Weissenstein

«Riesenbüez»: Bei der Seilbahn ist grosse Revision angesagt

Die Seilbahn Weissenstein ist in ihrem sechsten Betriebsjahr angekommen. Das bedeutet: Zum ersten Mal läuft derzeit eine gesetzlich vorgeschriebene Revision im grossen Stil.Wir haben vorbeigeschaut.

Traumhaftes Wetter auf und um den Solothurner Hausberg. Auf den Parkplätzen vor der Talstation der Seilbahn Weissenstein in Oberdorf stehen Autos. Vom Berg hinunter gleiten Delta-Segler, die Strassen hinauf arbeiten sich Wandernde und Velofahrerinnen und Velofahrer. Ein ganz normaler Frühlingstag. Es scheint, als gäbe es das Corona-Virus gar nicht. Etwas aber ist anders: An den dicken Seilen der Bergbahn hängen keine Gondeli. Die Bahn steht still. Nicht (nur), weil aufgrund der aktuellen Vorgaben touristischer Verkehr nicht stattfinden darf. Nein; seit Anfang Woche steht bei der Seilbahn Weissenstein die grosse Revision an. Wohl die grösste seit der Inbetriebnahme vor sechs Jahren.

Geschäftsführer Konrad Stuber empfängt, die Hände in den Hosentaschen, vor der Talstation. Er erklärt, was für eine «Riesen-Büez» derzeit ansteht. Das Gesetz sieht nämlich vor, dass im sechsten Betriebsjahr gewisse Kontrollen und Revisionen gemacht werden. Und in diesem ist die Seilbahn, die im Herbst 2014 ihren Betrieb aufnahm, nun angekommen. Aber auch unabhängig davon sagt Stuber: «Wir zählen mittlerweile schon 17 000 Betriebsstunden. Da stehen auch andere Arbeiten an.» Um diese zu zeigen geht es in seinem Auto zuerst mal die Bergstrasse hinauf zum Herzstück der Bahn  – der Zwischenstation Nesselboden.

Mittelstation: 300 Keilriemen werden ausgewechselt

Hier ist es ungewohnt still. Kein Rattern und Brummen, das immer dann zunimmt, wenn eine Gondel mit viel Schwung in die Station einfährt, oder diese Richtung Berg oder Tal wieder verlässt. Passagiere schauen, wenn die Gondeli langsam durch die Station gleiten, für gewöhnlich aus den kurz geöffneten Türen. Was über ihren Köpfen abgeht, nehmen die meisten aber nicht wahr. Zu genau dieser Anlage führt, über eine kleine Leiter, nun Stuber.

Hier oben auf der Plattform sind derzeit vier Mitarbeitende am Werk. Am Boden liegen haufenweise Keilriemen aus Gummi. Genau um die geht es bei den Arbeiten. Ganz einfach gesagt: Die Riemen verbinden Pneu-Räder, die entlang der ganzen Mittelstation beidseitig verteilt sind. Fährt eine Gondel ein, kommen diese Räder ins Rollen, die Bewegung wird durch die Keilriemen weitergetragen. So wird die Gondel ruhig durch die Station geschoben, bis es über das grosse Seil und entlang der Masten bis zur nächsten Station wieder weitergeht.

Die Mitarbeitenden sind nun dabei, die Riemen auszuwechseln. Die alten Teile werden ausgespannt, die neuen zwischen den Pneu-Rädern eingespannt. In allen drei Stationen der Seilbahn gibt es insgesamt 325 Pneuräder. Gleichzeitig kontrollieren die Männer die Kugellager der Pneuradlagerungen und ersetzen diese wenn nötig. Dazu geht es wieder runter in die Talstation.

Talstation: Gondeli und Rollenbatterien werden saniert

Auch hier ist es ruhig. Die Werkstatt ist derzeit verlassen, zwei Gondeli, die derzeit ebenfalls saniert werden, stehen neben der Werkbank. Der Rest der knapp 70 Kabinen hängt im grossen Lager daneben in Reih und Glied. Rund 13 Gondeli können pro Jahr saniert werden. Das entspricht einem Fünftel des Gesamtbestandes. Das heisst, in fünf Jahren ist man einmal durch – und fängt wieder von vorne an. Gelegentliches Hämmern oder Gelächter kommt von draussen, von oben. Am ersten Mast der Seilbahn hängt eine mobile Plattform. Drei Mitarbeitende arbeiten darauf. Sie verrichten die eingangs erwähnten Arbeiten, die das Gesetz ab dem 6. Betriebsjahr vorschreibt: das Überholen und Prüfen der Rollenbatterien. Diese befinden sich an den einzelnen Masten; durch diese rattern die Gondeli jeweils und schütteln so die Fahrgäste kurz etwas durch.

17 Masten gehören zur Bahn, an einem hängen je zwei Rollenbatterien zu je 3.5 Tonnen. Stuber erklärt mit Blick auf den Masten 1, dass es wohl sechs Jahre dauert, bis man die Rollbatterien entlang der gesamten Seilbahn revidiert habe. Die Seilbahn Weissenstein, die das ganze Jahr über in Betrieb ist, hat nämlich andere Voraussetzungen als beispielsweise eine Bergbahn, die nur während der Skisaison fährt. Solche Bahnen können Rollbatterien, laut Stuber, von einem Helikopter entfernen, am Boden erneuern, und dann via Helikopter wieder anbringen lassen. Dafür muss eine Bahn aber mehrere Wochen schliessen. «Das können wir uns nicht leisten», sagt Stuber. Die Leute wollen rauf auf ihren Berg – im Herbst, um dem Nebel zu entfliehen, im Sommer um zu wandern, im Winter um zu schlitteln.

Deshalb hat Stuber dieses Jahr lediglich zwei Wochen für Revisionsarbeiten vorgesehen. Nur: Wegen des Corona-Virus und der aktuellen Situation muss auch die Seilbahn, wie andere touristische Verkehrsbetriebe auch, sicher bis 19. April geschlossen bleiben. Stuber wird deshalb wohl Kurzarbeit anmelden müssen. Aber: «Unser Betrieb wird nicht zugrunde gehen», so der Geschäftsleiter. Man hat seit der Inbetriebnahme jährlich Rückstellungen gemacht, von denen man nun zehren kann. «Zum Glück», so Stuber.

Vorgesehen waren diese Rückstellungen aber eigentlich für unvorhergesehene technische Probleme, die den Betrieb stillegen würden. «Je älter eine Bahn, desto mehr gibt sie zu tun», erklärt Stuber. So stehen nun jährlich aufs Neue die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeiten an. Und: «Dann hat auch ein Antriebsmotor oder Getriebe einmal seine Lebensdauer erreicht.» Dies dürfte nach rund 30 000-40000 Betriebsstunden eintreffen. Den Motor oder das Getriebe aus dem Herzstück der Bahn – der Mittelstation – zu heben und zu ersetzen, dürfte dann, um es mit Stubers Worten auszudrücken, erneut eine «Riesenbüez» bedeuten.

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