Frostschäden
Rund 75 Prozent der Solothurner Kirschen sind erfroren – Ernteausfälle bedrohen Existenzen

Im Kanton Solothurn rechnen Obstbauern mit einem immensen Ernteausfall. Vor allem die Kirschen haben unter der Kälte gelitten. Bei ihnen ist ein Ausfall von rund 75 Prozent zu beklagen. Bei den Äpfeln und Birnen wird höchstens mit der Hälfte einer normalen Ernte gerechnet.

Lara Enggist
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Ursache und Wirkung: Frostschäden führen vielerorts zu massiven Ernteausfällen.

Ursache und Wirkung: Frostschäden führen vielerorts zu massiven Ernteausfällen.

Thomas Mathis

Der warme März liess die Obstbäume so früh blühen, wie seit Jahren nicht mehr. Doch genau als Äpfel und Kirschen in vollster Blütenpracht standen, kamen ende April die Minustemperaturen. Dies hat nun einen Ernteausfall zur Folge, wie ihn die Schweiz seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Kirschen, Äpfel, Zwetschgen und Erdbeeren, sie alle waren von dem plötzlichen Kälteeinbruch betroffen.

Erste Einschätzungen von Philipp Gut vom Bildungszentrum Wallierhof kurz nach den Frostnächten sahen bitter aus: «Im Kanton Solothurn rechnen wir mit einem Obst- und Beerenausfall von 50 bis 90 Prozent.» Genaue Prognosen waren so kurz nach dem Kälteeinbruch schwierig abzugeben.

Totalausfall bei Kirschen

Im Schwarzbubenland herrscht Ausnahmezustand. «Für die meisten Betriebe gibt es bei den Kirschen einen Totalausfall. So etwas habe ich noch nie erlebt», erzählt Obstbauer René Meier fassungslos. Einige Regionen kamen mit etwas weniger Frostschaden davon, doch diese werden laut Meier vermutlich mit der Essigfliege zu kämpfen haben. «Die Pflanzenschädlinge werden sich auf das wenige Obst stürzen, welches vorhanden ist.»

Auf der Südseite des Juras konnten einige Bauern ihre Obstblüten durch Frostschutzbewässerung schützen. Zudem bot die erste Jurakette einigen Obstbäumen Windschutz, was den Schaden etwas verringern konnte. Insgesamt rechnet man mit einem Kirschernteausfall von 75 Prozent, bei Äpfeln und Birnen mit der Hälfte der normalen Ernte. Da die Schäden sehr unterschiedlich ausgefallen und die Einschätzungen der Landwirte subjektiv seien, ist eine genaue Prognose nicht möglich, erklärt Philipp Gut.

Obstplantage aus Wangen bei Olten und Boningen in der Kälte
9 Bilder
Obstbauer Mathias Anderegg mit einem der drei Frostschutzgebläse in der Apfelplantage in Wangen bei Olten
Sind die Blüten einmal offen, sind sie nicht mehr geschützt gegen die Kälte
Michael Studer aus Boningen auf dem Erdbeerfeld. Die Früchte befinden sich teilweise unter Flies. Das Gewicht des Schnees drückt den Stoff nach unten und kann die Früchte verformen.
Eine Erdbeerpflanze im Schnee
Karin Studer-Stirnimann in einem der Treibhäuser

Obstplantage aus Wangen bei Olten und Boningen in der Kälte

Bruno Kissling

Wer hilft den Obstbauern?

Besonders bei Betrieben mit Obstbau als Haupterwerbszweig könnte der Ernteausfall Liquiditätsengpässe hervorrufen. «Im Kanton Solothurn rechne ich mit 10 bis 20 Betrieben, die in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten kommen werden», schätzt Philipp Gut die Lage ein. Bei der Landwirtschaftlichen Kreditkasse reagiert man dagegen pragmatischer. «Die Kasse ist voll» und man sei auf die Ernteausfälle vorbereitet, berichtet Andreas Schwab vom Solothurner Bauernverband. Konkrete Zahlen zu den verfügbaren finanziellen Mitteln werden jedoch nicht bekannt gegeben.

Für Landwirte in finanzieller Not bestehe die Möglichkeit, bei der Kreditkasse zinslose Darlehen oder Überbrückungskredite zu beantragen. Doch damit ist den meisten Betrieben laut Gut nicht wirklich geholfen. «Da der Schaden nicht überall gleich gross ist und nicht jeder Betrieb gleichermassen unter den Verlusten leidet, ist eine faire Aufteilung der finanziellen Unterstützung praktisch unmöglich», sagt er. Die Darlehenshöhe bemisst sich laut der Landwirtschaftlichen Kreditkasse nach der Notwendigkeit der Hilfe und der Tragbarkeit der Gesamtverschuldung.

Grundsätzlich müsste aber jeder Betrieb auf solche Engpässe vorbereitet sein und sich ein ganzes Jahr selber finanzieren können. Doch das scheint nicht bei allen Landwirten in der Region der Fall zu sein. Wichtig sei nun, dass die Pflanzenschutzmassnahmen trotz den Umständen nicht vernachlässigt werden.

Importobst wird Lücken füllen

Doch was bedeutet dieser Ausfall für die Konsumenten? Ist aufgrund der Umstände nun mit halb leeren Obstregalen zu rechnen? «Konsumenten werden davon nicht viel mitbekommen», dementiert Gut. Das sei ein Privileg reicher Länder. Die Preise sind hier so hoch, dass Grossverteiler das fehlende Obst ohne Probleme im Ausland erwerben können. Oft ist importiertes Obst für Grossverteiler ohnehin die kostengünstigere Variante, als das Obst bei Schweizer Bauern einzukaufen.

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