Elisabeth Pfluger

Sagen und Geschichten – einmal quer durch den ganzen Kanton und der Aare entlang

Geschichten, Sagen und Sprüche über die Aare lassen sich an allen Orten des gesamten Wasserverlaufs durch den Kanton Solothurn finden, ebenso im Oberaargau oder bei Aarburg. Besonders aber auch in Pflugers Herkunftsregion, dem Gäu. Ein Buch über Geschichten rund um die Aare war für Elisabeth Pfluger aus deshalb eine Herzensangelegenheit. Hier die ganz der Natur überlassene Aare bei Altreu.

Mit «Der Aare noo» ist ein Buch aus dem Vermächtnis von Elisabeth Pfluger erschienen.

Das Buch «Der Aare noo» war eines der Herzensprojekte der 2018 verstorbenen Solothurner Sagensammlerin und Volkskundlerin Elisabeth Pfluger. Doch die Erscheinung des bereits geplanten Bandes konnte die Erzählerin nicht mehr miterleben: Im Mai 2018 verstarb sie im hohen Alter von 99 Jahren.

Doch das Buchkonzept lag vor, wie auch für weitere vier Bände, die bis Ende 2020 noch folgen werden. Denn kurz bevor Pfluger verstarb, hat sie noch mit der Fulenbacher Künstlerin und Verlegerin Claudia Brander diese Buchprojekte im Detail besprochen, konzipiert und redigiert. Es sind Bücher, in denen Sagen, Geschichten, Anekdoten, Gedichte und Sprüche jeweils unter einem Thema vereint sind. Begonnen wurde die Serie bereits zuvor mit den Titeln «Olten isch zmitts»; 2017 folgte «S Gäu, mis Gäu» und 2018 von «Wild und Jagd».

«Der Aare noo» gefiel Pfluger ganz besonders, weil Geschichten, Sagen und Sprüche über die Aare an allen Orten des gesamten Wasserverlaufs durch den Kanton Solothurn zu finden sind, ebenso im Oberaargau oder bei Aarburg. Besonders aber auch in Pflugers Herkunftsregion, dem Gäu.

In unterschiedlichen Dialekten

Das nun aus dem Nachlass erschienene Buch «Der Aare noo» startet mit Geschichten aus dem äussersten Westen des Kantons, aus Grenchen und Arch, gefolgt von Erzählungen aus Altreu, oder Altri, wie es in den Geschichten auch heisst. Es folgt Solothurn und damit der wichtige Handelsplatz für «charger pour Soleure».

Elisabeth Pfluger hat es immer verstanden, ihre Geschichten jeweils in derjenigen Mundart zu erzählen, in der sie ihr selbst erzählt worden sind.

Zu lesen sind die Geistergeschichten, Unglücks- und Hochwassergeschichten, die teilweise auch einem exakten Datum zugewiesen werden können, also immer im entsprechenden Dialekt der betreffenden Region. Um hier als Leser keine Schwierigkeiten zu haben, ist dem Buch ein Glossar mit den wichtigsten Ausdrücken zu finden. Jedem neuen Ortsabschnitt sind idyllische farbige Fotos der Verlegerin vorangestellt, und immer wieder lockern Sinnsprüche übers Wasser oder Kinderverse und Abzählreime ebenfalls passend zum Thema die Texte auf. Nach Episoden aus Flumenthal und Deitingen folgen solche aus Wangen an der Aare und Schwarzhäusern. Viele Geschichten gibt es aus Wolfwil, wo es beispielsweise 1881 zu einem tragischen Unglück kam, bei dem fünf junge Männer und ein Kind ertranken und vier aber gerettet werden konnten. Denn die Aare war damals wild – nicht wie heute bloss noch ein gezähmtes Naturschauspiel. Früher war sie als schneller und günstiger Handelsweg viel befahren. Wichtig waren die diversen Fährübergänge, denn Fähr- oder Fahrgeschichten wie eben auch jenes Unglück aus Wolfwil gibt es viele. Im Buch folgen die Orte Fulenbach, Boningen, dann das aargauische Aarburg und schliesslich Olten, Trimbach, Winznau und das Niederamt bis Schönenwerd.

Eine besonders eindrückliche Geschichte ist auch jene des Kenterns eines Oltner Märetschiffes im Winter des Jahres 1730. 26 Personen mit ihren Waren, die sie in Aarau hätten verkaufen wollen, fielen ins kalte Aarewasser – von Schwimmen sei damals noch keine Rede gewesen, schreibt Elisabeth Pfluger. 14 Personen konnten von herbeifahrenden Weidligfahrern gerettet werden, für 12 von ihnen kam jede Hilfe zu spät.

Elisabeth Pfluger «Der Aare noo», Fulenbach, Verlag Alte Chäserei. 264 S., Fr. 32.90; im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.

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