Rolf Kislling folgt auf Roland Fürst, der vor Jahresfrist nach seiner Wahl in den Regierungsrat zurückgetreten war.

Bankenwelt nicht fremd

Er habe bei der Anfrage, das Präsidium des Bankenverbandes zu übernehmen, nicht lange überlegen müssen, erklärte Kissling nach seiner Wahl. Er sei zwar bislang für Raiffeisen nicht tätig gewesen, aber manchmal sei es auch positiv, unbelastet ein neues Amt anzutreten. Die Bankenwelt sei ihm aber nicht fremd. Nach seinem Studium habe er mehrere Jahre bei Banken gearbeitet und als selbstständiger Rechtsanwalt und Notar stehe er in Kontakt mit der Branche. Raiffeisen pflege eine auf Privatpersonen und KMU ausgerichtete Geschäftspolitik mit ausgesprochener Kundennähe. «Raffeisen ist authentisch mit persönlichem Bezug zum Kunden», sagte der 54-jährige Gemeindepräsident von Neuendorf. Er freue sich mitzuarbeiten, um die Bankengruppe erfolgreich weiterzuentwickeln. Kissling ist kein Unbekannter in Politik und Wirtschaft. Für die FDP sass er von 1993 bis 2001 im Kantonsrat und bis im vergangenen Jahr präsidierte er während 15 Jahren den Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband.

Ebenfalls einstimmig gewählt wurde Rebecca Baumann (Raiffeisenbank Wasseramt Mitte, Derendingen) in den Vorstand des Verbandes, dort zuständig für den Bereich Marketing. Sie ersetzt Deliah Kyburz, die auf die Generalversammlung hin demissionierte.

Bankengruppe mit «gutem Ruf»

Bruno Studer, der als Vizepräsident den Verband vorübergehend führte, erläuterte kurz die Geschäftsentwicklung 2013 der 20 angeschlossenen Solothurner Raiffeisenbanken. Trotz erneut gesunkener Zinsmarge sei es gelungen, den Zinserfolg zu steigern. Und dank eines tieferen Geschäftsaufwandes sei der Bruttogewinn um hohe 10,8 Prozent auf 54,4 Millionen Franken gestiegen (wir berichteten). Das Vertrauen in die Bank habe sich in der Zunahme der Genossenschafter um 1100 auf 112 000 Mitglieder gezeigt.

Dem Bankenverbund attestierten denn auch Stadtpräsident Kurt Fluri und Regierungsrätin Esther Gassler in ihren Grussbotschaften «einen verdientermassen guten Ruf»; dieser helfe mit, das angeschlagene Image des Bankenplatzes Schweiz zu stützen. Beide unterstrichen die volkswirtschaftliche Bedeutung der Raiffeisen, sowohl für die Schweiz wie auch für den Kanton Solothurn. «Raiffeisen ist ein wichtiger Arbeitgeber mit vielen hoch qualifizierten Arbeitsplätzen», sagte Gassler.

Softlanding im Immomarkt

Entwarnung für den Immobiliensektor gab Marcel Zoller, Mitglied der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz, in seinem Gastreferat. «Wir erwarten ein Softlanding und kein Platzen der Preisblase.» Er sehe keine Überkapazitäten im Wohneigentumsmarkt und die Preise würden sich bei anhaltender Nachfrage moderat abflachen. Andererseits werde es für die Raiffeisengruppe hart werden, das Wachstum auf Stufe Bruttogewinn weiter zu steigern. «Die Zinsmarge ist mit 1,25 Prozent tief und auf der Passivseite sind die Zinsen am Boden angelangt», sagte Zoller. So liege man beim Bruttogewinn im ersten Quartal in etwa auf Vorjahreshöhe. 2013 erwirtschaftete Raiffeisen mit
1,1 Milliarden Franken den höchsten Bruttogewinn in ihrer Geschichte.