied, entscheidend den Alpiq-Kurs mitgeprägt. Die Wahl zeuge von «fehlendem Fingerspitzengefühl».

Diese Vorwürfe weist der Finanzdirektor zurück. Saner sei als «versierter Berater im Energiesektor» tätig. Zudem sei Saner ja bereits seit fünf Jahren nicht mehr bei der Alpiq tätig. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass auch frühere explizite Vertreter der Atomenergie inzwischen umgedacht hätten. Kurz: «Wir sind überzeugt, dass Heinz Saner der richtige Mann für das Mandat ist.»

Wichtig sei, dass, wie bisher Christian Wanner, auch Heinz Saner bei «wichtigen Fragen» mit dem Regierungsrat Rücksprache nehmen werde. Die Regierung werde Empfehlungen abgeben, an welche er sich halten werde. «Es ist nicht denkbar, dass Heinz Saner im konkreten Fall gegen eine Empfehlung des Regierungsrates stimmen wird.» Saner habe ein Mandat als Vertreter des Kantons im Verwaltungsrat erhalten. Wichtige Geschäfte seien etwa der laufende Verkauf der Alpiq-Wasserkraftwerke oder allfällige Strategieänderungen, welche den Kanton Solothurn als Aktionär und/oder Standortkanton betreffen würden.

«Teil des Honorars an Kanton

Bleibt noch die Frage der Abgeltungen. Nachdem Christian Wanner wegen des Einbehaltens von Sitzungsgeldern und Spesen in die Kritik geraten war, liefert er seit 2013 sämtliche Entschädigungen aus dem Verwaltungsratsmandat an den Kanton ab. Laut Alpiq-Geschäftsbericht waren es 2015 rund 230'000 Franken.

Man habe im Rahmen des Mandatsvertrages mit Heinz Saner eine Vereinbarung getroffen, wonach er «einen Teil des Honorars und Spesen» an den Kanton abliefern werde. Über die Höhe wollte Heim keine Auskunft geben. Es werde aber sicher weniger sein, nur schon deshalb, weil Saner als gewöhnliches VR-Mitglied zur Wahl vorgeschlagen werde und nicht als Vize-Verwaltungsratspräsident wie Christian Wanner.

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