Littering ist zum geflügelten Wort geworden – und zu einem echten Problem. Ob auf öffentlichen Plätzen, im Bus oder in der Bahn: Das achtlose Wegwerfen oder Liegenlassen von Abfall scheint für manche ein wahrer Volkssport. Auch die Verkehrsbetriebe im Kanton Solothurn haben mit klebrigen Getränkedosen und zerfetzten Gratiszeitungen zu kämpfen.

Einige mehr, andere weniger. Mit Präventionskampagnen versuchen sie, ihre Fahrgäste zu sensibilisieren. Genauso wichtig sind aber, bestätigen Studien, sinnvolle Angebote zur Abfallentsorgung. Fest steht: Ein Allzweckmittel gibt es nicht, die Verkehrsbetriebe schwören auf unterschiedliche Systeme.

«Kübellose Busse» . . .

Seit Ende 2011 sind die Postautos in der Nordwestschweiz ohne Abfalleimer unterwegs. Mit Erfolg, berichtet Postauto-Sprecher Urs Bloch: «Die Abfallmenge in den Fahrzeugen ging deutlich zurück.» Die Reinigungskosten seien gesunken, Beanstandungen von Kunden ausgeblieben.

Mario Flury, der mit seinem Busunternehmen die Postauto-Linie auf den Balmberg betreibt, bestätigt die positiven Erfahrungen. «Weil die meisten Haltestellen über Abfalleimer verfügen, funktioniert das System gut», sagt er.

In den Bussen des BSU (Busbetrieb Solothurn und Umgebung) sind die Abfalleimer noch nicht ganz verschwunden. Einzig ältere Fahrzeuge verfügen über mehrere Abfalleimer; neue Busse haben nur noch einen Kübel vorne beim Fahrer. «Kübellose Busse» seien ein Trend in der Branche, sagt BSU-Sprecherin Christine Schulz. «Unsere Eimer waren häufig überfüllt und verstopft.»

Busse mit einem Kübel seien nicht verschmutzter als solche mit mehreren. Im Gegenteil: «Viele Fahrgäste nehmen ihren Müll mit nach draussen», freut sich Schulz. Die noch vorhandenen Abfalleimer werden von Reinigungsfachkräften täglich entleert, um grobe Verunreinigungen kümmern sich die Busfahrer während ihres Dienstes selbst.

. . . oder doch Abfalleimer?

Anders klingt es in Grenchen. «Wir werden nicht auf die Abfalleimer in den Bussen verzichten», beteuert Hans-Rudolf Zumstein. «Zumindest vorläufig», schiebt der Geschäftsführer des BGU (Busbetrieb Grenchen und Umgebung) nach. Er beobachte gespannt, wie sich das neue System in Solothurn etabliere. Auch beim BGU machen die Fahrer regelmässige Kontrollgänge in ihren Fahrzeugen.

Zumstein sagt, man müsse sich nichts vormachen: «Littering kann niemals komplett verhindert werden.» Sein Kollege Kurt Thommen, Fahrdienstleiter beim BOGG (Busbetrieb Olten Gösgen Gäu), sieht das gleich. «Nur weil die Reisenden ihren Abfall mit nach draussen nehmen», meint er, «ist noch nicht sicher, dass dieser in einem Kübel landet.» Sämtliche BOGG-Busse sind weiterhin mit Abfalleimern ausgestattet.

Am Bahnhof selbst entsorgen

Ähnlich bunt präsentiert sich die Abfallentsorgung bei den Bahnbetrieben. Die SBB und die OeBB (Oensingen-Balsthal-Bahn) setzen weiterhin auf Abfalleimer in allen Zugabteilen. «Das klappt gut», sagt OeBB-Geschäftsführer Heinz Kamber. Die Zugführer würden die Wagen laufend kontrollieren und volle Kübel entleeren.

Von Littering bleibt jedoch auch der kleine Betrieb nicht verschont: «Probleme haben wir vor allem am Bahnhof in Balsthal», erklärt Kamber.

Der RBS (Regionalverkehr Bern-Solothurn) und die ASM (Aare Seeland mobil) haben die Abfalleimer in ihren Zügen vor einigen Jahren abmontiert. Die Abteile in den RBS-Zügen und in der ASM-Bahn, im Volksmund «Bipperlisi», sind nun mit abreissbaren Müllbeuteln ausgestattet. Fahrgäste sollen in diesen ihren Abfall verstauen und – so will es das Konzept – am Bahnhof selbst entsorgen.

Das Regime habe sich bewährt, bilanziert Christine Schulz, die auch Sprecherin des RBS ist. «Die Beutel sehen weniger unappetitlich aus als Abfallkübel.» Werden diese aber tatsächlich mit nach draussen genommen? «Leider nicht immer», weiss Schulz. Das bestätigt auch ASM-Direktor Fredy Miller. Manchmal blieben die «Säckli» in den Zügen liegen, erzählt er.