Romano Mombelli hat sich selber hohe Ziele gesteckt. Der Solothurner Extremsportler will das Projekt «oceans seven», den «Ironman für Freiwasserschwimmer» absolvieren. Sieben Kanäle auf der ganzen Welt will er durchschwimmen, in Hawaii, Neuseeland oder Japan. 2015 durchquerte er bereits erfolgreich die Strasse von Gibraltar und konnte einen ersten Teil des Projekts abhaken. Später scheiterte er jedoch in Hawaii an giftigen Quallen.

Nun steht der nächste Schritt an: Der Extremsportler will den Ärmelkanal von Dover nach Calais überqueren. Anfang Oktober soll dieses Abenteuer über die Bühne gehen. Zur Vorbereitung ist Mombelli unter anderem ins Bündnerland gefahren. «Wegen dem warmen Frühling und Sommer bisher haben wir vielerorts Wassertemperaturen um die 20 Grad. Das ist schön für die Meisten, für mich jedoch nicht.» Denn im Ärmelkanal werden ihn Temperaturen um die 15 Grad erwarten. Deshalb flüchtete Mombelli letzte Woche in die kalten Bündner Bergseen.

Sechs Seen in vier Tagen

In vier Tagen hat er sechs Bergseen je zweimal überquert. Er trotze dabei Wassertemperaturen von gerade mal elf Grad und wurde mit dem majestätischen Ambiente der Bündner Berglandschaft belohnt. Folgende Seen hat er jeweils zweifach durchquert: Den Marmorerasee, den Silsersee, den Silvaplanersee, den St. Moritzersee, den Lej suot da Silvaplauna und den Champfèrersee.

«Alles ist relativ gut und einfach verlaufen», so Mombelli. «Wir wussten, was uns erwartet, und es lief wie geplant.» Einzig bei der Überquerung des Silsersees musste er einen kurzen Stop einlegen, weil er mit Übelkeit zu kämpfen hatte.

Der Ärmelkanal wird ihn bis aufs Letzte herausfordern: Starke Meeres- und Gezeitenströmungen, Winde und unregelmässiger Wellengang sowie eisige Wassertemperaturen von 15 Grad und eine Schwimmdistanz von 40 bis 50 Kilometern erwarten ihn.

Um sich auf diese Gegebenheiten vorzubereiten, wird Mombelli noch ins Trainingslager nach Jersey fliegen. Dort wird er sich direkt im Ärmelkanal vorbereiten können. Damit er sich an den Wellengang und die Gezeiten gewöhnen kann. «Ich bin sehr zuversichtlich für die Durchquerung. Zuversicht ist aber auch das A und O. Wenn man Zweifel oder Angst hat, ist das Vorhaben zum Scheitern verurteilt.»

«Allei machi gar nüt»

Hinter Mombellis Traum steht ein ganzes Projektteam. «Ansonsten würde gar nichts gehen.» Beim gesamten Projekt der «oceans seven» erhält er Unterstützung: Beim Kontakt mit den Sponsoren, beim Training, beim Papierkram, bei der Organisation von Transport, Verpflegung und Unterkunft und nicht zuletzt beim Kontakt mit den verantwortlichen «Skippern», die ihn jeweils sicher über den jeweiligen Kanal lenken sollen. Sogar eine PR-Verantwortliche hat er sich zugelegt: Eine Freundin aus dem Studium übernimmt dies für ihn. «Ich kann mich auf meine Kernkompetenz konzentrieren: Das Schwimmen.»

Nebst all den Strapazen ist Mombelli auch ein ganz normaler Student. In Bern hat er soeben das vierte Semester Germanistik abgeschlossen. «Während dem Semester trainiere ich etwas weniger. Nur noch fünf oder sechs mal pro Woche.» Er nutzt die Wochenenden, Feiertage oder Unterrichtsfreie Tage, um stundenlang Länge um Länge zurückzulegen. Und in den Semesterferien gibt er dann vollgas. Nebst dem geplanten Trainingslager in Jersey trainiert er momentan in Solothurn ein bis zwei mal täglich im Schwimmbad. «Es werden wohl noch einige Projekte im Freien dazu kommen. Konkret geplant ist aber noch nichts.»

Und trotz all diesem Engagement plant er, sein Bachelorstudium wie alle anderen auch in sechs oder spätestens sieben Semester zu beenden. «In einem Fach bin ich leicht im Verzug. Ansonsten bin ich auf Kurs.»

Um das Projekt überhaupt realisieren zu können, sucht Mombelli noch Sponsoren. 12'000 Franken kostet das Abenteuer Ärmelkanal insgesamt. Rund ein Viertel des Geldes kam bisher zusammen.

Mehr Informationen zum Projekt und der Person gibt es hier.