Planspiele
Röstigraben ist dem Bund ziemlich egal

Obwohl die Bahnlinie Solothurn-Moutier zwei Landesteile verbindet, soll es vom Bund keine Sonderbehandlung geben. «Es gibt keine Rechtsgrundlage dafür», so der Mediensprecher vom Bundesamt für Verkehr.

Sven Altermatt
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Die Zukunft der Moutier-Bahn scheint derzeit mehr als ungewiss.

Die Zukunft der Moutier-Bahn scheint derzeit mehr als ungewiss.

Hanspeter Bärtschi

Es ist ein Argument, dass die Befürworter der Moutier-Bahn gerne und oft ins Feld führen: die staatspolitische Bedeutung dieser Bahnlinie. Der Solothurner Baudirektor Roland Fürst etwa, er spricht von einer «Brücke über den Röstigraben». Die Nationalräte Stefan Müller-Altermatt (CVP) und Bea Heim (SP) warnen davor, die Beziehungen über die Sprachgrenzen hinweg «bewusst zu verschlechtern». Und der Verkehrs-Club der Schweiz beschwört mit einer Petition an den Bundesrat die nationale Kohäsion. Innert kürzester Zeit seien bereits mehrere Hundert Unterschriften gesammelt worden, heisst es auf Anfrage.

Bloss: Es ist mehr als fraglich, ob das Bundesamt für Verkehr (BAV) staatspolitische Aspekte in seinen Überlegungen überhaupt berücksichtigt. Dazu verpflichtet ist es nicht, wie Mediensprecher Andreas Windlinger sagt: «Es gibt keine Rechtsgrundlage, die eine Sonderbehandlung für Bahnlinien ermöglichen würde, welche über Sprachgrenzen führen.» Immerhin dürften entsprechende Argumente den Druck subtil erhöhen, zumal der Widerstand gegen die Bahnschliessung ja auch im Berner Jura gross ist. Die Stadt Moutier wird bald erneut über ein Zusammengehen mit dem Kanton Jura abstimmen. Verliert der bisherige Hauptort des Berner Juras vorher noch seine Bahnlinie ins Mittelland, wäre das politisch ziemlich brisant. Kein Wunder, ist auch die Berner Baudirektorin Barbara Egger-Jenzer an einer unabhängigen Untersuchung interessiert, um die Sanierungskosten des Weissensteintunnels zu beziffern. 170 Millionen Franken betragen diese laut Bund.

Offiziell hat das BAV nicht viel Neues zu sagen. Immerhin soll die neue Seilbahn Weissenstein «bei allen Überlegungen und Abklärungen zur Zukunft der Bahnlinie Solothurn–Moutier berücksichtigt werden», so Sprecher Windlinger. Im Dezember werden die ersten Gondeln auf den Hausberg fahren. Wird die Moutier-Bahn stillgelegt, verliert die Talstation in Oberdorf ihren wichtigsten Zubringer.