Viel Tageslicht zeichnet die Räumlichkeiten der Solothurner Handelskammer an der Grabackerstrasse in Solothurn aus. USM-Möbel sind Standard. Das grosse Büro von Roland Fürst schmücken einige Kunstwerke von Jean Mauboulès. «Sie gehören aber nicht mir», sagt der 51-Jährige. Er könne sich lediglich hin und wieder ein Werk für sein Büro auslehnen, da der Künstler im Handelskammer-Gebäude sein Lager habe. Um Kunst fühle er sich wohl. Ebenso um seine neun Mitarbeiter, mit denen er als Direktor die Interessen von rund 520 Firmen vertritt. «Ein spannender Job», sagt Fürst. Warum denn will er diesen nach sieben Jahren aufgeben? «Mir bedeutet der Kanton mit seinen Regionen viel und ich möchte mich für das Wohl der Bevölkerung einsetzen», so Fürst. Einst sei der Kanton Solothurn der viertstärkste Wirtschaftskanton der Schweiz gewesen. Heute liege er auf Platz 13. «Ziel muss es sein, den Anschluss an die Spitze wieder zu schaffen.» Fürst setzt sich aber nicht bloss für eine freie, sondern auch für eine umwelt- und sozialverträgliche Marktwirtschaft ein.

Fürst betont, Verantwortung übernehmen zu wollen. «Es braucht das richtige Augenmass», nimmt er seinen Wahlkampfslogan auf. Und: «Ich will Probleme lösen, nicht wälzen. Der Kanton soll nicht einfach verwaltet, sondern vorwärtsgebracht werden.» Als Regierungsrat wolle er sich für einen gesunden Staatshaushalt ohne Steuererhöhungen, optimale Rahmenbedingungen, um Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen, sowie mehr Spielraum und Kompetenzen für die Gemeinden stark machen. Das alles könnte er vorab als Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes. Nur: Dieses führt Esther Gassler, die sich am 3. März zur Wiederwahl stellt. Reizen würden Fürst aber auch die beiden freiwerdenden Departemente Finanzen oder Bau- und Justiz.

Die CVP als politische Familie

Roland Fürst ist in Olten geboren und wuchs zusammen mit zwei Schwestern in Gunzgen auf. Nach der Matur an der Kantonsschule in Olten 1981 begann er ein Biologie-Studium an der Uni Basel, das er 1987 abschloss. «Politisiert wurde ich durch meinen Vater, der für die CVP auf Gemeindeebene diverse Ämter innehatte. Politik war so oft Thema am Familientisch», so Fürst. Er selbst hat die klassische politische Ochsentour absolviert. Während 14 Jahren war er Gemeindepräsident von Gunzgen, bevor er 2005 in den Kantonsrat gewählt wurde. 2007 kandidierte er für den Nationalrat, 2009 für den Ständerat. Beide Male machte er gute Resultate. Begleitet wird der Werdegang von einigen Verwaltungsratsmandaten und Mitgliedschaften, die dem Direktor der Handelskammer vor allem im unteren Kantonsteil zu einem hohen Bekanntheitsgrad verholfen haben.

Warum Roland Fürst (CVP) Regierungsrat werden möchte

Warum Roland Fürst (CVP) Regierungsrat werden möchte

Weshalb CVP? «In ihr finde ich mich wieder. Sie lässt verschiedene Meinungen zu.» Fürst ist auch dezidiert der Meinung, dass es Rechts- und Linksparteien brauche. «Ich sehe deren Positionen oft als Anregungen. Für nachhaltige Lösungen braucht es aber die Mitte.» .Dies gelte zum Beispiel auch für die energiepolitischen Diskussionen. Nachdem die eidgenössischen Räte die Energiewende beschlossen und eine Energiestrategie 2050 in Entstehung ist, sei es jetzt wichtig, nicht mit unverantwortlichen Experimenten die funktionierende Versorgung abzubrechen, bevor die neue aufgebaut ist. Die Sicherheit der Energie-Versorgung und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz müsse gewährleistet sein. Die Förderung alternativer Energien unterstützt Fürst.

Real und virtuell vernetzt

Roland Fürst ist ein stiller Schaffer. Es liegt ihm nicht, grosses Aufheben um seine Person zu machen, weder um sich als Berufsmann und schon gar nicht als Politiker. Seine Funktion in der Handelskammer bringt es mit sich, dass er enorm gut vernetzt ist. Seine Leidenschaft zur Informatik wiederum, dass er auch im Internet gut vernetzt ist. Social media nutzt er nicht wie manch ein Politiker erst, seit er im Wahlkampf steht. Er wolle auch ständig auf dem neusten Stand der Technik sein. Seine Affinität kommt nicht von ungefähr. Nach dem Studium war Fürst 15 Jahre im Informatikbereich tätig, zuletzt als Geschäftsführer des grössten Informatikverbandes der Schweiz. Seinen Schritt in die Handelskammer respektive Wirtschaftsförderung begründet er damit, dass «eine gut funktionierende Wirtschaft die Grundlage dafür ist, dass es uns gut geht.»

Fotografie als grosse Leidenschaft

Aufgewachsen in Gunzgen, kehrte Fürst nach seinem Studium und einem sechsjährigen Abstecher nach Rickenbach Anfang der 90er-Jahre zu seinen Wurzeln in Gunzgen zurück. Zusammen mit seiner Frau Gabriela, den beiden Töchter Michelle (22) und Flavia (18) wohnt er im eigenen Haus samt Garten. «Meine Familie ist mir sehr wichtig, Sie gibt mir Rückhalt. Ohne ihr Einverständnis hätte ich auch nicht kandidiert», so Fürst. Die Wochenenden verbringt er denn auch am liebsten daheim. Neben Filmmusik und Informatik begeistert Fürst die Fotografie. An Wochenenden unternimmt er oft lange Spaziergänge. Mit dabei: Familienhund Honey und seine Kamera, eine Canon EOS 5D Mark II. «Die Schönheit unseres Kantons fotografisch einzufangen ist eine meiner ganz grossen Leidenschaften!» Mit eigenen Fotos von Landschaften hat Fürst übrigens auch seinen Wahlkampf illustriert, wie ein Blick auf seine Website zeigt.

Bereits erschienen: Esther Gassler (FDP), 23.1.; Roland Heim (CVP), 26.1.; Andreas Bühlmann (SP), 28.1.; Brigit Wyss (Grüne), 30.1.; Peter Gomm (SP), 2.2.