Fast immer sorgt die Zuwanderung von Wildtieren für politische Diskussionen und erhitzt die Gemüter – nicht so im Fall des Fischotters. Die Rückkehr des Raubtiers freut Biologen und ist ein Zeichen für das gesunde Ökosystem in der Schweiz.

Bis vor kurzem nahmen Fachleute noch an, dass die in der Schweiz oft verbauten und von Menschen stark frequentierten Gewässer eine Rückkehr des Fischotters verunmöglichen. Umso überraschender war es, als in den letzten Jahren immer wieder Fischotter in grenznahen Gebieten gesichtet wurden. Ende 2009 bei Domat/Ems in Graubünden, 2012 im Wallis, ebenfalls 2012 im Tessin, 2013 in der Leventina und 2014 in Genf. Kommt der Fischotter nun bald auch nach Solothurn?

Biologin und Wildtierexpertin Irene Weinberger, die beim Berner Umweltbüro Quadrapoda engagiert ist, erklärt: «Wann der Fischotter auch in Solothurn nachweisbar sein wird, kann nur schwer vorausgesagt werden. Überall wo genug Fische und Krebse vorhanden sind, könnte es in den nächsten Jahren theoretisch eine Ansiedlung geben. Die viel frequentierten Uferwege in Solothurn, die dem Fischotter Versteckmöglichkeiten rauben, erschweren zwar die Rückkehr, stehen ihr aber nicht gänzlich im Weg».

Hohe Ansprüche hat der Fischotter eigentlich nicht. Lediglich eine sich immer wieder regenerierende Futterquelle, saubere Gewässer und ruhebringende Unterschlupfmöglichkeiten braucht er, um sich ansiedeln zu können. Auf die Gewässergrösse kommt es ihm gar nicht gross an. So fühlt er sich in Bächen, Flüssen und Seen mit ausreichendem Futterangebot gleichermassen wohl.

Gezielt ausgerottet

«Die Fischotterpopulation in der Schweiz, wenn man das überhaupt schon so bezeichnen darf, steht noch ganz in den Anfängen. Momentan gibt es schätzungsweise zehn bis fünfzehn Exemplare, verteilt auf verschiedene Regionen der Schweiz. Wie sich die Population entwickeln wird, hängt auch davon ab, wie die bereits hier lebenden Tiere miteinander verwandt sind. Gibt es nicht genügend genetische Vielfalt, wird es mit der Ausbreitung schwer», sagt Weinberger.

Seit dem Jahr 1989 galt der Fischotter in der Schweiz als ausgestorben. Der bis zu 130 cm lange Marder stand ab Ende 19. Jahrhundert auf der Abschussliste der Behörden. 1888 war man zum Schluss gekommen, dass der Fischotter für die Fischerei schädlich sei und deshalb ausgerottet werden müsse. In der Folge wurde das Raubtier grossflächig gejagt und bis 1970 in wenige Gebiete der Schweiz abgedrängt.

Auch die Unterschutzstellung 1952 konnte nicht mehr verhindern, dass die Population zunehmend verschwand. Die 1952 noch übrigen Tiere lebten weit verstreut voneinander, und die Verbauung und Kanalisierung von Wasserläufen sowie die Verschmutzung der Gewässer nahmen den Fischottern ihren Lebensraum. Die Population war zum Zeitpunkt der Einführung der Schutzregelung bereits zu stark geschwächt, um sich noch erholen zu können. Die Fischotter verschwanden bis zur letzten Sichtung 1989 gänzlich.

Nach fast 30 Jahren darf man sich nun begründete Hoffnungen auf eine Rückkehr machen. Renaturierungen und die sauberen Gewässer spielen dem zu den Mardern gehörenden Raubtier in die Karten. Die Biodiversität werde durch den Neuankömmling nicht geschädigt.

Irene Weinberger: «Das biologische Gleichgewicht wird sich verschieben, so wie es auch bei der Ausrottung der Fischotter in die andere Richtung gerutscht ist. Ich bin der Ansicht, dass die Rückkehr grundsätzlich positiv für die Artenvielfalt ist und diese nur unterstützt werden kann.»