Kanton Solothurn
Rezepte für eine möglichst erfolgreiche Solothurner Landwirtschaft

Die Landwirtschaft im Kanton Solothurn soll für die Zukunft gerüstet sein. Dazu haben der Kanton, das Bildungszentrum Wallierhof und der Solothurnische Bauernverband gemeinsam die «Agrarstrategie 2013» erarbeitet. Ziel ist ein starker Bauernstand.

Franz Schaible
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Im Kanton Solothurn sind innert 10 Jahren rund ein Viertel aller Bauernbetriebe verschwunden.

Im Kanton Solothurn sind innert 10 Jahren rund ein Viertel aller Bauernbetriebe verschwunden.

Keystone

Kaum ein Wirtschaftszweig steht so unter Druck wie die Landwirtschaft. Innert zehn Jahren sind im Kanton Solothurn rund ein Viertel aller Bauernbetriebe verschwunden. Aktuell sind noch rund 1600 Voll- und Nebenerwerbsbetriebe aktiv. Und der Strukturwandel wird weitergehen. Grund genug für das Amt für Landwirtschaft, das Bildungszentrum Wallierhof und den Solothurnischen Bauernverband, gemeinsam Visionen für die Agrarwirtschaft zu entwickeln. «Wir wollen eine starke, und nicht eine serbelnde Landwirtschaft», umriss Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler das Hauptziel der «Agrarstrategie 2013», welche gestern vorgestellt wurde.

Die Globalisierung, die Veränderung der Agrarpolitik, neue raumplanerische Rahmenbedingungen sowie die Erwartungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft hätten sich stark verändert. Diese Veränderungen hinterliessen deutliche Spuren auf den Bauernbetrieben. Nun gelte es, zukunftsgerichtet optimale Lösungen im Anpassungsprozess für die Solothurner Landwirtschaft anzubieten, so Gassler weiter. Dabei soll es zu keiner Vermischung der Rollen der verschiedenen Akteure kommen. Der Bauernverband sei die politische Interessenvertretung, das Amt für Landwirtschaft sei für den Vollzug verantwortlich und der Wallierhof unterstütze die Bauern im Bereich Bildung.

Robert Flückiger, Chef des Amtes für Landwirtschaft und Peter Brügger, Sekretär des Bauernverbandes, zeigten an Beispielen auf, wie die Agrarstrategie konkret wirken soll. Eines der Hauptanliegen sei die Erhaltung von Kulturland. «Der Boden ist die wichtigste Produktionsgrundlage. Der massive Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche erhöht den Druck zur Intensivierung der Produktion», sagte Brügger. Um diesen Druck möglichst gering zu halten, werde der Verband bei seiner künftigen politischen Arbeit einen starken Akzent auf eine haushälterische Nutzung der nicht erneuerbaren Ressource Boden legen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Berufsbildung, Weiterbildung und die Beratung der Landwirte, wie Flückiger ergänzte. Das Bildungsangebot soll ausgebaut und angepasst werden, um adäquat auf die Veränderungen am Markt, bei der Technologie und bei den Erwartungen der Konsumenten reagieren zu können. Das Strategiepapier diene dem Wallierhof als Orientierungshilfe bei der Erarbeitung der Weiterbildungs- und Beratungsprogramme.

Um überhaupt reagieren zu können, brauche die Landwirtschaft Entwicklungsmöglichkeiten. Deshalb sei im Massnahmenpapier die betriebswirtschaftliche Seite stark gewichtet. So seien Güterregulierungen, Landumlegungen und Pachtlandarrondierungen Grundvoraussetzungen für eine effiziente Bewirtschaftung. Dasselbe ermögliche eine überbetriebliche Zusammenarbeit im Bereich Maschineneinsatz und Gebäudenutzung.

Wichtigste Aufgabe bleibe die Produktion von Lebensmitteln. «Hier liegt die Chance der hiesigen Agrarwirtschaft in der Qualitätsführerschaft», sagte Brügger. Ziel dürfe nicht eine Massenproduktion auf tiefem Niveau sein. Die Themen Gesundheit und Produktionsart spielen künftig eine sehr wichtige Rolle. Hier gelte es, die Bauern dafür zu sensibilisieren. Dank der hohen Kaufkraft der Konsumenten sei es möglich, den Mehrwert einer nachhaltigen Produktion am Markt auch umsetzen zu können. Auch Andreas Vögtli, Präsident des Solothurnischen Bauernverbandes, ortet bei den Konsumenten «eine hohe Sensibilität für Ökologie in Bezug auf die Nahrungsmittelproduktion». Gleichzeitig beobachtet er, dass, in der breiten Öffentlichkeit die Produktion von Nahrungsmitteln nicht mehr als vordringliche Aufgabe der Landwirtschaft wahrgenommen werde. Es sei aber angesichts der immer stärker globalisierten Landwirtschaft wichtig, dass die Schweiz auch künftig über einen angemessenen Selbstversorgungsgrad verfüge.

Das Strategiekonzept soll nicht zum Papiertiger verkommen, versichern die Verfasser. Neben der Ausrichtung der Aktivitäten des Kantons und des Bauernverbandes soll die Strategie den Bauernfamilien als Gedankenanstoss dienen, erklärte Bauernsekretär Brügger. Dank der darin enthaltenen Analyse von Schwächen und Stärken einer Branche kann der einzelne Betriebsleiter seinen Hof mit der Gesamtbranche vergleichen. Das Strategiepapier biete dann Ideen, um eine allfällige Neuausrichtung an die Hand nehmen. «Die Initiative muss aber der einzelne Landwirt ergreifen.»