Klimawandel
«Risikolage» der Solothurner Bauern: Auch der Kanton ist gefordert

Ende Februar trafen sich die Solothurner Bauern zu ihrer Delegiertenversammlung. Thema unter anderen: Der Klimawandel und was er für die Solothurner Landwirtschaft bedeutet. Auch wenn die Folgen noch nicht alle absehbar sind: im Fokus stehen bereits heute Gentechnik und Bewässerungssysteme.

Noëlle Karpf
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In Sommermonaten wird es heisser, trockener. Wie können Bauern in diesen Zeiten ihre Felder genügend bewässern?

In Sommermonaten wird es heisser, trockener. Wie können Bauern in diesen Zeiten ihre Felder genügend bewässern?

Bruno Kissling

Grundwasserleiter können Schwankungen ausgleichen

Die Horrorvorstellung: Es ist zu heiss und zu trocken – und es gibt zu wenig Wasser. Ganz so schlimm ist es im Kanton nicht. Aber, wie es Philipp Staufer, Leiter Abteilung Wasser beim Kanton, erklärt: «Im Jura, aber auch im Bucheggberg fallen viele Quellen bei lang anhaltender Trockenheit aus.» Künftig sei davon auszugehen, dass das häufiger vorkomme. Dafür könnten die grossen Grundwasserleiter (Wasseramt, Dünnerngäu, Niederamt) Gebiete mit temporärem Mangel versorgen. Die wichtigsten Grundwasserleiter seien so gross, dass Schwankungen geglättet würden. «Die Grundwasserleiter reagieren erst auf mehrjährige Trends», erklärt Staufer. So können einzelne Hitzesommer gut überbrückt werden, danach muss es einfach wieder länger regnen.

Steigender Wasserbedarf in Haushalten habe keine Auswirkungen – derweil aber der langfristig erhöhte Wasserbedarf in der Landwirtschaft. Wasserentnahme wurde den Bauern seit der Jahrtausendwende zwar noch nie verboten, dafür in Trockensommern wie 2003, 2011, 2015 und 2018 eingeschränkt. «Die Problematik ist daher nicht neu und wird sich künftig nicht entschärfen. Wie lange es dauert, bis es kritisch wird, kann nicht generell beantwortet werden.» Wassersparende Bewässerungstechniken seien auch im Kanton unumgänglich. «Zudem muss regional überlegt werden, welche Kulturen aufgrund des potenziellen Wasserangebots künftig angebaut werden sollen.» (NKA)

Der Klimawandel hinterlässt nicht nur im Wald Spuren, sondern auch auf den Feldern der Solothurner Bauern. Dies führte Peter Brügger, Sekretär des Solothurner Bauernverbandes, Ende Februar an der Delegiertenversammlung aus. Die Landwirtschaft müsse sich in den nächsten Jahren auf eine «erhöhte Risikolage» ausrichten. Diese betrifft einerseits den Ackerbau. Laut Brügger ist nicht bei allen Pflanzen klar, wie sie auf den Klimawandel reagieren. Künftig müssten Bauern aber genau nach diesen Kriterien anpflanzen können. Es sei Aufgabe der Saatgutproduzenten, Angaben zu machen, aber auch Aufgabe der Forschungsanstalten, hier Antworten zu liefern. Auch werde sich noch zeigen, ob allenfalls moderne Züchtungsmethoden – Stichwort Gentechnik – eine Rolle spielen werden.

Futterreserven besser planen

Derweil besteht auch ein Risiko für die Nutztierhaltung. «Das letzte Jahr hat viele Bauern gelehrt, dass das Einplanen von Reserven beim Futterbau wichtig ist», so Brügger. In der Region wurden im Trockensommer 2018 Reserven knapp, andernorts drohten gar Notschlachtungen. Ein Ansatz sei, Körnermais als Silomais zu nutzen und unter Berufskollegen Reserven zu verkaufen.

Diesen Problemen könnten sich die Landwirte aber nicht alleine stellen, so der Bauernsekretär. Etwa bei der künftigen Wasserversorgung sei auch der Kanton gefordert. Es stelle sich etwa die Frage, wie man das Wasser aus der Aare in höher gelegene Gebiete wie Teile des Gäus, Wasseramts oder Bucheggbergs bringt. Auf den Betrieben selbst seien die sparsamere Tröpfchenbewässerung oder Bewässerung in Anlagen, wo Wasser nicht verdunstet, Thema. «Das Grundnetz für die Wasserversorgung kann nicht Aufgabe der einzelnen Landwirte sein», so Brügger. «Hier geht es um die Ernährungssicherheit unseres Landes.»

Insofern sprach Brügger auch die finanzielle Unterstützung des Kantons an. «Genau gleich wie der Tourismus oder das Baugewerbe die Schlechtwetterentschädigung kennen, wäre es angebracht, für die Landwirtschaft eine Trockenheitseinkommensausfall-Versicherung zu schaffen. Dies unter Beteiligung der öffentlichen Hand und der anderen Branchen.»