In Olten hat am Dienstagabend das Theaterprojekt 1918.CH nach 27 Aufführungen die Tore geschlossen. Mit 13'500 Besucherinnen und Besuchern an 27 Abenden war das Stück bis zur letzten Zusatzvorstellung vollständig ausverkauft. Mehr als 460 Spielerinnen und Spieler aus der ganzen Schweiz haben daran mitgewirkt und das Stück über den Landesstreik 1918 zu einem Grosserfolg gemacht. 1918.CH hat die kontroverse Erinnerung an die Ereignisse vor hundert Jahren neu aufgegriffen und die grösste Krise des schweizerischen Bundesstaates auf eine unbefangene Weise mit den Mitteln des Theaters für alle Bevölkerungskreise anschaulich und verständlich gemacht.

Fünf Jahre ist es her, dass die Regisseurin Liliana Heimberg dieses Projekt anpackte, ein künstlerisches Team zusammenstellte und gleichzeitig auf die Geldsuche ging. Ihr Gedanke: Wenn der Landesstreik von 1918 der gefährlichste und sozialpolitisch einer der wichtigsten Momente in der Geschichte der Schweizer Demokratie gewesen sei, dann müsse es doch hundert Jahre später möglich sein, über diesen Streik und seine unterschiedliche Einschätzung öffentlich nachzudenken. Man dürfe doch nicht in alten Tabus und alten Schuldzuweisungen verharren, sondern müsse die Sache neu diskutieren: Warum nicht auf spielerische Weise im Theater?

Was zu Beginn als ungeheures Wagnis erschien, wurde auf Initiative des Kantons Solothurn, mit der grosszügigen Unterstützung des Bundes und aller Kantone, mithilfe der Stadt Olten, der SBB sowie verschiedenen Stiftungen und Sponsoren schliesslich Realität.

Gleich nach der Premiere am 16. August war schliesslich klar: Das Projekt gelang, die Aufführungen gefielen Zuschauerinnen und Zuschauern verschiedenster Herkunft.

Nun beginnt der Abbau. Die Lastwagen fahren vor. Die Stimmen von 1918 sind verstummt, die Musik ist verhallt, die Choreografie ist nur noch eine Erinnerung, die Ausstellungsstücke verschwinden in den Archiven. 1918.CH ist selber ein historisches Ereignis geworden. (szr)