Wenn am St.-Ursen-Tag, am kommenden Dienstag, 30. September, Männer in elfenbeinfarbenem Ordensmantel mit dem roten Jerusalemkreuz und Damen in schwarzer Ordenstracht mit Schleier in einer Prozession in die St.-Ursen-Kathedrale schreiten, werden sie verwunderte Blicke auf sich ziehen. Doch trotz solcher Insignien haben die Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem der Komturei Solothurn nichts mit jenen Geheimgesellschaften oder Verschwörungstheorien zu tun, wie sie beispielsweise Dan Brown in den Bestsellern «Illuminati» oder dem «Da Vinci Code» beschreibt. Tatsache ist aber, dass der Orden der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem neben dem Malteserorden der einzige Ritterorden ist, der noch aktiv wirkt und überlebt hat. Wohl geht dessen Entstehung auf das mittelalterliche Pilgerwesen zurück, beim modernen Ritterschlag hebt der Bischof jedoch hervor, dass «das Reich Gottes nicht mit dem Schwert erobert wird».

Dass der Orden zu Zeiten der Kreuzzüge noch nicht existierte, erspart ihm heute manchen Vorwurf. 1868 schuf Papst Pius IX. nämlich einen nach Regeln strukturierten päpstlichen Ritterorden, in den zwanzig Jahre später auch Frauen aufgenommen wurden. Seit 1949 ist ein Kurienkardinal Grossmeister und Ordensleiter. Das Leitmotiv «Deus lo vult» (Gott will es) entspringt der Zeit um 1096, als damit zum ersten Kreuzzug aufgerufen wurde. Damals wie heute fühlen sich Menschen von einem Ritterideal angezogen – allerdings einem, welches mit jenem der Kreuzritter nichts mehr zu tun hat. «Heute soll Rittertum so gelebt werden, wie wir es bei der Aufnahme in den Ritterorden versprechen: Eines, das keine Wunden schlägt, sondern heilt und sensibel auf die Not anderer reagiert», erklärt Monika Gut, Präsidentin der Komturei Solothurn.

In diesem Sinne repräsentieren die Grabritter keinen «seltsamen Klub», sondern einen Laienorden mit Geistlichen und katholischen Frauen und Männern, die ihren Glauben leben und vertiefen wollen. Sie strahlen anderen Konfessionen und Andersdenkenden gegenüber «ritterliche Toleranz» aus. Werte, denen sich auch die seit 1950 existierende «Schweizerische Statthalterei», die aktuell vom ursprünglich aus Solothurn stammenden Statthalter Jean-Pierre de Glutz-Ruchti geführt wird, verpflichtet fühlt. Auch die damals im Kanton Solothurn ansässigen Ritter Adolf Belser, Victor Glutz von Blotzheim-von Vivis (erster Präsident) Bernhard Heim-Studer, Generalvikar Gustav Lisibach, Werner Marthy, Ernst Meyer, Victor Meyer, Paul Portmann, Fritz Spieler, Walter J. von Däniken und Dame Martha Glutz von Blotzheim-von Vivis, die 1964 gemeinsam mit Bischof Franziskus von Streng in der Kirche Kreuzen die Komturei Solothurn gründeten. Später traten Persönlichkeiten wie der 1991 verstorbene Robert Nünlist, ehemaliger Kommandant der Schweizergarde, und der 2003 verstorbene Erzbischof Bruno Heim hinzu. Dieser war Grossoffizier des Ritterordens und unter anderem päpstlicher Nuntius in Grossbritannien und in den skandinavischen Ländern.

Heute gehören der Komturei 29 Ritter und Damen an. Darunter mit Weihbischof Martin Gächter der Prior der Deutschschweizer Sektion, mit Paul Rutz der Prior der Komturei, und Prälat Alfred Bölle, vormaliger Prior der Komturei Solothurn.

Vor kurzem wurde gemeinsam mit Felix Büchi eine Festmesse zum 50-Jahr-Jubiläum in der Gründungskirche gefeiert. An den Feierlichkeiten nahmen die Regierungsräte Roland Heim und Remo Ankli sowie Kantonsratspräsident Peter Brotschi teil. Ebenso mit Statthalter Jean-Pierre de Glutz-Ruchti und Sektionspräsident Rainer Lang die Spitze des schweizerischen Zweigs des Laienordens.