Der pensionierte Zürcher Kinderarzt Ulrich Lips ist seit mehr als 30 Jahren Mitglied des Solothurner Kammerorchesters und schon seit 25 Jahren dessen Präsident. So war es die Freundschaft zwischen ihm und dem Dirigenten des Orchesters, Urs Joseph Flury, welche ihn dazu gebracht hatte, auch das Präsidium der «Richard Flury-Stiftung» zu übernehmen.

Der 50. Todestag des Solothurner Komponisten und Neu-Romantikers Richard Flury (1896–1967) wird in diesem Jahr mit verschiedenen Anlässen gewürdigt. Für die sechs Stiftungsmitglieder, allen voran für den Präsidenten und den Geschäftsführer gab es im Vorfeld vieles zu tun, denn: «Es ist das Ziel der Stiftung, das Werk von Richard Flury immer wieder neuen Generationen bekannt zu machen und Werke zur Aufführung zu bringen», sagt der Präsident, der als Bratschist im Solothurner Kammerorchester mitspielt.

«Mit der Scholle verbunden»

Richard Flurys Bekanntheit sei leider nie ganz über die Region Solothurn hinausgetragen worden, erklärt Lips. «Flury war stets ‹mit der Scholle› verbunden», meint er. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu seinem Zeitgenossen Othmar Schoeck, der zu seinen Lebzeiten den Kontakt vor allem nach Deutschland suchte. Flury habe selbst über sein Schaffen sinngemäss gesagt, dass die Zeit die Wichtigkeit seiner Werke schliesslich beurteile. Lips: «Er war eine sehr bescheidene Persönlichkeit. 

Doch setzte Flury in der Musikszene seiner engeren Heimat wichtige Impulse sowohl als Dirigent wie auch als sehr fleissiger Komponist.» In jeder Pause während des Schuldienstes, in seiner gesamten freien Zeit habe er komponiert. «Und zwar alles, vom Lied bis zur Oper, vom Festspiel bis zur Messe.» Flury hatte Bekanntschaft mit vielen musikalischen Grössen seiner Zeit, und er hat es auch geschafft, einige von ihnen, wie Pablo Casals und Lisa della Casa, nach Solothurn zu Konzerten zu holen. «Darüber hinaus war es ihm auch ein Anliegen, die solothurnische Musiktradition zu pflegen, zu erforschen und zu schützen», weiss Lips.

Richard-Flury-Park in Biberist

Die Richard-Flury-Stiftung wurde 1996 anlässlich des 100. Geburtstages des Komponisten von seinem Sohn Urs Joseph Flury, der in die Fussstapfen seines Vaters getreten ist, ins Leben gerufen. Das damalige Stiftungskapital bestand aus dem Erlös von Autographen bekannter Kompositionen, welche man dem Musiksammler und -Kenner Paul Sacher verkaufen konnte, erzählt Lips. Zum 50. Todestag von Flury wird es nun eine Reihe von Veranstaltungen und Konzerten geben (s. nebenstehender Kasten). Aussergewöhnlich wird am 26. März die Einweihung des neu benannten Richard-Flury-Parks in Biberist sein, zu welcher es natürlich Flurys Musik zu hören gibt.

Ein ganz wichtiger Beitrag zu diesem Gedenkjahr wird die Neuerscheinung des Buches von Musikwissenschafter Chris Walton über Richard Flury sein. Der gebürtige Engländer ist Spezialist für Schweizer Musik der Jahrhundertwende. Er hat bereits ein Standardwerk über Othmar Schoeck verfasst und bekam deshalb von der Stiftung den Auftrag, das Buch «Richard Flury – the Life and Music of a Swiss Romantic» zu verfassen. Dieses wird Mitte März zunächst in Englisch – der Muttersprache Waltons – erscheinen.

Eine Kurzfassung in Deutsch wird ab Ende Juni in der «Schriftenreihe der Zentralbibliothek Solothurn» zur Verfügung stehen. Lips sagt dazu: «Die englische Sprache wird vielleicht einige hiesige Flury-Interessierte stutzig machen. Doch wir müssen bedenken, dass ein solches Buch Flurys Bekanntheitsgrad nicht nur im deutschsprachigen Raum erhöhen soll, sondern weltweit. Es ist somit eine einmalige Chance für uns, dass eine Arbeit dieses renommierten Autors erscheint.»

Zwar seien die Kosten für die Stiftung ziemlich hoch gewesen, setzt Lips nach, umso mehr, als er mit einem Gesuch um Druckkostenbeitrag beim Lotteriefonds des Kantons Solothurn gleich zweimal abgeblitzt ist. «Doch eines muss ich hervorheben: Die Stadt Solothurn hat das Buchprojekt sofort und unbürokratisch unterstützt.» Im Buch werden neben dem Leben Flurys, Gesprächen mit Zeitgenossen über ihn, auch ein komplettes Werkverzeichnis sowie eine CD mit Hörbeispielen zu finden sein. Lips: «Und keine Angst. Das Buch wird auch für den interessierten Laien gut zu lesen sein.»

Generell sei es halt schwierig, finanzielle oder auch ideelle Unterstützung für einen weniger bekannten Komponisten zu erhalten. «Damit müssen wir leben», sagt Lips. «Wenn ich von überregionalen Veranstaltern auf meine Anfragen um Unterstützung keine Antwort bekomme, kann ich schon damit leben. Aber wenn sich beispielsweise das TOBS nicht einmal die Mühe macht, auf mein Schreiben zu antworten, ist das schon bitter.» Doch, so setzt er noch nach, im kommenden Jahr werde das Sinfonieorchester des TOBS immerhin eine grössere Komposition von Richard Flury in zwei Konzerten zu Gehör bringen.