Gewandelt, so Rutishauser, haben sich in dieser Periode vor allem drei Bereiche: die Art der Baudenkmäler und damit deren Zahl, unser Umgang mit den schutzwürdigen Objekten sowie die Pflege des jeweiligen Denkmals.

Vom Bau- zum Kulturdenkmal

Traditionell beschäftigte sich die Denkmalpflege mit Kathedralen, Kirchen, Schlössern und der Solothurner Altstadt. Rutishauser war noch nicht lange im Amt, da landete das Dossier mit der Raststätte Deitingen Süd an der A1 auf seinem Pult. Diese BP-Tankstelle ist mit Heinz Islers Betonschalen überdacht, die schliesslich vor dem Abbruch bewahrt werden konnten.

Inzwischen beschäftigt sich die Denkmalpflege auch mit profanen Jugendstilhäusern, Industriebauten, Dieselmotoren, Sesselbahnen oder moderner Architektur der Nachkriegszeit. Der Begriff des Baudenkmals hat sich ausgeweitet zum Kulturdenkmal. Und damit hat auch die Anzahl der Gebäude und Objekte, die es zu erhalten gilt, stark zugenommen.

Parallel dazu sind die Grundsatzfragen wichtiger geworden: Wie gehen wir – als Gesellschaft – mit unserem gebauten Erbe um? Welche Geschichte, welche Bevölkerungsgruppe wollen wir mit materieller Kultur für die Nachwelt dokumentieren? Und daraus folgend: Schützen wir ein fragliches Objekt, oder zerstören wir es unwiederbringlich? Rutishauser hat einmal den Satz geprägt: «Das Denkmal existiert nicht.» Will sagen: Ein Haus ist nicht ein Denkmal an sich, sondern dessen Wert muss im Verständnis der Gesellschaft erkannt und wahrgenommen werden.

Vom Schandfleck zum Bijou

Auch der Umgang mit den Kulturdenkmälern hat sich in Rutishausers Amtszeit verändert. Seine Vorgänger waren bestrebt, ein Bauwerk in seinen «ursprünglichen» Zustand zurückzuführen und spätere Umbauten rückgängig zu machen. Nur: Oft ist von der «ursprünglichen» Substanz nur noch wenig vorhanden. Und es stellt sich die Frage, welche Phase im mehrhundertjährigen Leben eines Bauwerks man rekonstruieren will. Heute darf man einem Gebäude seine Geschichte ansehen; auch moderne Anbauten sind möglich, um das Baudenkmal weiterhin nutzen zu können. Schliesslich geht die Geschichte weiter.

Wenn jemand bauen oder umbauen will, gibt es unzählige baupolizeiliche Vorschriften, Reglemente und Normen, die vom Bauherrn geschluckt werden. Schaltet sich die Denkmalpflege ein, sieht man das oft zuerst als Eingriff in seine Rechte (dabei ist sie im Bauverfahren die einzige Behörde, die eine Entschädigung zahlt). «Als Denkmalpfleger habe ich einen gesellschaftlichen Auftrag», so Rutishauser.

Diesen erledige er aber lösungsorientiert. Er berate die Eigentümer, zeige ihnen den Wert ihres Hauses auf, leiste Überzeugungsarbeit. Manches Haus wurde zuerst als Schandfleck betitelt. Nach der Renovation erstrahlte es als Bijou, an dem alle ihre Freude hätten. «Leider werden stets die Konflikte zwischen Bauherren und Denkmalpflege kolportiert», bedauert Rutishauser. Sie werden hochgespielt. In Wirklichkeit sind sie an einem kleinen Ort. «Von der grossen Mehrheit der Fälle, wo die Zusammenarbeit bestens klappt, redet keiner.»

Ins Baudepartement geflüchtet

Mit seiner eigenen Obrigkeit erlebte der Denkmalpfleger eine Krise, als ihn das Erziehungsdepartement totsparen wollte, indem es ihm die Vorgabe machte, die Hälfte der Personalkosten einzusparen. «Wir flüchteten ins Baudepartement», erzählte Rutishauser. Eine gute Lösung, denn die Denkmalpflege erhielt kurze Wege zum Departementsvorsteher und zu den übrigen Amtschefs; viele Anliegen konnten unbürokratisch erledigt werden.