Biberist

Revitalisieren und Hochwasser vorbeugen: Die Emme bekommt mehr Platz

Die Revitalisierung der Emme in Biberist ist in vollem Gange. Bald beginnen die Rodungen in Zuchwil und Luterbach.

Staub wirbelt auf, als eine grosse Baumaschine mit mannshohen Rädern über das Baustellenareal bei der Emme in Biberist fährt. Seit dem Frühjahr ist hier viel passiert: Die Revitalisierung der Emme vom Wehr in Biberist bis zur Aare ist in vollem Gange. «Wir sind gut im Zeitplan, sogar etwas voraus», sagt Roger Dürrenmatt vom Amt für Umwelt. Die beteiligten Firmen arbeiten ihm zufolge sehr schnell und auch die geschätzten Baukosten von 73,6 Millionen Franken werden voraussichtlich eingehalten. «Im Mai haben wir mit den Wasserbauarbeiten angefangen», so Dürrenmatt. Dazu gehören der Dammbau, die Flussverbreiterung, die Gestaltung der Überflutungsflächen, die individuelle Ufergestaltung und der Umbau von Schwellen zu Fischrampen.

Beim Dammbau gehe es darum, dass die Emme bei Hochwasser nicht das Siedlungsgebiet überschwemme. In Biberist sind diese bis über einen Meter hohen Erdwalme bereits fertiggestellt. Man versuche, dieses so weit vom Ufer entfernt wie möglich zu machen. Das ist an Orten, wo die Häuser bis nahe ans Ufer gebaut wurden, schwieriger. So zum Beispiel beim östlichsten Biberister Emmeabschnitt. An solchen Stellen ist der Damm deshalb steil und gut sichtbar.

Nicht so an den Orten, wo der Fluss sowieso viel Platz hat: dort sind die Erdaufschüttungen nur als breite und bald mit Sträuchern bewachsene Erhebungen zu erkennen. In Biberist und in Derendingen sind grosse Teile der Erdwalme bereits angesät. «Etwa zwei Drittel sind bereits fertig gebaut», so Dürrenmatt. Für die Dämme verwenden die Bauunternehmen abgetragenes Material von dort, wo der Fluss verbreitert wurde. «Wir versuchen, dass abgetragene Material immer so nah wie möglich wieder zu verbauen», so Dürrenmatt. Dies ist auch der Grund, warum nicht in Fliessrichtung von «oben nach unten», sondern an verschiedenen Orten parallel gearbeitet wird. Die Fuss- und Radwege seien trotz der Arbeiten begeh- und befahrbar.

Überflutungsflächen nicht gleich Flussverbreiterung

Inzwischen ist die grosse Baumaschine über eine schmale Rampe ins Flussbett hinunter gefahren, wo sie auf einer Baupiste abgetragenes Material in einen unteren Flussabschnitt verfrachtet. Blickt man vom Wehr Richtung Derendingen, fällt auf, dass die Emme bereits um einige Meter verbreitert wurde. «Man muss zwischen Überflutungsfläche und Verbreiterung unterscheiden», sagt Roger Dürrenmatt.

Bei der Flussverbreiterung habe die Emme mehr Platz, da der Boden auf dieselbe Höhe wie das Flussbett ausgehoben werde. Bei den Überflutungsflächen, welche sich im Gebiet der drei ausgehobenen Abfalldeponien befinden werden, hebe man den Boden bis etwa einen Meter höher als das übrige Flussbett aus. Diese Gebiete werden Dürrenmatt zufolge nur etwa 30 bis 40-mal im Jahr – also bei einem erhöhten Wasserstand – geflutet. «Die ehemaligen Deponiegebiete werden zu pflanzen- und tierartenreichen Auenlandschaften», sagt er und blickt zur Kehrrichtdeponie Schwarzweg bei Derendingen.

Zwei der drei Deponien sind bereits saniert, nur diejenige in Derendingen wird erst in etwa zwei Wochen fertig sein. Momentan laufen dort noch Aushubarbeiten über der durch die Deponie verlaufenden Abwasserleitung. Die Überflutungsflächen seien noch nicht fertig gestaltet. Das werde Teil der Feinarbeiten – der «Kosmetik», wie Dürrenmatt sie nennt. Diese werden erst vorgenommen, wenn die groben Wasserbauarbeiten beendet sind.

Neben dem Dammbau und der Verbreiterung der Emme wurde beim Spielplatz in Biberist ein Wasserzugang mit riesigen Steinblöcken aus dem Tessin gebaut. Die Ufer werden individuell gestaltet: sei dies mit Holz der Rodungsarbeiten, mit grossen Steinblöcken aus dem Tessin oder mit Kiesschüttungen aus den Flussverbreiterungen.

Der Eingriff in die Natur zahlt sich letztlich für diese aus

Die Frage, ob dieser Rieseneingriff in die Natur nicht etwas am Ziel der Revitalisierung vorbeischiesse, sei berechtigt. Dass die Fische zurzeit mit den Maschinen im Flussbett keine optimalen Lebensbedingungen haben, sei nicht zu bestreiten, sagt Roger Dürrenmatt. Wenn man aber das Emmegebiet oberhalb des Wehres bei Biberist und Gerlafingen betrachte, bei welchem Mitte 2012 die Bauarbeiten abgeschlossen wurden, erkenne man, wie schnell sich die Natur erholt habe und wie naturnah das Gebiet gestaltet worden sei. Dabei profitieren auch die Fische. «Zudem war bei den Abfalldeponien ein solcher Eingriff nötig, um diese überhaupt sanieren zu können.» Es sei wichtig, dies zu kommunizieren und die Anwohner auf die Landschaftsveränderungen zu sensibilisieren.

Mit den Wasserbauarbeiten im Abschnitt Biberist bis Derendingen wolle man bis im Herbst 2019 fertig werden. «Anfang kommenden Oktober werden wir mit den Rodungen bei Zuchwil und Luterbach beginnen. Erst Ende nächstes Jahr beginnen wir mit den Rodungen zwischen Derendingen und Zuchwil», sagt Roger Dürrenmatt. Der Abschnitt werde vorerst übersprungen, damit man in Zuchwil dem geplanten Ersatzneubau der Kehrichtverbrennung (Kebag Enova) aus dem Weg gehen könne. Das gesamte Projekt soll Ende 2020 abgeschlossen sein.

Meistgesehen

Artboard 1