Ein Klopfen an der Tür, in der Stube herrscht gespanntes Warten. Der Samichlaus steht vor der Tür. Neben Lob und Tadel hält er für jedes Kind ein Chlausesäckli mit Schokolade, Nüssen und Mandarinen bereit. Dass ein einziger Mann eine solche Aktion auf die Beine stellen kann, macht schon die Kleinsten stutzig. Tatsächlich stecken hinter einem Samichlausbesuch aber meist nicht nur viele Helfer, sondern auch langwierige Vorbereitungen.

Kein Erzieher

«Ich muss noch schwarze Handschuhe besorgen und die goldenen Bücher neu einfassen», berichtet «Oberchlaus» Johny Suter aus Langendorf, der mit seinen Chläusen jeweils auch am Solothurner Chlausemäret vertreten ist. «Dann werden die Bärte und Gewänder kontrolliert. Und am Wochenende muss ich den Einsatzplan der Chläuse zusammenstellen»

Suter hat vor 20 Jahren mit dem «Chlausen» begonnen. Heute organisiert und koordiniert er Samichlaus-Besuche zu verschiedensten Anlässen in der gesamten Region Solothurn. Die Organisation der teuren Requisiten stellt ihn jedes Jahr vor neue Herausforderungen. «Ein Gewand kostet 300 Franken, ein Bart genauso viel. Das geht ins Geld», erzählt Suter.

Neben echt wirkenden Kostümen legt Suter aber auch Wert auf das Coaching der Freiwilligen, die sich als Samichlaus zur Verfügung stellen möchten. «Manch einer glaubt nämlich noch immer, der Samichlaus müsse die Rolle des Erziehers erfüllen, wie man das früher kannte. Das möchten wir natürlich nicht. Der Samichlaus gilt schliesslich als lieber Mann», sagt Suter.

Geselle statt Schmutzli

Wolfgang von Arx von der traditionsreichen Chlausenzunft Egerkingen bestätigt, dass sich die Bedeutung des Samichlaus im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt hat. «Früher stand bei Familienbesuchen deutlich das Erzieherische im Zentrum. Was die Eltern während des Jahres verpasst haben, musste der Samichlaus nachholen», weiss von Arx.

Damit jedes Kind den Besuch in guter Erinnerung behält, bietet die Zunft seit dem vergangenen Jahr zwei verschiedene Chlaus-Varianten an. Bei der konventionellen Version wird der als Bischof gekleidete Samichlaus von zwei Schmutzli in dunklen Kutten begleitet. Für Kinder, die sich vor den schwarz gekleideten Gestalten fürchten, können Eltern ein Team bestehend aus Samichlaus und Gesellen anfordern. «Die Gesellen tragen weder Bart noch Schminke und wirken auf die Kinder daher weniger bedrohlich», erklärt von Arx.

Noch steckt man aber auch in Egerkingen mitten in den Vorbereitungen. «31 Familien haben einen Samichlaus in die Stube bestellt», sagt er. Für eine reibungslose Koordination müssen die elf verantwortlichen Chläuse vorab Kontakt mit den Familien aufnehmen und eine exakte Zeit vereinbaren. Damit keiner von ihnen mit leeren Händen vor den Kindern erscheint, werden dieses Jahr rund 150 Chlausesäckli abgepackt.

Kindheitserinnerungen wecken

Eine grössere Anfrage haben die «Gränchner Samichläuse» zu bewältigen: 107 Familien haben sich angemeldet. Auf dem Programm stehen zusätzlich 13 Kindergärten und Schulklassen. «Als erstes gilt es, die Gruppeneinteilung vorzunehmen», berichtet Giulietta Engel. Sie regelt die administrativen Aufgaben der 18 Samichläuse, die in der nächsten Woche unterwegs sein werden. Jedem Samichlaus werden zwei Diener und ein Fahrer zugeteilt. Eine Gruppe besucht pro Abend etwa sechs Familien.

«Zur gleichen Zeit muss das fehlende Material für die Chlausesäckli eingekauft werden», erzählt Engel weiter. Und davon gibt es in diesem Jahr eine ganze Menge: Rund 475 Säckli müssen am 5. Dezember vorbereitet werden. Unterstützt wird das Samichlaus-Team dabei von 70 ehrenamtlichen Helfern, die hinterher mit einem Abendessen für ihren weihnachtlichen Einsatz belohnt werden.

Der wahre Lohn für die langen Vorbereitunge liegt jedoch in den glücklichen Gesichter der Kinder und Familien, denen der Samichlaus mit seinem Besuch eine Freude macht: «Das Freude bereiten ist das Schönste am Chlausen», erzählt der ehemalige «Gränchner Oberchlaus» Theo Heiri. «Und manch ein Vater, eine Mutter, das Grosi oder Grossvater hat ein Schmunzeln im Gesicht, wenn Versli aufgesagt und Musikstücke vorgetragen werden. Dann fühlt man sich in die eigene Kindheit zurückversetzt.»