Die dringend nötige Sanierung des über 100-jährigen Weissensteintunnels ist mit hohen Kosten für den Bund verbunden. Das macht gerade auch die publizierte Studie überdeutlich, die im Auftrag der beiden Kantone Solothurn und Bern sowie des Bundesamts für Verkehr erarbeitet worden ist.

Soll der Weissensteintunnel und damit die Bahnstrecke von Solothurn nach Moutier auch in den nächsten Jahrzehnten noch bestehen, dann fallen für den Bund Investitionskosten von total 300 Mio. Franken an.

Die Sanierung des Weissensteintunnels alleine kommt dabei auf rund 170 Mio. Franken zu stehen.

Neben der Tunnelsanierung stehen eine Reihe weiterer Investitionen an, so müssen zum Beispiel die Haltestellen in den nächsten Jahren behindertenkonform ausgebaut werden.

Busbetrieb kostet 25 Mio. Franken

Bei derart hohen Kosten ist der Bund verpflichtet, eine «Wirtschaftlichkeitsprüfung» durchzuführen, das heisst, er muss mögliche Alternativen prüfen.

Vor allem deshalb, weil der Kostendeckungsgrad der Solothurn-Moutier-Bahn unter 30 Prozent liegt – jedenfalls derzeit noch.

In den nächsten Jahren dürften die Frequenzen aufgrund der Neueröffnung der Gondelbahn wieder weiter steigen. Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitsprüfung liegen jetzt vor.

Dabei werden mehrere Varianten mit einer Tunnelsanierung solchen mit einer Schliessung des Tunnels gegenübergestellt.

Im Fall einer Tunnelschliessung kommen Busse zum Einsatz. Ein solcher Busbetrieb hätte bedeutend geringer Investitionen zur Folge. Bei der kompletten Umstellung auf Busse beziffert die Studie die Kosten auf 25 Mio. Franken.

Trotz der bedeutend höheren Kosten für eine Sanierung zieht die Solothurner Regierung ein klares Fazit aus der Prüfung der Varianten: «Für uns kommt nur eine Tunnelsanierung infrage,» sagte gestern Bau- und Justizdirektor Roland Fürst gegenüber dieser Zeitung.

Der Grund: Die Umstellung auf einen Busbetrieb würde, so Fürst, die Angebotsqualität massiv verschlechtern. So müssten namentlich die Bewohnerinnen und Bewohner aus dem westlichen Thal bedeutend längere Fahrzeiten in Kauf nehmen, um in die Region Solothurn zu gelangen.

Damit sind natürlich auch höhere Kosten für das öV-Billett verbunden. Da keine Strassenverbindung zwischen Gänsbrunnen und Solothurn besteht, sind die Busse nämlich gezwungen, einen entsprechend grossen Umweg über Oensingen zu machen.

Letztlich eine politische Frage

Auch die Studie kommt zum Schluss, dass die «Beibehaltung der heutigen Angebotsqualität nur durch den Weiterbetrieb des Weissensteintunnels möglich ist». Die Aufrechterhaltung des Bahnbetriebs habe aber eben auch ihren Preis. Die Untersuchung der Varianten legt damit das Spannungsfeld offen zwischen dem wirtschaftlich günstigeren Busangebot und dem teureren Bahnbetrieb, der aber für alle öV-Nutzer eine bessere Qualität bedeutet.

Roland Fürst und die Verfasser der Studie weisen etwa darauf hin, dass sich eine Erhaltung des Bahnbetriebs auch positiv auf die Entwicklung der Tourismusregion Weissenstein auswirken wird. Der Bahnbetrieb schneidet ausser bei der «Wirtschaftlichkeit» bei allen anderen untersuchten Kriterien besser ab als ein Busbetrieb, neben der «Angebotsqualität» auch bei den Kriterien «Umwelt», «Sicherheit» und «Standortattraktivität».

Die Entscheidung für oder gegen eine Sanierung des Weissensteintunnels sei letztlich eine politische Frage, betonte gestern Roland Fürst. Für ihn und die Gesamtregierung komme es dabei nicht infrage, dass infolge einer Schliessung des Tunnels eine ganze Region – das westliche Thal – verkehrstechnisch einfach abgeschnitten werde.

In den Kantonen Solothurn und Bern startet jetzt ein Mitwirkungsverfahren, bei dem bis zum 8. April unter anderem alle betroffenen Gemeinden und eine Reihe von Verbänden Stellung nehmen können.

Bis zum Sommer werden die Kantone Bern und Solothurn dann ihre offiziellen Stellungnahmen zuhanden des Bundesamtes für Verkehr (BAV) abgeben. Diese fliessen dort in den Entscheidungsprozess ein. Der Entscheid für oder gegen eine Tunnelsanierung wird gegen Ende Jahr erwartet. 

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