Herr Borer, ein Viertel der SVP-Mitglieder an der Nominationsversammlung hat gegen Sie gestimmt. Ist Ihnen das nicht peinlich?

Roland F. Borer: Peinlich wäre es mir, wenn ich nicht wüsste, was hinter dieser Übung steckt – zum Teil persönliche Gründe. Mit Telefonaktionen kurz vor der Versammlung wurde versucht, Leute zum Mitmachen aufzufordern. Ich bin darum eher froh und stolz, dass drei Viertel sich nicht daran beteiligt haben.

Wer steckt denn dahinter?

Ich möchte keine Namen nennen.

Mit Verweis auf Ihre 24 Jahre im Nationalrat wird Ihnen Sesselkleberei vorgeworfen. Haben Sie dafür Verständnis?

Ich hätte Verständnis, wenn ich in Bern nichts gemacht hätte. Fakt ist: Nicht ich sagte, ich wolle nochmals kandidieren, sondern die Schweizer Mutterpartei und die Parteileitung der SVP Solothurn kamen auf mich zu. Anlass waren die Rahmenbedingungen: Der Kanton Solothurn hat einen Sitz weniger, alle andern Bisherigen treten wieder an, und unser Stimmenvorsprung auf die Listengruppe der CVP vor vier Jahren war minimal.

Es heisst, vor den Wahlen von 2011 hätten Sie mit der Parteileitung abgemacht, während der Legislaturperiode zurückzutreten.

Es ist richtig, das wurde damals besprochen. Aber dann kamen eine Strafuntersuchung, ein Gerichtsurteil und persönliche Gründe, die zur Folge hatten, dass ich klare Aussagen erhielt mit dem Inhalt «Du musst bleiben».

Wie ist es diesmal? Werden Sie das Mandat vorzeitig freigeben, wenn Sie wiedergewählt werden?

Das wurde nicht besprochen. Aber die Frage «was mache ich, wenn ...» muss sich jeder stellen. In der SVP-Fraktion in Bern haben zum Beispiel Peter Spuhler oder auch Walter Frey ihren Sitz während der Amtsperiode geräumt. Ich mache dazu heute keine Aussage.

Bezüglich Ihres Einkaufs in Lörrach sprechen Sie von einer Kampagne und von «illegalen Bildern». Warum?

Es kann kein Zufall sein, dass diese Bilder kurz vor der Nomination in der Presse auftauchten. Sie sind über ein Jahr alt, und sie zeigen mich zusammen mit einem befreundeten Gewerbler. Auf dessen Geschäft tätigten wir den Einkauf. Solche Bilder im privaten Rahmen zu machen und diese ohne meine Einwilligung zu veröffentlichen, ist illegal. Wenn ich wüsste, wer das zu verantworten hat, würde ich Strafanzeige einreichen. Eine Kampagne ist es, weil die Journalisten wissentlich Äpfel und Birnen vermischen: Mein Vorstoss verlangt nur, dass Einkaufstouristen wie im Inland die Mehrwertsteuer zahlen müssen – und für jenen Einkauf wurde die Mehrwertsteuer bezahlt. Man will mich gar nicht verstehen und hält die Sache trotzdem am Kochen. Das ist schmutzig und unfair – aber ich bin nicht der Einzige, den es trifft.