Pferdemist
Rossbollen sind im Kanton Solothurn kein Littering

Nur wenn es in einem Gemeindereglement so festgehalten ist, sind im Kanton die «Rösseler» zum Wegräumen des Pferdemists im öffentlichen Raum verpflichtet.

Nadine Schmid
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Im Aargau strafbar – im Kanton Solothurn nur, wenn die Gemeinde eine entsprechende Regelung kennt.

Im Aargau strafbar – im Kanton Solothurn nur, wenn die Gemeinde eine entsprechende Regelung kennt.

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Man kennt das Bild: Auf der Strasse liegt Pferdemist und er wurde vom Pferdehalter nicht weggeräumt. Manch einer ärgert sich darüber, andere sehen achselzuckend darüber hinweg. Im Kanton Solothurn gibt es rund 3700 Tiere, die zur Pferdegattung gehören (Stand 2012), darunter fallen Esel, Pferde und Ponys. In dieser Zahl sind Tiere für landwirtschaftliche Nutzung und solche für Freizeitaktivitäten zusammengefasst. Vergleicht man mit dem Jahr 2000, hat die Anzahl zugenommen, damals wurden 3300 Tiere verzeichnet. Die Zunahme geht weitgehend auf das Konto der Reitpferde.

Im Nachbarkanton Aargau gelten Pferdeäpfel als Littering und sind reinigungspflichtig. Dort ist festgelegt, dass – wer den öffentlichen Raum verunreinigt – diesen wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen muss. Da auch Tierkot im Aargau zu den Verunreinigungen zählt, sind damit die Pferdeäpfel einbezogen. Hält man sich nicht an dieses Gesetz, kann man mit 50 bis zu 150 Franken gebüsst werden. Im Solothurnischen sieht es anders aus: «Grundsätzlich ist das Liegenlassen von Pferdemist im Kanton nicht strafbar», gibt Melanie Schmid, Pressesprecherin der Kantonspolizei Solothurn, Auskunft. «Ausser die betreffende Gemeinde legt es ausdrücklich mittels Reglement fest.» Der Grund: Pferdebollen seien zu hundert Prozent abbaubar und nicht umweltschädigend.

Einzelne Gemeinden werden aktiv

Manche Gemeinden im Kanton haben einen Vermerk zu den Pferdebollen in ihren Reglementen aufgenommen. Der konkrete «Leidensdruck» ist abhängig davon, wie zahlreich vor Ort die vierbeinigen Freizeitbeschäftigungen vertreten sind. So hat konkret Oensingen das Liegenlassen des Kots verboten: Wird er nicht weggeräumt, kümmern sich die Gemeindearbeiter um die Reinigung der betroffenen Quartier-strassen und Velowege. Kennt man die Identität des Pferdehalters, werden diesem die angefallenen Kosten postwendend in Rechnung gestellt.

Besonders im Leimental haben einige Gemeinden mit grösserer (Reit-)Pferdedichte eine Pferdesteuer eingeführt. Unter anderem sind dies Metzerlen-Mariastein (seit 1985) und Bättwil (seit 1997). Beide Gemeinden verlangen jährlich 150 Franken pro Reittier. Gerade in Bättwil sorgte diese Steuer immer mal wieder für Gesprächsstoff. Gemeindepräsident François Sandoz: «Die meisten Pferdehalter haben nichts gegen diese Steuer und zahlen sie problemlos. Es sind eher die Stallbesitzer, die nicht so erfreut sind, da sie die Steuer als geschäftsschädigend erachten.» Er sieht keine Probleme mit dieser Steuer, sie würde den Reinigungskosten der Gemeinde betreffend Pferdemist entgegenkommen. Sandoz vergleicht mit der Hundesteuer: «Die Pferdesteuer ist verhältnismässig weniger kostspielig. Und die Pferdebesitzer sind meist vermögend, da sie sich sonst gar kein Pferd leisten könnten.»

Die Gemeinde Erschwil hingegen findet keine zusätzliche Regelung nötig. Allerdings ruft man in Mitteilungsblättern, die an die Einwohner verschickt werden, die Pferdebesitzer dazu auf, die Bollen wegzuräumen. Auch Welschenrohr im hinteren Thal sieht von einer Regelung ab. «Wir wollen an die Vernunft der Pferdehalter appellieren», erklärt Gemeindepräsident Stefan Schneider. Der Gemeinderat hat in der Vergangenheit mehrmals das Thema besprochen. Für Schneider käme eine Regelung erst dann infrage, wenn die Absprache mit den betreffenden Besitzern gar nichts nütze. «Es ist nicht das Ziel, den Pferdehaltern ihr Hobby oder ihre berufliche Tätigkeit zu vermiesen.»

Absteigen und einsammeln ...

Der Besitzer der Pferdepension Dulliken, Christian Wittmer, würde – wie in Welschenrohr geschehen – an die Vernunft appellieren: «Ich heisse das Liegenlassen von Pferdemist nicht gut, aber ich bin grundsätzlich gegen Verbote», erklärt er. Man könne also nur den Kontakt mit den Pferdehaltern suchen und sie darauf hinweisen, den Mist wegzuräumen. «Wie in allen Bereichen gibt es aber auch hier Menschen, mit denen es sich nicht reden lässt», räumt er ein.

Monika Friesecke, die in Matzendorf einen grösseren Reitstall betreibt, räumt die Pferdebollen auf der Strasse des Hofs geflissentlich weg. Egal ob der Kot von ihren Pferden oder von anderen stammt, denn das gehöre sich so. «Wenn wir ausreiten und die Örtlichkeit nicht zu weit entfernt ist, fahren wir nach dem Ausritt natürlich zurück und putzen», beschreibt Friesecke. Doch für sie gibt es eine Grenze. «Man kann es mit den Reklamationen auch übertreiben. Wenn mein Pferd in einem Dorf, das dreissig Minuten vom Hof entfernt ist, einen einzigen Bollen fallen lässt, fahre ich später nicht noch zurück, um zu reinigen», erklärt sie. Die Bollen seien schliesslich ungefährlich und es gäbe viel gravierendere Abfälle. «Es geht ja auch niemand den Vogeldreck und die durch Abgase dreckigen Strassen mit Lappen putzen», vergleicht Friesecke.

Christian Wittmer wiederum plädiert dafür, als Reiterin oder Reiter auf jeden Fall für saubere Strassen und Wege zu sorgen. «Man kann ja schnell vom Pferd steigen und die Pferdebollen mit einer Plastiktüte gleich entsorgen – oder auf Feldwegen kann man sie auf die Wiese schieben», wo sie dann erst noch als Dünger dienen könnten.