An der Wandtafel im Schulzimmer von Roland Heim steht kurz und prägnant, wie die Grundlagen eines privatrechtlichen Vertrags aussehen. «Ich arbeite auch nach 30 Jahren mit unverminderter Freude als Lehrer», sagt der 57-Jährige und legt seine Lehrbücher aufs Pult.

Warum will er denn seinen Job an der Kantonsschule Solothurn aufgeben und Regierungsrat werden? «Es reizt mich, nach 20 Jahren im Kantonsrat nicht nur einfach Ja oder Nein zu einer Regierungsvorlage sagen zu können, sondern selber mitzugestalten. Der Kanton liegt mir nämlich sehr am Herzen.» Ausserdem seien nun seine Kinder erwachsen, weshalb das zeitintensive Amt als Regierungsrat infrage kommt. Eins ist klar: Schafft Roland Heim den Sprung in den Regierungsrat, macht er manche seiner Schüler unglücklich. Er gilt als sehr beliebter Lehrer.

«Ich kann mich nicht einschätzen», sagt Heim, angesprochen auf seine Chancen, gewählt zu werden. Zwar hat er sich in den letzten zehn Jahren als Chef der CVP/EVP/GLP-Kantonsratsfraktion einen Namen gemacht und ist eine auch von politischen Gegnern geschätzte Persönlichkeit; in der breiten Bevölkerung nimmt aber sein Bekanntheitsgrad ab, je weiter man die Region Solothurn verlässt.

Politisch genau in der Mitte

Roland Heim ist in Solothurn geboren und lebt noch immer in Solothurn. Er ist in einer CVP-Familie aufgewachsen und ist noch immer bei der CVP. Sein 92-jähriger Vater, bis 1981 Direktor bei der Uhrenfabrik Roamer, war auch mal Nationalratskandidat und Bürgerammann. «Am Mittagstisch wurde viel diskutiert. Es gab teilweise hitzige Diskussionen, zum Beispiel zum Frauenstimmrecht», erinnert sich Heim. «Mein Vater war damals sehr konservativ. Meine Brüder und ich waren progressiver.» Mit der Zeit glichen sich die Positionen von ihm und seinem Vater an.

Heute positioniert sich Roland Heim auf einer Links-Rechts-Skala von 0 bis 10 genau in der Mitte. Wenn es um die Sozialpolitik geht, stehe er leicht links der Mitte. «Der Status quo unseres Sozialstaats muss erhalten, aber dessen Missbrauch bekämpft werden.» Geht es um Sicherheitspolitik, sieht sich Heim rechts der Mitte: «Im Asylbereich muss etwas gehen.» Im Kantonsrat wiederum zählt der Fraktionschef - er bezeichnet sich als wertkonservativ - eher zum rechten Flügel der Partei.

Deshalb sagt er: «Die Gefahr besteht nicht, dass mit meiner Wahl eine Linksregierung entstehen könnte.» Er ist offen für alle Departemente, aber von den drei frei werdenden reizt Heim das Finanzdepartement. Er ist sich bewusst, dass dem neuen Finanzdirektor harte Zeiten bevorstehen. «Die Finanzen würden mir liegen, auch von der Ausbildung her.»

Warum Roland Heim (CVP) Regierungsrat werden möchte

Warum Roland Heim (CVP) Regierungsrat werden möchte

Im St. Galler Studentenparlament

Roland Heim hat Wirtschaft studiert. «Für mich war sehr früh klar, dass ich nach der Handelsmatur in Solothurn nach St. Gallen an die HSG will.» Die Arbeit seines Vaters in der Privatwirtschaft habe ihn immer interessiert. Während des Studiums begann auch Heims Politikkarriere. Er politisierte aktiv im Studentenparlament und wurde 1981 als 26-Jähriger in den Solothurner Verfassungsrat gewählt. Für ihn war von Anfang an klar, dass er bei der CVP mitmacht. «Es war für mich bereits damals die Partei, in der man die eigene Meinung behalten kann.»

Nach zwei erfolglosen Versuchen wurde Heim 1993 in den Kantonsrat gewählt. Seit 2004 präsidiert er die CVP/EVP/GLP-Fraktion. Von der EVP, dem kleinsten Fraktionspartner, wurde Heim jüngst für seine integrative Art gelobt. Konsens herstellen, das wäre etwas, was er auch in die Regierung einbringen könnte, ist Heim überzeugt. «Es reizt mich, mit den anderen Regierungsräten zusammen nach Lösungen zu suchen.»

Er könne aber auch seine Meinung klar und deutlich sagen, warnt Heim. Und seine Schwächen? «Das müssten Sie meine Frau fragen.» Roland Heim hat 1984 geheiratet. Seine Frau Jacqueline brachte aus erster Ehe zwei Kinder (Simone und Christoph) mit. 1986 wurde die erste gemeinsame Tochter Jasmin geboren (sie politisiert heute in der Jungen CVP), das vierte Kind, Anja, kam 1989 mit einer schweren Behinderung zur Welt. «Wir haben die Kleine gehegt und gepflegt, 24 Stunden am Tag.» Nach eineinhalb Jahren starb sie. «Diese Zeit hat unsere Familie stark geprägt.»

Auftritte mit der Gitarre

Roland Heim ist ein Familienmensch - und ein passionierter Läufer. «Seit 1981 habe ich noch jeden Murtenlauf mitgemacht.» Ausserdem ist der 57-Jährige aktiver Tambour und einem breiteren Publikum als Liedermacher bekannt.

Seit den Kleinkunsttagen 2008 im «Kofmehl» hat er mehrere Auftritte pro Jahr. «Ich plane seither, eine CD aufzunehmen. Ich habe aber nie Zeit dazu gefunden.» Vielleicht muss Roland Heim sein Projekt nochmals mehrere Jahre hinausschieben. Denn, wird er gewählt, will er acht Jahre im Regierungsrat bleiben.

BEREITS ERSCHIENEN Esther Gassler (FDP), 23.1.