Tourismus
Route 66 der Schweiz macht einen Bogen um Solothurn

Auto- und Motorradfahrer können die Schweiz ab dem nächsten Jahr auf einer «Grand Tour of Switzerland» erkunden. Allerdings: Die Rundreise spart ausgerechnet den Kanton Solothurn grösstenteils aus.

Rahel Niccolet
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Auch die Region hätte Motorradfahrern auf einer Grand Tour einiges zu bieten, wie das Bild eines Harley-Treffens zeigt.

Auch die Region hätte Motorradfahrern auf einer Grand Tour einiges zu bieten, wie das Bild eines Harley-Treffens zeigt.

HRR

Die 1600 Kilometer lange Rundreise umfasst 19 Seen, fünf Alpenpässe und zehn UNESCO Weltkulturstätten. Die sehenswertesten Attraktionen der Schweiz seien abgedeckt, garantiert Jürg Schmid, Direktor der Marketingorganisation Schweiz Tourismus.

1600 Kilometer

Touring - also das Reisen mit dem eigenen Fahrzeug - ist beliebt: 19 Prozent aller weltweit Reisenden sind heute laut Oxford Economics Touring-Gäste. Zudem sei Touring die Reiseform, die mit zwölf Prozent Zunahme pro Jahr am schnellsten wächst, erklärt Schweiz Tourismus. Die Schweiz will auch von diesem Trend profitieren. Denn heute bereisen lediglich elf Prozent der Touristen die Schweiz auf einer Selbstfahrer-Tour. Dies obwohl gemäss Tourismus Monitor Schweiz 85 Prozent der Touristen individuell mit dem Auto oder dem Motorrad anreisen. Um Touring also auch in der Schweiz zu fördern, haben Schweiz Tourismus und der eigens gegründeten Verein Grand Tour of Switzerland «ganz nach dem Vorbild der bekannten Traumstrassen wie der Route 66 (USA) oder der Great Ocean Road (AUS) eine Schweizer Tour ins Leben gerufen: die Grand Tour of Switzerland». Diese signalisierte Route soll auf einer acht- bis zehn-tägigen Rundreise alle Highlights abdecken, die man laut Schweiz Tourismus gesehen haben sollte. «Beim Festlegen der Route ging es einzig und allein um touristische Attraktivität - und um eine möglichst beeindruckende und spektakuläre Strecke dazwischen.»

Zählt Solothurn als schönste Barrockstadt der Schweiz nicht zu diesen? Weshalb berücksichtigt die Selbstfahrer-Tour kaum eine derhiesigen Attraktionen - etwa die Solothurner Altstadt, den Weissenstein oder die Aarelandschaft der Witi?

Daniela Bär, Mediensprecherin von Schweiz Tourismus erklärt: «Eine Routenführung durch die ganze Schweiz, die alle Interessen zufrieden stellt, ist nicht realisierbar. Wenn wir alle Destinationen berücksichtigen müssten, käme ein solches touristisches Projekt gar nicht zustande.»

Bei der Routengestaltung sei auf die Balance zwischen ländlichem Raum und urbanen Zentren geachtet worden. «Die Routenführung bildet auch ein Gleichgewicht zwischen Highlights und Geheimtipps.»

Das Weinbaugebiet Lavaux im Kanton Waadt am Ufer des Genfersees.
6 Bilder
Der Rheinfall.
Die Route der Grand Tour of Switzerland.
Bellinzona
Brienzersee
1600 Kilometer quer durch die Schweiz: Grand Tour of Switzerland

Das Weinbaugebiet Lavaux im Kanton Waadt am Ufer des Genfersees.

Keystone

Obwohl nicht alle touristischen Höhepunkte der Schweiz abgedeckt werden konnten, ist Bär überzeugt, dass von der Grand Tour of Switzerland nicht nur Orte an der Route selbst profitieren, sondern auch Sehenswürdigkeiten in der Nähe. «So reichern wir die Route mit Ausflugstipps an; zu diesen zählen beispielsweise die Stadt Solothurn und das Museum für Musikautomaten in Seewen.»

Solothurn trotzdem zufrieden

Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus akzeptiert die gegebene Route, die Routenführung sei gut begründet. Der Kanton Solothurn werde in der Rundreise ausserdem nicht gänzlich vergessen: «Die Route verläuft ab Basel bei Mariastein und Kleinlützel auf einem kurzen, aber sehr attraktiven Teilstück durch unseren Kanton und umrundet diesen anschliessend im Jura bis Neuchâtel.»

Für das Schwarzbubenland biete sich damit ein direkter Anknüpfungspunk: Schwarzbubenland Tourismus könne mit attraktiven Angeboten auf die Sehenswürdigkeiten dieser Region aufmerksam machen und Gäste gewinnen. «Zudem sind die Stadt und Region Solothurn Teil der Destination Jura und Drei-Seen-Land und werden deshalb ebenfalls von der Grand Tour profitieren.»

Durchaus Zukunftspläne

Im ersten Jahr des Projektes liege der Fokus auf der Grand Tour of Switzerland. In einer zweiten Phase wird eine Vertiefung angestrebt - sei es thematisch oder mit sogenannten Subrouten: Ab 2016 bietet Schweiz Tourismus neben der Grand Tour regionale Routen an. So etwa eine Tour von Genf über das Wallis bis ins Tessin oder eine Fahrt vom Rheinfall ins Graubünden. «Hier besteht die Chance der Regionen und Destinationen, sich einzubringen», so Bär.

Diese Möglichkeit werde bereits wahrgenommen, erklärt Hofer: «Die Destination, welche von der Grand Tour stark tangiert wird, erarbeitet zurzeit eine kleinere Anschlusstour im Destinationsperimeter.»

Diese Anschlusstour umfasse unter anderem die wichtigsten Highlights der Stadt und Region Solothurn und des Naturparks Thal. Ziel sei, Gäste, die auf der Grand Tour unterwegs sind, dazu zu verführen, auf dieser Anschlusstour die Grossregion des Jura und Drei-Seen-Landes besser kennen zu lernen. «Wir sind also gefordert eine möglichst attraktive Tour zusammenzustellen, um die Gäste tatsächlich gewinnen zu können.»